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KommentarPro: Der große Innovator

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Der Sieger im Publikumsvoting der ersten Sendung von "Absolute Mehrheit - Meinung muss sich wieder lohnen" ist Wolfgang Kubicki (FDP). Mit dem neuen Format soll den Zuschauern die Politik näher gebracht werden

von Konrad Fischer

Die von der Kritik umgehend zerrissene Talkshow " Absolute Mehrheit" kommt nicht nur beim werberelevanten Publikum gut an, sondern könnte auch dem Verhältnis von Politik und Show gut tun.

Diese politische Gesprächsrunde war ein Desaster. Der Moderator verhaspelt sich schon im ersten Satz, macht deplatzierte, zum Teil chauvinistische Scherze und unterbricht die Unterhaltung ständig  durch Wasserstandsmeldungen über die Anzahl der Zuschaueranrufe. Und am Ende gewinnt der Politik-Hallodri Wolfgang Kubicki, der sich von Beginn an mehr für seine weibliche Sitznachbarin als den Verlauf der Debatte zu interessieren schien. Wo bleiben denn da die Inhalte!

Contra Raab hat Chance vertan

Eine neue Form des Polittalks im deutschen Fernsehen wäre zwar nicht schlecht, doch Entertainer Stefan Raab erfüllt diese Hoffnung leider nicht.

Moderator Stefan Raab Quelle: dapd

Na und. Wer die Polit-Show "Absolute Mehrheit" mit den Kriterien der alltäglichen Talkrunde misst, hat offensichtlich etwas nicht verstanden: Das Problem liegt im System. Seit den Zeiten von Sabine Christiansen werden Politiker dafür kritisiert, dass sie die großen Debatten heute in Talkshows führten, nicht mehr im Bundestag. Diese Kritik trifft zu, doch sie trifft nicht nur die Politiker. Aus lauter Freude über die vielen großen Namen, die seit einigen Jahren ständig bereit sind, sich im Fernsehen zu zeigen, haben die Fernsehmacher die Formate zunehmend den Bedürfnissen der Politiker angepasst. Mit einer bewundernswerten Detailkenntnis dürfen sie bei Günther Jauch und Kollegen vortragen, warum welche Armutsstudie falsche oder richtige Zahlen präsentiere.

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Im Bundestag gewinnt, wer die Mehrheit hat

So wurden die Politikstars immer omnipräsenter, das schmeichelte den Fernsehmenschen, nur einen haben sie dabei aus dem Blick verloren: den Zuschauer. Denn solche Debatten gehören tatsächlich in den Bundestag. Im besten Falle ist das Fernsehen das Bindeglied zwischen Politik und Menschen, wo die Aufmerksamkeit für ein Thema hergestellt wird, ohne dass es erschöpfend diskutiert werden müsste. Denn eigentlich ist die Sache längst entschieden, wenn sie im Fernsehen diskutiert wird: Im Bundestag gewinnt am Ende ohnehin, wer die Mehrheit hat. Und insofern hat er auch Recht, zumindest auf Zeit. Das nennt man ein Mandat.

Die klassischen Politik-Talkshows jedoch bauen die Illusion auf, es gebe tatsächlich noch etwas zu diskutieren. Da versuchen Linke Konservative von Millionärssteuern zu überzeugen und Grüne Liberale für das Dosenpfand zu gewinnen. Dabei wissen eigentlich beide: Wenn es hier noch etwas zu überzeugen gäbe, dann wäre keiner von uns jemals in die Politik gegangen. Hier sind wir doch eigentlich, um unsere Meinung durchzusetzen, nicht um sie uns zu bilden.

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