Protektionismus: Abschottung schadet allen

KommentarProtektionismus: Abschottung schadet allen

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Sven T. Marlinghaus, Partner und Managing Director der BrainNet Supply Management Group, St. Gallen

Viele Regierungen haben ihre Länder in Teilbereichen schon abgeschottet oder bereiten aktuell protektionistische Maßnahmen vor.

So hat der US-Senat zwar die sogenannte "Buy-American"-Vorschrift im Konjunkturprogramm entschärft. Trotzdem sieht die Klausel jetzt für staatlich geförderte Infrastruktur-Projekte nur Stahl und Eisen aus US-Produktion vor. Doch auch die EU hat schon im Vorfeld der Wirtschaftskrise 2008 Anti-Dumping-Maßnahmen erlassen, die bestimmte chinesische Produkte mit rund 85 Prozent Strafzoll besteuern. China hat im selben Jahr beispielsweise die Einfuhrzölle auf Textilmaschinen kräftig angehoben.

Drastisch erhöhte US-Importzölle hatten 1930 eine weltweite Welle des Protektionismus ausgelöst. Das verstärkte damals wesentlich den Einbruch der Weltwirtschaft. Dass die Politik eigentlich daraus gelernt haben sollte, darauf können sich Unternehmen nicht verlassen. Sie müssen eigene Anti-Abschottungs-Strategien entwickeln. Eine zentrale Rolle nimmt dabei die lokale Beschaffung ein. Das bedeutet, dass Unternehmen ihren Einkauf verstärkt in ihren Absatzmärkten tätigen. Damit reagieren sie nicht nur auf protektionistische Maßnahmen, sondern auch auf ökologische Anforderungen, die weltweite Transporte auf ein Optimum beschränken. Heute macht beispielsweise ein großer Mittelständler mit 800 Millionen Euro Umsatz rund 65 Prozent seines Geschäfts im Ausland. Sein Beschaffungsanteil außerhalb Deutschlands beträgt aber nur 18 Prozent. Absatz- und Einkaufsmenge sollten aber gerade in Märkten mit Abschottungstendenzen näher beieinander liegen.

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Lokalisierung der Einkaufsaktivitäten nimmt zu

Nun haben schon viele Unternehmen etwa in China Bestellungen getätigt. Aber wirklich starke Einkaufsorganisationen haben noch die wenigsten vor Ort. Strategie, Vorgaben und Rahmenverträge kommen meistens noch aus den Stammhäusern im Heimatland. Doch das reicht nicht aus. Denn der Einkauf muss genauso global und flexibel agieren wie der Vertrieb. Oder er sollte, um höhere Kostenvorteile zu erbringen, sogar noch besser aufgestellt sein. Nur starke global ausgerichtete Organisationen, die die Beschaffung weltweit steuern, beherrschen solche Anforderungen erfolgreich.

Die Zentrale operiert dabei je nach Warengruppe in unterschiedlichen Ländern. So kann beispielsweise die Task-Force für Elektronik- und Spritzgussteile in China sitzen. Von dort erfolgt dann die zentrale Koordination des Einkaufs für diese Warengruppe. Kauft jedoch das gleiche Unternehmen Softwareentwicklungen ein, dann arbeitet diese zentrale Task-Force in Indien. Und die hochpräzisen Steuerungssysteme kommen aus Deutschland. Die zentrale Koordination geschieht damit im Lieferantenmarkt und nicht am Stammsitz. Eine aktuelle Studie bei weltweit rund 150 Einkaufsleitern zeigt, dass die Lokalisierung der Einkaufsaktivitäten signifikant zunimmt. Rund 34 Prozent der Befragten gaben an, dass sie zunehmend eine sogenannte Local-to-Local-Strategie etablieren möchten. Weitere 31 Prozent wollen die Anzahl ihrer internationalen Lieferanten um mehr als 20 Prozent erhöhen.

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