Proteste: Massendemo fürs VW-Gesetz: Richtiges Ziel, falscher Weg

KommentarProteste: Massendemo fürs VW-Gesetz: Richtiges Ziel, falscher Weg

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Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Thomas Katzensteiner

Die offiziellen Adressaten der heutigen Massendemo auf dem Wolfsburger VW-Gelände sollen die EU-Kommission und das Land Baden-Württemberg sein, die sich für eine Abschaffung des VW-Gesetzes einsetzen, das die Stimmrechte eines VW-Großaktionärs und damit dessen Einfluss beschränkt. Der wahre Adressat scheint aber doch eher in Stuttgart-Zuffenhausen zu sitzen: Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Thomas Katzensteiner.

Er schickt sich derzeit an, mit seinem Unternehmen die Mehrheit an Volkswagen zu übernehmen. Heute hat die IG-Metall die nächste Stufe des Konflikts mit Porsche gezündet. Und streitet doch um die falschen Pfründe. Die Antwort aus Stuttgart wird mutmaßlich nicht lange auf sich warten lassen. Wirklich nötig scheint das alles bei näherer Betrachtung nicht.

Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe:

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Erstens: Es ist möglich, auch ein Unternehmen wie VW im Einklang mit Arbeitnehmerinteressen und Mitbestimmungsrechten erfolgreich zu führen. VW-Chef Martin Winterkorn beweist das gerade. Sein Vorgänger Bernd Pischetsrieder hat es auch bewiesen. Wenn es für das Unternehmen in der Vergangenheit eng wurde, hat sich die Arbeitnehmerbank auch bei Volkswagen Kompromissen nicht verschlossen. Im Gegenteil: Wer mit den Betriebsräten  der jüngsten Generation von VW, Opel und Co. spricht, gewinnt den Eindruck, dass nie mehr Sachkenntnis vorhanden war über  Produktionsprozesse, Effizienz und auch Kostensenkungspotenziale und -notwendigkeiten. Porsche würde sich also nichts vergeben, wenn man den VW-Arbeitnehmern im neuen Gesamtkonzern ein proportional angemessenes Mitspracherecht in der neuen Porsche-Holding einräumte. Dass VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh und seine Kollegen dafür kämpfen, ist nachvollziehbar.

Zweitens: Für eine angemessene Vertretung der Arbeitnehmerinteressen braucht es beim besten Willen kein VW-Gesetz. Mit welcher Berechtigung sollen ausgerechnet bei Volkswagen die Regeln des Kapitalmarktes nicht gelten? Volkswagen hat einen IG-Metall-Organisationsgrad von 97 Prozent. Kann irgendein Manager ernsthaft annehmen, dass er dauerhaft gegen die Interessen der Belegschaft regieren kann? Es mag für IG-Metall und Betriebsräte bequemer sein, mit einem VW-Gesetz im Rücken auf künftige Forderungen zu pochen. Es mag auch sein, dass ein endgültiges Verschwinden des Gesetzes ein schwerer Schlag für das Land Niedersachsen und dessen Ministerpräsident Christian Wulff wäre.

Also worüber reden wir hier? In vielerlei Hinsicht doch nur noch über persönliche Eitelkeiten. Wulff fürchtet offenbar um einen Machtverlust, genau wie mancher Arbeitnehmervertreter, allen voran Osterloh. Als Steuerzahler darf man sich darüber schon ein wenig ärgern, wenn Niedersachsen und die Bundesregierung nun sehenden Auges in die nächste Niederlage gegen die EU-Kommission laufen und dabei mutmaßlich wieder Millionen Steuergelder versenken.

Auf der anderen Seite steht ein offenbar ziemlich bockiger Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der die Architektur der künftigen Porsche SE Holding selbst bestimmen möchte – am allerliebsten ganz allein. Dabei hätte auch er das nicht nötig. Anhaltende Klagen der Belegschaft sind auch aus seinem Unternehmen nicht bekannt, die Mitarbeiterzufriedenheit gilt als überdurchschnittlich. Ein friedliches Auskommen mit Wiedeking scheint also prinzipiell möglich. Und was spricht eigentlich objektiv dagegen, zum Beispiel auch VW-Konzernchef Martin Winterkorn in den Vorstand der künftigen Holding zu holen, um so auch die Arbeitnehmer zu befrieden?

Doch offenbar laufen hinter den Kulissen ganz andere Fehden. Etwa die zwischen Ex-VW-Konzernchef Ferdinand Piech und dessen Cousin Wolfgang Porsche. Der eine, Piech, war bisher der unangefochtene Autoexperte des beiden Porsche-Inhaberfamilien Piech und Porsche. Doch inzwischen hat Wolfgang Porsche als inoffizieller Chef des stärkeren, weil mit mehr Stimmrechten ausgestatteten Familienclans, offenbar entschieden, nicht länger hinter Cousin Ferdinand zurückzutreten. Piech setzt auf VW-Chef Winterkorn, Wolfgang Porsche hält Wendelin Wiedeking den Rücken frei für die Schlacht mit Wolfsburg.

Sicher ist deshalb nur eines: Wenn nicht bald ein tragfähiger Kompromiss gefunden wird, wird das am Ende beiden Konzernen schaden.

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