Prozessauftakt gegen Werner Mauss: „Das Phantom“ auf der Anklagebank

Prozessauftakt gegen Werner Mauss: „Das Phantom“ auf der Anklagebank

, aktualisiert 26. September 2016, 18:01 Uhr
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Der 76-Jährige soll seine Stiftungseinkünfte aus dem Ausland nicht versteuert haben.

Quelle:Handelsblatt Online

Unerkannt bis in den Saal, gekleidet in einen dunklen Parka: Deutschlands legendärer Ex-Agent Mauss steht wegen millionenschwerer Steuerhinterziehung vor Gericht. Wenn es schlecht läuft, droht ihm Gefängnis.

BochumAls Ex-Agent Werner Mauss den Sitzungssaal des Bochumer Landgerichts betritt, trägt er einen dunkelblauen Winterparka, die Kapuze hat er sich tief in die Augen gezogen. Später dreht der 76-Jährige den Fotografen und Kamerateams sogar komplett den Rücken zu.

Mauss hatte den Gerichtssaal am Montangmorgen unbemerkt durch den Gefangenentrakt betreten dürfen. Dabei sitzt er nicht einmal in Untersuchungshaft. Eine absolute Ausnahme. Erst als einer der Wachtmeister seinen Kollegen geheimnisvoll zuraunt: „Der Adler ist im Nest“, dürfen auch die auf dem Flur wartenden Zuschauer und Journalisten den Saal betreten.

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Was sie sehen, ist ein kleiner, gealterter Herr, der seinen Parka auch während der Verhandlung nicht ausziehen will. Sagen wird der 76-Jährige am ersten Verhandlungstag noch gar nichts. Weder zu den Vorwürfen, noch zu seiner Person. Mauss, von dem jahrzehntelang nicht einmal ein Foto existierte und der deshalb als „Phantom“ galt, will seine Deckung offenbar nicht so schnell verlassen.

Für den ehemaligen Geheimagenten ist der Prozess eine heikle Mission. Es geht um Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Wenn es schlecht läuft, droht ihm sogar Gefängnis. Ein Urteil könnte kurz vor Weihnachten fallen. Die Verteidiger hatten vor Prozessbeginn gleich zweimal das Gespräch mit Richtern und Staatsanwälten gesucht. Das letzte erst in der vergangenen Woche. Dabei haben sie darauf hingewiesen, dass Mauss einer Geheimhaltungspflicht unterliegt.

Richter Markus van den Hövel, Vorsitzender der 2. Großen Strafkammer am Bochumer Landgericht, sieht allerdings im Moment überhaupt keinen Grund dafür, die Bundesregierung oder den Verfassungsschutz einzuschalten. „Ein Kausalzusammenhang zwischen einer sachgerechten Verteidigung und einer Aussagegenehmigung ist zurzeit nicht zu erkennen“, sagt er. Auch die Staatsanwaltschaft sei da ganz seiner Meinung.


Milliardenschwere Rückzahlung

Es ist eine Steuersünder-CD, die den geheimnisumwitterten Top-Agenten in echte Schwierigkeiten bringen könnte. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte sie 2012 von einem Insider der Schweizer Großbank UBS angekauft.

Noch im selben Jahr wurde das Anwesen von Mauss im Hunsrück durchsucht. Dass der 76-Jährige nicht in Untersuchungshaft gekommen ist, hat er unter anderem einer Kaution von einer Million Euro zu verdanken. Gleichzeitig hatte Mauss auch dem Finanzamt vier Millionen Euro überwiesen – als Schadenswiedergutmachung.

Im Prozess vor dem Bochumer Landgericht geht es um Nummernkonten, Firmen und dubiose Stiftungen. Mauss soll seit den späten 1980er-Jahren unter verschiedenen Aliasnamen immer wieder Geld im Ausland angelegt haben. Laut Anklage ging es dabei um Beträge von bis zu 60 Millionen US-Dollar, von denen die deutschen Finanzbehörden angeblich nichts wussten. Die Steuerhinterziehung soll sich auf rund 15 Millionen Euro belaufen. Insgesamt soll der 76-Jährige zwischen 2002 und 2013 Gewinne aus Kapitalanlagen von mehr als 40 Millionen Euro verheimlicht haben.

Zum Prozessauftakt muss sich Ex-Agent Mauss schwere Vorwürfe anhören. Sein Handeln sei in einem „besonders anstößigen und überdurchschnittlichem Maße“ von seinen wirtschaftlichen und insbesondere auch steuerlichen Vorteilen geprägt gewesen, heißt es in der Anklage. An einer anderen Stelle ist von einem „erheblichen Verschleierungsaufwand“ die Rede.

Mauss zeichnet von sich ein ganz anderes Bild als die Staatsanwälte. Nach eigenen Angaben war er jahrzehntelang in geheimer Mission unterwegs - auch für die Bundesregierung. Seit 2000 berate er vornehmlich Menschenrechtsorganisationen, sagte Mauss im April. Wenn Mitarbeiter etwa von Hilfsorganisationen entführt werden, bemühe er sich „unter höchster Lebensgefahr“ um deren Freilassung. Auf diese Weise habe er bereits 43 Menschen das Leben gerettet.

Quelle:  Handelsblatt Online
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