Rainer Brüderle: Ökonomisches Scheingefecht um Lohnerhöhungen

KommentarRainer Brüderle: Ökonomisches Scheingefecht um Lohnerhöhungen

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WirtschaftsWoche-Redakteur Bert Losse

von Bert Losse

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle fordert höhere Löhne für die Beschäftigten. Der Haken an der Sache: Es gibt derzeit in den wichtigen Branchen gar keine Tarifverhandlungen.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hat sein Herz für den Arbeitnehmer entdeckt. "Wenn die Wirtschaft boomt, sind auch kräftige Lohnerhöhungen möglich", sagt der FDP-Mann - und nennt die deutsche Stahlindustrie als Vorbild. Dort haben sich die Tarifparteien jüngst auf eine Lohnerhöhung von 3,6 Prozent geeinigt. Dieser Abschluss habe laut Brüderle gezeigt, „dass ein fairer Ausgleich möglich ist, an dem sich vielleicht andere Branchen orientieren könnten."

Ungünstiger Terminkalender der Gewerkschaften

Doch das ist eher Wunschdenken. Zwar sind die Bruttostundenlöhne in Deutschland seit 2000 um rund acht Prozentpunkte weniger gestiegen als im gesamten Euro-Raum. Doch der tarifpolitische Terminkalender ist für die Gewerkschaften derzeit ziemlich ungünstig. IG Metall & Co. haben schlicht keine Gelegenheit, auf breiter Front den aktuellen (und sich bereits wieder abschwächenden) Aufschwung in höhere Löhne umzumünzen. Die Verträge für die 3,4 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie, der wichtigsten Branche, laufen noch bis zum 31. März 2012. Und der Lohnzuwachs für 2011 steht bereits fest: Ab April gibt es 2,7 Prozent mehr für die Metallarbeitnehmer.

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Auch die zweitgrößte Gewerkschaft Verdi hat nicht die besten Karten im Tarifpoker. Zwar steht zum Jahresende die Tarifrunde für die rund 643.000 Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder an. Dort aber zählen angesichts der desaströsen Haushaltslage andere Gesetze als in der Industrie. Die Tarifverhandlungen in der Chemieindustrie und im Bauhauptgewerbe schließlich beginnen erst im Frühjahr, wenn die konjunkturellen Vorzeichen womöglich schon wieder anders sind.

Um tatsächlich das Ende der Bescheidenheit einzufordern (und durchzusetzen), müssen die Gewerkschaften noch eine ziemlich ausgedehnte Warteschleife drehen. Daran wird auch Rainer Brüderle nichts ändern können.

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