Reduzierung von Offshore-Wind: "Der heutige Strommarkt bietet keine Versorgungssicherheit"

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InterviewReduzierung von Offshore-Wind: "Der heutige Strommarkt bietet keine Versorgungssicherheit"

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Rainer Baake, Direktor der Initiative Agora Energiewende, im Interview mit WirtschaftsWoche.

von Mario Brück

Rainer Baake, Chef der Berliner Energiewende-Denkfabrik Agora, fordert die Reduzierung der Ausbauziele für Offshore-Wind und die bislang befreiten Eigenerzeuger von Strom ebenfalls zur Kasse zu bitten.

WirtschaftsWoche: Herr Baake, der Bau von Windfarmen in der deutschen Nord- und Ostsee, den so genannten Offshore-Windparks, stockt gewaltig: es fehlt an Investoren für neue Parks und die Hersteller von Turbinen, Türmen und Tripoden gehen reihenweise pleite, weil Folgeaufträge fehlen. Kommt das Aus für die Offshore-Energie noch vor dem Aus für die Atomkraft?

Rainer Baake: Das hängt von den politischen Entscheidungen und den Lernkurven der Offshore-Industrie ab. Wir bei Agora Energiewende sind im Rahmen einer größeren Studie der Frage nachgegangen, welche Rolle die Offshore-Technologie für die Kosten der Energiewende spielt.

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Und? Brauchen wir unbedingt Strom aus Meereswindparks?

Die Fragen nach "brauchen wir" sind immer einerseits damit verbunden, was uns eine Technologie in der Zukunft kostet und andererseits ob wir kostengünstige Alternativen haben. Was die Offshore-Windkraft in Zukunft tatsächlich kosten wird, kann ich nicht beurteilen. Aber kostengünstige Alternativen haben wir.

Sie meinen Solar- und Windenergie an Land?

Genau. Beide Energieformen sind vergleichsweise günstig bei der Energieerzeugung. Offshore dagegen ist derzeit ein klarer Kostentreiber der Energiewende.

Also Schluss mit dem unkalkulierbaren Abenteuer vor den deutschen Küsten?

Nein, das ist nicht unsere Schlussfolgerung. Auch die Offshore-Technologie braucht eine faire Chance. Der beteiligten Industrie muss es ermöglicht werden, zu lernen und über Skaleneffekte die Kosten zu senken. Dann kann sie sich dem Wettbewerb stellen. Es sollte jetzt aber vor allem nicht der gleiche Fehler gemacht werden, wie bei der Fotovoltaik, als in den Jahren 2010 bis 2012 große Kapazitäten in den Markt gedrückt wurden, zu Zeiten also als die Fotovoltaik noch sehr teuer war.

Sie empfehlen also eine deutliche Drosselung des Offshore-Ausbaus?

Im Moment gibt es ja aufgrund der von Ihnen eingangs geschilderten Situation gar nicht mehr viel zu drosseln. Wenn ich einen langsameren Ausbau empfehle, dann bezieht sich das auf die von der Bundesregierung formulierten Offshore-Ausbauziele. Die müssen reduziert werden.

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Warum setzt die Bundesregierung eigentlich auf diese teure, risikoreiche und vergleichsweise unerprobte Technologie?

Die Pläne, Windkraftanlagen auf dem Meer zu bauen, entstanden vor mehr als zehn Jahren. Damals ging man davon aus, dass es an Land nicht genug Standorte für Windkraftanlagen gäbe. Aber die haben wir, wie wir heute wissen. Zum zweiten hat die Windindustrie der Politik damals Zahlen für die Kosten des Offshore-Ausbaus genannt, die weit unten den heutigen liegen. Die Schlussfolgerung daraus kann nur lauten: Die Energiewende muss als lernendes System aufgesetzt werden. Einmal beschlossene Ziele dürfen nicht auf Teufel komm raus durchgesetzt werden, egal was es kostet.

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