_

Regierung: Auf Siegerkurs: CSU-Aufsteiger Guttenberg

von Michaela Hoffmann und Katharina Koufen (Berlin)

Nach der Bayernwahl holte ihn Horst Seehofer in die Parteizentrale, um die CSU wieder auf Siegerkurs zu bringen. Jetzt setzt Aufsteiger Karl-Theodor zu Guttenberg zum Sprung nach Berlin an. Der Generalsekretär wird Bundeswirtschaftsminister.

CSU-Generalsekretär Quelle: dpa
CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg: Der neue CSU-General ist anders als viele Vorgänger - Nicht bajuwarisch-hemdsärmelig, sondern nachdenklich-sachlich Quelle: dpa

Gerade eben erst wurde er als neuer Generalsekretär der CSU gefeiert. Karl-Theodor zu Guttenberg sollte seine Partei sicher durch das Superwahljahr 2009 führen. Er war das neue, junge Gesicht, das die glücklose Vorgängerin Christine Haderthauer ablöste und die CSU wieder auf Siegerkurs bringen sollte. Und er startete so gut: Zusammen mit dem ebenfalls neuen Ministerpräsidenten und Parteichef Horst Seehofer tourte er im Herbst durch Bayern, versammelte die Basis, hörte sich deren Klagen über Abgehobenheit und Arroganz der alten Parteiführung an – und versprach Besserung.

Anzeige

Doch das ist seit heute Morgen auch schon wieder Schnee von gestern, wie in letzter Zeit so oft bei der CSU. Der allerneuste Generalsekretär heißt Alexander Dobrindt, und außer ein paar Parteikollegen und Journalisten in Berlin kennt niemand den Bundestagsabgeordneten und bis vor wirschaftspolitschen Sprecher seiner Partei.

Guttenberg dagegen nimmt gleich drei Sprossen auf einmal auf der Karriereleiter und wird Bundeswirtschaftsminister, mit gerade einmal 37 Jahren jüngstes Mitglied im Kabinett von Angela Merkel. Damit hat Seehofer eine weitere Personalie durchgesetzt, die seinen Hauptkriterien entspricht: Jung und Seehofer-loyal. Und obendrein Franke – das ist wichtig, weil auch der scheidende Michael Glos von diesem leicht kränkbaren Stamm der Bayern abstammt. Erst im Herbst hatte Seehofer nach den Kriterien jung und Seehofer-loyal die 44-jährige Ilse Aigner in das Amt der Landwirtschaftsministerin gehoben.

Für Guttenberg läuft es also rund. Dabei erzählte er noch Ende Dezember, er nehme sich keine guten Vorsätze fürs neue Jahr vor, denn: „Sie wären Ausdruck des Scheiterns im vergangenen Jahr.“ Nun ist er auch ohne den Vorsatz, Minister zu werden, ins Kabinett aufgestiegen.

Guttenberg sitzt im Berliner Café Einstein, nahe des Brandenburger Tors und rührt in einem Ingwertee. Er wirkt zurückhaltend und so gar nicht bajuwarisch hemdsärmelig. In Anspielung auf seine adelige Herkunft wurde er gar als "schillernde Figur" bezeichnet, die nicht in die biedere CSU passe. Denn Guttenberg ist Spross einer jahrhundertealten wohlhabenden Adelsfamilie aus Oberfranken.

Doch wer den promovierten Juristen trifft, gewinnt einen anderen Eindruck. Guttenberg wirkt jungenhaft, nachdenklich und freundlich. Dass er mehr als einmal die Worte "da habe ich auch keine Lösung parat" wählt, macht ihn zu einem eher untypischen Standesvertreter - wenn man bedenkt, dass viele Politiker wie auf Knopfdruck wortreich politische Stanzformeln absondern, selbst wenn sie keine Ahnung von der Sache haben.

Guttenberg nimmt seine Brille ab und massiert sich die Nasenwurzel. "Ich habe heute Nacht nur drei Stunden geschlafen", entschuldigt er sich, "und die Frühmaschine von München aus genommen." Zwölf Mal pro Woche im Flieger zu sitzen ist im neuen Job ganz normal. Als Generalsekretär reiste Guttenberg zwischen München, seinem Wahlkreis in Oberfranken, Berlin und bundesweiten Terminen hin und her. Schließlich musste er im neuen Amt den Spagat schaffen zwischen der großen weiten Welt und jenen bayrischen Milieus, in denen die CSU ihre Wurzeln hat. Als Wirtschaftsminister werden die Flüge vielleicht nicht mehr so häufig, dafür aber oft weiter sein: China, Indien, Brasilien, die USA – als oberster Vertreter deutscher Handelsinteressen muss man Beziehungen pflegen.

Dabei hat der junge Oberfranke seinen ganz eigenen Stil. Statt als giftender "Wadlbeißer" oder polternder "Lautsprecher" aufzutreten wie es frühere Generalsekretäre oft taten und nicht zuletzt Michael Glos, bevor er Wirtschaftsminister wurde, setzt Guttenberg auf Sachlichkeit. "Ich verstehe mich nicht als Vertreter der Abteilung Krawall", sagt Guttenberg. Er sei jemand, der seine „Zuhörer durch Argumentation gewinnen will".

Guttenberg gehört zur Generation "50 minus x" in der CSU, einer Riege junger, aufstrebender Politiker, die für den Bruch mit der alten CSU stehen. Der Oberfranke zählt zum sogenannten "Zugspitzkreis", alles Abgeordnete, die 2002 in den Bundestag gekommen sind und einmal auf der Zug-spitze für Edmund Stoiber demonstrierten, als dessen Stern schon sank. Das Netzwerk der Jungen, die Guttenberg freundschaftlich "KT" nennen, nutzt Guttenberg als politisches Frühwarnsystem. Dies ist umso wichtiger, als der Oberfranke nicht über ein enges Netzwerk in der Partei verfügt.

Als frisch Gebackener Generalsekretär kam Guttenberg bei der Basis gut an. "Etliche Leute sind positiv überrascht, der macht das echt gut", sagt ein junger CSU-ler aus der Oberpfalz. Auch Thea Schweikl fand den neuen CSU-Frontmann überzeugend: "Es ist ja sehr redegewandt und inhaltlich geschult. Auch in Bayern hat man nichts gegen einen hochdeutsch sprechenden Politiker, wenn die Inhalte, sein Verhalten und die Ehrlichkeit stimmen", sagt die 72-jährige Vorsitzende der Frauenunion im Kreis Dingolfing-Landau. Der CSU-Slogan "näher am Menschen" habe doch in der Vergangenheit für einige Politiker nicht mehr gegolten.

Für seinen neuen Posten werden andere Qualitäten gefragt sein als Volksnähe. Immerhin war Guttenberg bis vor Kurzem im operativen Geschäft der familieneigenen Beteiligungsholding beschäftigt. Ganz und gar fachfremd ist er also nicht, wenn er auch bisher als Außenpolitiker von sich Reden machte. Dennoch ist fraglich, ob er der richtige Mann ist, Deutschland durch die Finanzkrise zu steuern und gleichzeitig  die Union von ihrem Makel zu befreien, ihr sei die wirtschaftspolitische Kompetenz abhanden gekommen.

16 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.12.2009, 15:16 UhrAnonymer Benutzer: norma Schulte

    mir reichts...endlich mal einer, der den "Eiertanz" nicht mitmacht...
    wenn man ihn laesst..
    bin kein "CDU'ler" aber was die "SPD" an Kommentaren abgibt
    reicht jetzt nun wirklich..
    fuer wie bloed will man uns Waehler noch dahin stellen, das wir nicht alle Wissen, das wir am "Krieg" beteidigt sind..
    nur das "warum" sollte besser erklaert werden..

  • 15.02.2009, 23:10 UhrAnonymer Benutzer: Adolfo

    im "Schwäbischen" also im Süden sagt man "no koin Dumma an die Deichsel", der KT V. Guttenberg ist kein Dummkopf und er wird Deutschlan wirtschaftlich wieder voranbringen, wenn die "Erfahrenen" ihn lassen !

  • 11.02.2009, 11:38 UhrAnonymer Benutzer: ttt

    Ok, er ist Jurist und auch mir sind es eigentlich schon zu viele dieser Zunft, die sich im bundestag tummeln. Aber offensichtlich ist er nicht der typische Anwalt, der wegen Unfähigkeit und Mandantenmangel sich in die Politik hat wählen lassen. Er hat schon mal in einem Familienunternehmen etwas geschnuppert. Er schaut zwar aus wie ein Yuppi, seine Äusserungen unterscheiden sich aber schon deutlich von dem soedernden Nürnberger. Auf jeden Fall erwarte ich eine deutliche besserung gegenüber dem ewig müden Müllermeister.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.