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Kommentar Reichensteuer: Demagogen blasen zum Klassenkampf

von Christian Ramthun

Ein Bündnis von Verdi, Paritätischem Wohlfahrtsverband, Attac und anderen Verbänden startet die Aktion „Umfairteilen – Reichtum besteuern“. Doch die Umverteiler liegen völlig falsch.

Reichensteuer Frau Luxus Uhren Quelle: dpa
Eine Frau schaut sich die Auslage eines Luxusuhren-Verleihers auf der Königsallee in Düsseldorf an. Ein Bündnis aus Gewerkschaften, Sozialverbänden und Nichtregierungsorganisationen hat angesichts rasant wachsender Staatsschulden einen neuen Vorstoß für eine stärkere Besteuerung von "Reichen" gestartet. Quelle: dpa
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Da läuft die Wirtschaft runder als in fast allen anderen EU-Ländern, da sinkt die Arbeitslosigkeit weit unter drei Millionen Erwerbslose und damit auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahrzehnten, da steigen die Löhne um mehr als drei Prozent, der Staat nimmt so viel Steuern wie noch nie ein und steuert erstmals seit über 40 Jahren auf einen ausgeglichenen Staatshaushalt zu, die Rentenversicherungsbeiträge sinken und die Krankenkassen haben wieder milliardenschwere Rücklagen – und dieses seltsame Bündnis sieht unseren Sozialstaat am Ende und den Staat völlig blank! Das ist nicht nur schlechtes Timing! Das ist zynische Ignoranz und ein übles Spiel mit den Gefühlen der Bürger!

Allein schon die Worte der Bündnisinitiatorin Jutta Sundermann von der Privatorganisation Attac sind völlig undifferenziert. „In ganz Europa“, tremoliert die Aktivistin, „ erleben wir derzeit eine brutale Kürzungspolitik, die zu gravierenden sozialen Verwerfungen führt und den gesellschaftlichen Frieden ernsthaft gefährdet.“ Da mag ja für südliche Euro-Krisenländer gelten, die heftig über ihre Verhältnisse (auch über ihre sozialstaatlichen Verhältnisse) gelebt haben. Aber doch nicht in Deutschland. Da werden einfach die berühmten Äpfel und Birnen in einen großen Korb gekippt, um dann unter Vorgaukeln falscher Tatsachen zum Klassenkampf aufzurufen.

Immer reicher

Das Vermögen der Deutschen wächst und wächst. Seit Jahrzehnten steigert sich das Geldvermögen der Privathaushalte fast stetig - zuletzt gab es zu Beginn der Finanzkrise 2008 eine Delle in der Kurve. Nach der Wiedervereinigung lag das Geldvermögen noch bei 1,751 Billionen Euro, fünf Jahre später hatte es schon einen Wert von vier Billionen Euro. 2011 stieg das Vermögen um rund 57 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr an. Die positive Konjunktur und die stabile Lage am Arbeitsmarkt hätten das verfügbare Einkommen gesteigert und damit die Vermögensbildung begünstigt, erklärten die Währungshüter. Gebremst wurde die Entwicklung durch Kursverluste an den Kapitalmärkten

Bild: ap

Hinzu kommt, dass es in Deutschland eine funktionierende Umverteilung gibt. In fast keinem anderen Land der Welt zahlt das oberste Einkommensviertel so viel Steuern wie in Deutschland, und alle Welt bewundert uns um unseren opulenten Mittelstandsbauch einer breiten Mittelschicht; ein Unterschichtenproblem mit brennenden Vorstädten gibt es hierzulande nicht. Unser Modell der sozialen Marktwirtschaft mit Sozialpartnerschaften zwischen Unternehmen, Gewerkschaften und Sozialverbänden hat zu Beschäftigungspakten, Ausbildungsinitiativen und hohen betrieblichen Sozialstandards geführt. In Deutschland ist der soziale Frieden ein hohes Gut und sind Streiks eher selten.

Eigentlich müsste dieses Bündnis von Verdi, Attac und anderen Verbänden Deutschland zum sozialen Modell für Europa ausrufen. Aber das passt offensichtlich nicht in das Weltbild dieser Organisationen und Funktionäre. Sie suchen den Klassenkampf und riskieren dabei wissentlich all das, was Deutschland zu einem  Vorbild für viele Länder in der Welt gemacht hat. Ohne ein solch stabiles Land sähe es in der Euro-Zone verdammt düster aus.

30 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 06.08.2012, 22:58 Uhrlachstelze

    Auszüge aus meinem Beitrag, hier noch einmal kurz wiederholt:

    …dann schlägt die Stunde der Ideologen
    …Diskussionen mit Neidern sind sinnlos

    @ignatz

    Schon bewundernswert, wie eindrucksvoll Sie meine Aussagen bestätigen, Danke!

  • 06.08.2012, 20:42 Uhrlachstelze

    @Pitgiss

    Meine Einschätzungen zu Debatten um ‚soziale Gerechtigkeit‘ im allgemeinen und Neid im speziellen gründen auf jahrzehntelange berufliche Erfahrung sowie auf Reaktionen lieber Mitmenschen und professioneller Gutmenschen. Ich hatte meine Aussagen im letzten Absatz deshalb eigentlich mit Beispielen unterlegen wollen, aus Platzgründen dann aber unterlassen. Umso dankbarer bin ich Ihnen, dass Sie das jetzt nachgeliefert haben, ist so auch viel authentischer, zumal Sie auch gleich noch den Klassiker prozentuale MwSt-Belastung mit im Gepäck hatte.

  • 06.08.2012, 10:33 UhrPitgiss

    Ich finde es interesant, wie schnell manche Menschen in Reflexe verfallen. Ich stelle einmal eine volkswirtschaftliche Gegenfrage: Was ist Geld eigentlich, wer stellt es her und wer garantiert für den Wert? Woher kommen die Zinsen für die Sparguthaben? Dass die größten Geldbesitzer auch "die meisten Steuern bezahlen" stimmt nur in deren Wahrnehmung. Zugerechnet zu den Einkommensteuern müssen auf alle Fälle auch noch die indirekten Steuern. Nur sorum wird ein Schuh draus. Denn so betrachtet zahlt ein Normalbürger schon mehr als 50% seines Einkommens an Steuern.
    Man könnte in der Debatte auch religiös argumentieren: Neid ist eine Todsünde - Habgier auch ;-)

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