René Behr: "Diskriminierung im Eherecht bringt Deutschland ins Hintertreffen"

InterviewRené Behr: "Diskriminierung im Eherecht bringt Deutschland ins Hintertreffen"

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Regenbogenflagge in Berlin.

von Sven Prange

Um die Einführung der Homo-Ehe in den USA gab es auch hierzulande viel Wirbel. René Behr, Präsident des Völklinger Kreises, meint: Die Homo-Ehe ist nicht nur gelebte Gleichberechtigung, sie ist auch ökonomisch notwendig.

WirtschaftsWoche: Herr Behr, der Oberste Gerichtshof in den USA hat den Weg für die Homo-Ehe frei gemacht. Vor allem auch amerikanische Konzerne hatten sich zuvor dafür eingesetzt. Was geht Arbeitgeber eigentlich an, mit wem ihre Mitarbeiter schlafen?

René Behr: Klar klingt es erstmal vernünftig, wenn Arbeitgeber sich aus dem Privatleben ihrer Mitarbeiter heraushalten. Vor allem verwechseln viele Arbeitgeber die Begriffe „Sexualität“ und „sexuelle Orientierung“. Sexuelle Orientierung ist eben nicht nur „mit wem man ins Bett geht“, sondern viel mehr: Es geht um Lebensgestaltung und die eigene Identität. Wenn ein Mitarbeiter Teile seiner Persönlichkeit versteckt, geht für das Versteckspiel Energie verloren – Energie, die für die Arbeit benötigt wird.

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Das stört deutsche Unternehmen aber bisher doch auch nicht.

Unternehmen und ganze Volkswirtschaften stehen im globalen Wettbewerb um die besten Köpfe. Um in der Wirtschaft der kommenden Jahrzehnte vorne mitspielen zu können, sind Unternehmen auf moderne, gut ausgebildete, fachlich und sozial versierte Mitarbeiter angewiesen und suchen diese weltweit. Wo sich solche Menschen niederlassen, hat Richard Florida in seiner Studie „The Rise of the Creative Class“ untersucht: dort, wo sie ihre Freiheit ausleben können, wo das Leben vielfältig ist und sie vor Diskriminierung geschützt sind.

Zur Person

  • René Behr

    René Behr ist Vorsitzender des Berufsverbands Völklinger Kreis und Personalleiter eines süddeutschen Unternehmens.

Wenn die Vorteile so offensichtlich sind, warum tut sich die deutsche Politik dann so schwer mit dem Thema?

Seit der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA zur Öffnung der Ehe vom vergangenen Freitag gibt es westlich von uns keine Demokratie bis zum Pazifik ohne gleiche Eherechte für schwule und lesbische Paare. Wenn Deutschland seine Diskriminierung im Eherecht aufrechterhält, gerät dieses Land und mit ihm auch alle seine Unternehmen ins Hintertreffen.

Wo liegt das Hauptproblem?

Nach deutschem Recht „verpartnerte“ Mitarbeiter, die in die USA entsandt werden, können ihren Partner nicht so einfach mitnehmen wie ein schwuler Franzose oder eine lesbische Niederländerin. Umgekehrt wird sich kaum eine verheiratete Führungskraft für eine Stelle in einem Land entscheiden, dass ihre Ehe nicht anerkennt.

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Anders als in den USA ist aber hierzulande von kaum einem Unternehmen eine starke Positionierung für das Thema zu erkennen. Müssten die nicht viel stärker Druck ausüben?

Es ist im Interesse jedes Arbeitgebers, sich jetzt und mit Nachdruck für die Öffnung der Ehe einzusetzen. Nicht als PR-Maßnahme, nicht aus Gutmenschentum, sondern aus wirtschaftlicher Abwägung sollten deutsche Arbeitgeber jetzt nicht nur Regenbogen posten und #ehefüralle twittern: Sie sollten ihr volles Gewicht für diese Sache in die politische Waagschale werfen.

Politische Positionierung ist bei deutschen Managern aber eher unüblich.

Aber es ist doch im Interesse jedes einzelnen Unternehmens in Deutschland und auch im Interesse jedes Bürgers, dass wir dieses Thema voranbringen. Die Ungleichbehandlung der Ehe ist mehr als ein Symbol für institutionalisierte Diskriminierung. Sie ist ein greifbarer Nachteil für jeden Arbeitnehmer, der nicht heiraten darf, sondern nur „sich verpartnern“ und dieser Nachteil kumuliert sich beim Arbeitgeber. Und deswegen sollten sie sich dagegen positionieren.

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