Rennstrecken-Desaster: "Datenraum-Panne gefährdet Nürburgring-Verkaufsprozess"

exklusivRennstrecken-Desaster: "Datenraum-Panne gefährdet Nürburgring-Verkaufsprozess"

Bild vergrößern

Gestern lief die Abgabefrist für die verbindlichen Kaufangebote auf den Nürburgring ab.

von Florian Zerfaß

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ist die Abgabefrist für die verbindlichen Kaufangebote auf den Nürburgring abgelaufen. Während die Insolvenzverwalter aufs Tempo drücken, gefährden juristische Risiken den Verkaufsprozess, wie der Berliner Europarechtler Wolfram Krohn im Interview erklärt.

Der Verkauf des insolventen Nürburgrings geht in die heiße Phase: Bereits am gestrigen Mittwoch um 17 Uhr ist nach Informationen der WirtschaftsWoche die Frist für die Abgabe verbindlicher Kaufangebote abgelaufen, deutlich früher als bisher bekannt. Jetzt wird sich zeigen, wer wirklich bereit ist, für die Rennstrecken samt angeschlossenem Freizeit- und Businesskomplex Geld auf den Tisch zu legen – und wie viel. Bisher nämlich mussten Interessenten nur unverbindliche Angebote abgeben. Wie viele verbindliche Angebote bis Fristende gestern eingegangen sind und in welcher Höhe, wollte ein Sprecher der Insolvenzverwalter Jens Lieser (Koblenz) und Thomas Schmidt (Trier) auf Nachfrage nicht sagen. Weitere Angebote könnten noch nachgereicht werden.

Anzeige

Lieser und Schmidt treiben den Verkaufsprozess aber offenbar eilig voran. Am morgigen Freitag sollen Gespräche mit den Bietern geführt werden, am Montag ist die nächste Sitzung des Gläubigerausschusses angesetzt. Dann sollen die Mitglieder Informationen zu den Bietern erhalten. Auch zur Tagesordnung für den Gläubigerausschuss am Montag wollte der Sprecher aus Vertraulichkeitsgründen keine Angaben machen.

Experte: Datenraum-Panne könnte folgenschwer sein

Zuletzt sollen es fünf Bieter mit ihren bis dahin noch unverbindlichen Offerten in die engere Auswahl geschafft haben. Sie erhielten Zutritt zum sogenannten Datenraum, wo ausgewählte Interessenten vertrauliche Geschäftsunterlagen der Nürburgring GmbH unter die Lupe nehmen durften. Unter diesen Bietern war mit dem Düsseldorfer Automobil-Zulieferer Capricorn ein branchennaher Mittelständler, mit dem Finanzinvestor HIG Capital aber offenbar auch ein Private-Equity-Unternehmen. Zwei der Bieter sind nicht öffentlich geworden. Und schließlich hat es mit La Tene Capital Limited aus Hongkong auch ein höchst dubioses Unternehmen an den Insolvenzverwaltern und ihren Beratern von KPMG vorbei in den Datenraum geschafft.

Europarechtler Wolfram Krohn von der Kanzlei Orrick im Interview mit WirtschaftsWoche.

Europarechtler Wolfram Krohn von der Kanzlei Orrick im Interview mit WirtschaftsWoche.

Bild: Presse

Wie die WirtschaftsWoche vor zwei Wochen enthüllte, handelt es sich bei La Tene um ein erst wenige Monate altes Unternehmen mit kopierter Selbstdarstellung und fragwürdigen Hintermännern, aber ohne belastbare Referenzen. Diese Firma in den Datenraum zu lassen könnte sich nach Einschätzung des Berliner Rechtsanwalts Wolfram Krohn noch als folgenschwer erweisen: Die Panne macht den Ablauf des weiteren Verkaufsprozesses angreifbar, erklärt der Europarechts-Experte von der Kanzlei Orrick im Interview.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%