Rennstrecken-Verkauf: ADAC will den Nürburgring retten

ThemaSubventionen

exklusivRennstrecken-Verkauf: ADAC will den Nürburgring retten

von Florian Zerfaß

Der ADAC plant nach Informationen der WirtschaftsWoche den Kauf der Rennstrecken am Nürburgring. Heute hat sich der Automobilverband offiziell als Interessent bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG gemeldet, die den Verkauf für die Insolvenzverwalter der staatlichen Nürburgring GmbH organisiert. Das Ziel des ADAC ist offenbar eine Lösung, von der auch die Region profitiert.

Hoffnungsschimmer für den Nürburgring: Der ADAC ist in das Bieterverfahren für den Verkauf der Rennstrecken eingestiegen. Verbandschef Peter Meyer bestätigte der WirtschaftsWoche auf Nachfrage, dass sich der Automobilclub am heutigen Montag offiziell als Interessent bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG gemeldet hat. Diese führt das Verkaufsverfahren im Auftrag der Insolvenzverwalter der staatlichen Nürburgring GmbH durch. „Beim Nürburgring handelt es sich ohne Frage um die Wiege des deutschen Motorsports“, sagt Meyer, „man kann ihn mit Recht als automobiles Kulturgut bezeichnen. Deshalb sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um diese Sportstätte auch für die Zukunft im Sinne des Motorsports zu erhalten.“ Ein Sprecher der Insolvenzverwalter wollte sich wegen Vertraulichkeitsvorschriften im Bietverfahren nicht zu einzelnen Interessenten äußern.

Seit Mitte Mai stehen alle Vermögenswerte der Nürburgring GmbH zum Verkauf. Dazu zählen die beiden Rennstrecken, die legendäre Nordschleife aus dem Jahr 1927 und ein moderner, in den 1980er Jahren erbauter Grand-Prix-Kurs, auf dem unter anderem die Formel-1-Rennen stattfinden. Den Rennstrecken gilt das Hauptinteresse des ADAC. Ein von der rheinland-pfälzischen Landesregierung für 330 Millionen Euro erbauter Freizeitparkt mit Hotels, Disco, funktionsuntüchtiger Achterbahn und anderen Bauten ist für den ADAC dagegen weniger interessant.

Anzeige

Das Nürburgring-Desaster

  • Formel 1-Verluste

    Die legendäre Rennstrecke in der Eifel ist für ihre Eigentümer seit Jahren ein Millionengrab. Die Nürburgring GmbH – sie gehört zu 90 Prozent das Land Rheinland-Pfalz und zu zehn Prozent der Landkreis Ahrweiler – ist seit 2006 bilanziell überschuldet und kann sich nur dank immer neuer Landes-Millionen über Wasser halten. Haupt-Verlustbringer ist die Formel 1, die von 2003 bis 2009 ein Loch von 55 Millionen Euro in die Kasse riss. Für das Rennen 2011 kalkuliert das Land mit einem Minus weiteren 13,5 Millionen Euro. Der Landesrechnungshof geht von höheren Kosten aus.

  • Nürburgring 2009

    Um aus den Miesen zu kommen, wollten der damalige Nürburgring-Geschäftsführer Walter Kafitz (SPD) und die damalige SPD-Alleinregierung von Kurt Beck mit dem riesigen Erlebnispark „Nürburgring 2009“ zusätzliche Besucher anlocken. Die Einnahmen sollten die Verluste aus der Formel 1 decken. Der Park besteht aus zwei Bauabschnitten: Die Nürburgring GmbH baute ein Erlebniszentrum mit Rennsportmuseum (Ringwerk), eine Achterbahn, eine überdachte Shoppingmeile (Boulevard) sowie zwei Veranstaltungshallen. Der zweite Abschnitt, entwickelt von Kai Richters Firma Mediinvest, umfasst zwei Hotels mit Personalwohnhaus, einen Ferienpark und das Eifeldorf „Grüne Hölle“, in dem sich eine Disco und diverse Restaurants befinden.

  • Finanzdesaster

    Die Baukosten stiegen von ursprünglich geplanten 215 auf 330 Millionen Euro. Der erste Bauabschnitt sollte zur Hälfte, der zweite komplett privat finanziert werden. Bei der Suche nach Investoren für den ersten Bauabschnitt fielen Land und Nürburgring GmbH auf dubiose Finanzvermittler herein. Die für den zweiten Bauabschnitt zuständige Firma Mediinvest von Kai Richter erhielt 85,5 Millionen Euro von der Rheinland-Pfälzische Gesellschaft für Immobilien und Projektmanagement mbH (RIM). Die ist eine hundertprozentige Tochter der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB), welche wiederum zu hundert Prozent dem Land gehört. Die MSR wurde später mitsamt der Gebäude von Landesgesellschaften übernommen.

  • Privatisierungsdebakel

    Ab Mai 2010 vergab die Nürburgring GmbH den Betrieb des kompletten Parks inklusive der Rennstrecken an die private Nürburgring Automotive GmbH (NAG), die je zur Hälfte Kai Richters Mediinvest und der Düsseldorfer Lindner-Hotelgruppe gehört. Im Februar 2012 kündigte das Land den Betreibern wegen ausstehender Pachtzahlungen. Die NAG geht juristisch gegen die Kündigung vor. Nach ihrer Sicht der Dinge schuldet das Land den Betreibern noch Geld, diese Forderungen habe man mit der Pacht verrechnet. Streit gibt es um die von den Betreibern angekündigte Entlassung von einem Viertel der Belegschaft. Die EU-Kommission prüft nach mehreren Beschwerden von Konkurrenten, ob das Land bei der Verpachtung an die NAG gegen Vergaberecht verstoßen hat.

  • Investitionsruine

    Die erhofften Besuchermassen bleiben aus. Die als schnellste der Welt geplante Achterbahn funktioniert bis heute nicht. In der „Grünen Hölle“ ist von Oktober bis März nur ein einziges Restaurant durchgängig geöffnet, der Rest ist die meiste Zeit dicht. Das Land wirft den Betreibern zudem vor, die Gebäude vernachlässigt zu haben. In mehreren Restaurants ist Schimmel aufgetreten. Der Landesrechnungshof schätzt den zusätzlichen Investitionsbedarf des Landes in den nächsten 20 Jahren auf bis zu 420 Millionen Euro.

  • Aufarbeitung

    Wegen ihrer Rolle bei der gescheiterten Privatfinanzierung hat die Staatsanwaltschaft Koblenz im Februar 2012 Anklage wegen Untreue gegen den ehemaligen rheinland-pfälzischen Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) erhoben. Auch der frühere Nürburgring-Hauptgeschäftsführer Walter Kafitz und zwei weitere ehemalige Manager der Nürburgring GmbH wurden wegen Untreue angeklagt. Der frühere ISB-Chef und ein RIM-Manager wurden wegen Beihilfe zur Untreue angeklagt. Die Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue gegen Kai Richter dauern an.

     

Nach Angaben der Insolvenzverwalter ist der Investorenprozess gut angelaufen. „Da der Investorenprozess vertraulich stattfindet, bitten wir allerdings um Verständnis, dass wir keine Angaben über die Anzahl der Interessenten und die Branchen, aus denen die Interessenten kommen, machen können“, teilte ihr Sprecher auf Nachfrage mit. Medienberichten zufolge sind bisher rund 100 Interessenbekundungen eingegangen, davon seien etwa 30 ernstzunehmende. Verbindliche Angebote liegen allerdings noch nicht vor. In Automobil-Branchenkreisen gilt es als unwahrscheinlich, dass am Ende tatsächlich 30 verbindliche Angebote für den Nürburgring abgegeben werden.

Auch der ADAC hat nach Informationen der WirtschaftsWoche zunächst kein genaues Angebot abgegeben. Der Verband will mit seiner Interessenbekundung erst einmal Zugang zu dem Datenraum bekommen, in dem Kaufinteressenten nach Abgabe einer Verschwiegenheitserklärung wirtschaftliche, juristische und bautechnische Informationen einsehen können. Danach erst will der Verband abschließend entscheiden, ob er ein konkretes Angebot abgibt und wie dies aussieht.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%