Rente: Schönfärberei der Regierung

Rente: Schönfärberei der Regierung

Ökonomen werfen der Regierung Schönfärberei vor.

So viel Zoff über eine einzige Zahl gab es zwischen Konjunkturforschern und Bundesregierung bisher noch nie: Die Bruttolöhne werden im Wahlkampf zum Politikum. Sinken sie, wie die Forschungsinstitute in ihrem Frühjahrsgutachten schätzen, um 3,6 Prozent – und damit 2010 auch die Renten – oder steigen sie sogar um ein Prozent? Prompt wirft die Regierung den Wissenschaftlern Rechenfehler vor, die wiederum halten die Prognose der Politik für Schönfärberei.

Rentenkürzungen wären nicht nur eine Premiere seit Einführung der dynamischen Rente 1957, sondern auch ein politischer GAU für die wahlkämpfenden Regierungsparteien, die keinesfalls die Ruheständler verschrecken wollen. Beamte der Regierung hatten den Forschungsinstituten bei den Beratungen der Daten Rechenfehler vorgeworfen.

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Die Wirtschaftswissenschaftler halten diesen Vorwurf für völlig absurd. Sie hegen vielmehr den Verdacht, die Zahl der Regierung könnte politisch motiviert sein. „Die wollten kein Ergebnis sehen, aus dem hervorgehen könnte, das die Renten gesenkt werden müssten“, sagt einer der beteiligten Ökonomen. Natürlich sei es völlig normal, dass die Prognosen etwas voneinander abwichen, „doch dass die Regierung in der Krise von steigenden Löhnen ausgeht, wundert schon sehr“.

"Andere Einschätzung"

Den komplexen Berechnungen solcher Zahlen liegen viele Annahmen über zukünftige Entwicklungen zugrunde, auch gibt es unterschiedliche Methoden, wie die Faktoren einbezogen werden: Wie viel Luft haben die Firmen noch beim Abbau der Arbeitszeitkonten, wie stark steigt die Kurzarbeit, wie verhalten sich Betriebsräte und Gewerkschaften, treten vereinbarte Tariferhöhungen tatsächlich in Kraft? Die Regierung sei schlicht zu „einer anderen Einschätzung gekommen“, rechtfertigt Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die offizielle Zahl.

Dagegen rechnen die Wirtschaftswissenschaftler mit drastischen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, die bisherige Vorstellungen in den Schatten stellen. Ein Beteiligter verweist etwa auf das Sparpaket bei Daimler, wonach für 60.000 Beschäftigte Arbeitszeit und Löhne um fast neun Prozent gesenkt werden. „Das ist erst der Anfang, der Druck auf die Löhne wird massiv steigen.“

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