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Rente: Zechpreller zu Lasten unserer Kinder

von Bernd Raffelhüschen

Wie hoch sollen die Renten steigen, welches Ausmaß wäre gerecht? Eine Frage, die auf ein Neues die Gemüter der Republik bewegt.

Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen Quelle: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Quelle: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
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Die Antwort hierauf fiel im Laufe des Bestehens unserer Demokratie recht unterschiedlich aus. In den 1970-er und 1980-er Jahren galt es der Altersarmut Herr zu werden – die passende Antwort war dann auch, dass das verfügbare Einkommen der Rentner stärker steigen sollte, als das der wohlhabenderen Erwerbstätigen. Nach Erreichen dieses Ziels – und kein Mensch kann ernsthaft bestreiten, dass heutzutage Kindheit oder Jugend ein deutlich höheres Armutsrisiko darstellen als das Alter – wurde nach langem Ringen im Jahr 2001 eine neue Rentenformel entwickelt. Deren Grundsatz ist unter Fachleuten unumstritten: Gerecht ist, wenn Rentner und Erwerbstätige gleichgestellt werden.

Generationenvertrag lässt die Rente wachsen

Im Grundsatz steigen die Renten mit dem Prozentsatz, mit dem die modifizierten Bruttolöhne im Vorjahr gestiegen sind. Dabei besteht die Modifikation darin, dass es sich eigentlich um die Pro-Kopf-Löhne abzüglich der gesetzlichen und privat-ersetzenden Altersvorsorge handelt. Die Idee dahinter ist einfach und auch dem Laien verständlich zu machen: Wenn dem Durchschnittsbeschäftigten nach Abzug der Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung und der ersetzenden Altersvorsorge, die notwendig wäre um auf das Rentenniveau der heutigen Rentner zu kommen, "X" Prozent mehr in der Tasche verbleiben, dann soll der Durchschnittsrentner eben auch genau "X" Prozent mehr bekommen.

Schließlich finanziert ja im Umlageverfahren der heutige Erwerbstätige durch seine Beiträge den heutigen Rentner, genauso wie der heutige Rentner es in seiner Zeit auch gemacht hat. Dieser Generationenvertrag und sein immanenter Gleichbehandlungsgrundsatz hat in diesem Jahr zu deutlichen Rentenzuwächsen geführt, weil im Vorjahr starke Lohnzuwächse zu verzeichnen waren.

Gesetzesvorhaben ist schlichter Unfug

Gemäß derzeitiger Prognosen der wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute wird es im Jahr 2010 nicht mit Sicherheit, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit anders aussehen – nicht zuletzt aufgrund der extrem hohen Kurzarbeit. Sinkende Pro-Kopf-Löhne müssten dann gemäß der mathematischen Logik auch zu sinkenden Pro-Kopf-Renten führen. Nun entspricht die politische selten der mathematischen Logik und diese Divergenz verstärkt sich mit schwindendem Abstand zur nächsten Wahl. Nur vor diesem Hintergrund wird der Vorschlag von Bundesarbeitsminister Scholz verständlich, eine nominale Rentenkürzung quasi per Gesetz zu verbieten.

Auf den Punkt gebracht: Ein solches Gesetzesvorhaben wäre aus rentensystematischer Sicht schlichter Unfug und wahrscheinlich zugleich eine eklatante Verletzung des verfassungsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatzes.

Künfige Beitragszahler müssen die Zeche zahlen

Warum sollten die Rentner immer dann, wenn es gut läuft, an allen konjunkturellen Segnungen Eins-zu-Eins beteiligt sein, aber dann, wenn es mal schlechter läuft, bei den Kürzungen ausgenommen werden? Für Eingeweihte kommt es gar noch schlimmer, denn sowohl die ausgesetzte Riestertreppe als auch die Anbindung der Renten an das Beschäftigungsrisiko durch den 2003 eingeführten Nachhaltigkeitsfaktor, führen auch bei später wieder steigenden Löhnen über die Nachholwirkung zu konstanten Nominalrenten bei sinkendem Rentenniveau. Wie will man dies politisch vermitteln, wenn schon die Rentenkürzungen bei Lohnsenkungen ausgeschlossen werden?

Bei allem Verständnis für Wahlkampfgetöse, eines ist und bleibt klar: Die Zeche wird immer gezahlt, nur meistens von den anderen! Sollte die große Koalition aufgrund des herrschenden Wahlkampfes ein Gesetz zur Garantie von Nominalrenten auf den Weg bringen und zugleich die notwendigen Beitragserhöhungen auf später verschieben, so sind die intergenerativen Umverteilungen eindeutig: Bezahlen werden das die künfigen Beitragszahler – und damit verhalten wir uns wieder einmal als Zechpreller zu Lasten unserer Kinder und Enkel.

59 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 24.09.2009, 11:57 UhrAnonymer Benutzer: Karl-heinz Krönes

    der Staat schaft zu viele Ungerechtigkeit hartz 4
    die superreichen nocht mehr reich

  • 10.06.2009, 06:57 UhrAnonymer Benutzer: dieter

    Raffelhüschen, Riester, Rürup. Hartz, Merz, usw und sofort..alle samt sind für die Versicherungswirtschaft tätig und kassieren für jeden Vortrag den sie halten 7tausend Euro minimum meist weitaus mehr!! Das sie dafür deren interessen vertreten ist doch klar und lügen was das Zeugs hält. Wenn wir eine bankenkrise haben , haben wir auf dem kapitalmarkt genauso eine Versicherungskrise..nur sickert dieses noch nicht so durch da diese Risiken auf viele Jahre abgesichert waren (verkauft) also wird der Anleger dies auch erst bei Auszahlung seiner späteren privaten Rente/lebensversicherung zu spüren bekommen. Da wird es dann heissen.."sie wissen ja das wir eine riesen Finanzkrise in den Jahren 2008-?) hatten. Wenn nicht sogar bis dahin selbst etliche Versicherer kaputt gegangen sind und die gesamten Ersparnisse weg sind!

    Deutschland wird kaputt gehen...das System in sich zusammen brechen. Die Reichen und Verantwortlichen werden sich weg stehlen und es sich woanders gut gehen lassen. Die gesetzliche Rente soll mit Absicht kaputt gemacht werden um das freiwerdende Kapital privat zu binden. Dafür stehen ja Raffelhüschen und Co. und kassieren dafür fleissig und gut ab! 7 Tausend Euros pro Vortrag Minimum..dafür das sie ien gutes altes funktionierendes Rentensystem kaputt reden.
    Sie wollen alle samt Europa als einen neuen Superstaat errichten..ihren Superstaat mit 350 Millionen Schafen die sie schären können und dürfen. Eine Weltherrschaft des Kapitals..die bilderberger sind da die Drahtzieher!

  • 10.06.2009, 06:50 UhrAnonymer Benutzer: Dieter

    Raffelhüschen, Riester, Rürup. Hartz, Merz, usw und sofort..alle samt sind für die Versicherungswirtschaft tätig und kassieren für jeden Vortrag den sie halten 7tausend Euro minimum meist weitaus mehr!! Das sie dafür deren interessen vertreten ist doch klar und lügen was das Zeugs hält. Wenn wir eine bankenkrise haben , haben wir auf dem kapitalmarkt genauso eine Versicherungskrise..nur sickert dieses noch nicht so durch da diese Risiken auf viele Jahre abgesichert waren (verkauft) also wird der Anleger dies auch erst bei Auszahlung seiner späteren privaten Rente/lebensversicherung zu spüren bekommen. Da wird es dann heissen.."sie wissen ja das wir eine riesen Finanzkrise in den Jahren 2008-?) hatten. Wenn nicht sogar bis dahin selbst etliche Versicherer kaputt gegangen sind und die gesamten Ersparnisse weg sind!
    Die gesetzliche Rente soll nur kaputt geredet werden da sie das frei werdende Kapital dem privaten Markt zuführen wollen! Eine Rentenkasse wie @bzzz schon sagte gibt es nicht...wir haben das Umlageverfahren in Deutschland..es wird höchstens was von dem Geld "zweckentfremdet"! Aber wie schon hier gesagt...das Gesamte System in Deutschland ist am kaputt gehen! Und ich denke da wird sich Deutschland nicht so schnell von erholen! Das Land geht kaputt....

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