Renteneintritt: Spätere Rente hält fit

Renteneintritt: Spätere Rente hält fit

Bild vergrößern

Demonstration gegen die Rentenreform in Frankreich. Eine neue Studie behauptet, dass eine frühe Pensionierung im Zusammenhang mit einer verkürzten Lebenserwartung stehe

Menschen, die früher in Rente gehen, bauen eher ab. Arbeitslose Männer sterben früher als Altersgenossen.

Früh in Rente statt lange zu arbeiten – dafür kämpfen zurzeit Millionen Franzosen. Sie begehren gegen Präsident Nicholas Sarkozy und seine Rente mit 62 statt 60 Jahren auf. Ökonomen argumentieren, längeres Arbeiten sei gut für die Rentenkasse und ermögliche den Arbeitnehmern ein höheres Altersruhegeld. Zwei Studien belegen nun, dass die Betroffenen auch anderweitig profitieren:

Ein Vergleich der US-Wissenschaftler Susann Rohwedder und Robert Willis* zeigt, dass Länder mit häufigem Vorruhestand nicht über fitte Oldies verfügen. Vielmehr sind eher solche Senioren auf Zack, die in großer Zahl länger im Berufsleben bleiben.

Anzeige

Zehn Worte

Die Ökonomen stützen sich auf Langzeitstudien in Industrieländern, auch Deutschland. Sie vergleichen Gedächtnistests bei Menschen im Alter von mehr als 60 Jahren. Diese müssen sich zehn Wörter für zehn Minuten merken.

Bei den Tests schnitten US-Amerikaner am besten ab. Sie erhielten im Schnitt 11 von 20 Punkten. Dahinter landeten die jungen Alten aus Dänemark und England mit gut zehn Punkten. Es folgen Deutschland, die Niederlande, Frankreich und Italien mit neun bis sieben Punkten. Ältere Spanier erreichten nur sechs Zähler.

Hier zeige sich unmittelbar ein Bezug von Frühverrentung und geistigem Ruhestand, sagen die Wissenschaftler. In den USA, England und Dänemark gebe es wenig Anreiz für ein frühes Ausscheiden, und 65 bis 70 Prozent der Männer im Alter kurz über 60 seien erwerbstätig. In Frankreich und Italien seien es nur 10 bis 20 Prozent, in Spanien 38 Prozent.

Das Ergebnis des Demografen Rembrandt Scholz** fällt noch drastischer aus: Der Ökonom am Max-Planck-Institut für demografische Forschung untersuchte, warum Männer in Ost und West auch 20 Jahre nach der deutschen Einheit unterschiedlich alt werden, obwohl Lebensumstände und das Gesundheitssystem angeglichen sind. West-Männer sterben mit 77,6 Jahren, Ost-Geschlechtsgenossen erreichen nur 76,5 Jahre. Dazu analysierte er Daten der Rentenversicherung, die 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung erfassen. Ergebnis: Bei Berufstätigen, die zumindest zeitweise arbeitslos waren, fällt die Wahrscheinlichkeit, früh zu sterben, doppelt so hoch aus wie bei Altersgenossen mit lückenlosen Erwerbszeiten. „Arbeitslosigkeit wirkt sich demnach negativ auf die Lebensdauer aus“, lautet die Schlussfolgerung von Scholz. Es war also die Kluft auf dem Arbeitsmarkt zwischen Ost und West, die die unterschiedliche Lebenserwartung erklärt.

Für Seniorinnen, so Scholz, scheint der Zusammenhang von Erwerbsarbeit und Fitness nicht zu bestehen: „Arbeitslosigkeit wirkt sich bei Frauen nicht nachweisbar auf die Lebenserwartung aus.“ In Ost wie West lassen sie Männer hinter sich und erreichen ein Alter von 82,4 Jahren.

* Rohwedder, R. J. Willis: Mental Retirement, Journal of Economic Perspectives, Vol. 24, Winter 2010. ** R. Scholz: Lebenserwartung sinkt durch Arbeitslosigkeit..., Demografische Forschung, Nr. 3, Okt. 2010.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%