Rentenreform: Rente mit 63: Unternehmen fürchten Verlust älterer Fachkräfte

exklusivRentenreform: Rente mit 63: Unternehmen fürchten Verlust älterer Fachkräfte

Bild vergrößern

Unternehmen fürchten den Verlust älterer Fachkräfte durch die Rente mit 63

von Max Haerder und Harald Schumacher

Unternehmen und Ökonomen fürchten, dass sich der Fachkräftemangel durch die Einführung der abschlagsfreien Rente mit 63 verstärken wird. Gleichzeitig rechnen Wissenschaftler mit kurzfristigen Belastungen von mehr als 200 Euro pro Jahr.

In vielen Unternehmen gibt es hohe Anteile von Fachkräften, die auf die geforderten 45 Beitragsjahre kommen und deshalb ohne Abzüge in Rente gehen können. „Wer mit 63 ohne die sonst üblichen Abschläge in den Ruhestand gehen kann, wird das überwiegend auch tun“, sagte der Rentenexperte Alfred Boss vom Kieler Institut für Weltwirtschaft der WirtschaftsWoche. „Angesichts ­unserer demografischen Aussichten ist das eine Katastrophe.“

Das sehen Unternehmen ähnlich. So könnten die Dresdner Verkehrsbetriebe die Hälfte ihrer Belegschaft verlieren. Personalvorstand Hans-­Jürgen Credé hatte bislang mit rund 500 Ruheständlern in den nächsten zehn Jahren gerechnet, bei Einführung der Rente mit 63 könnte die Zahl auf rund 800 steigen. Das wäre rund die Hälfte der Beschäftigten. „Die meisten unserer erfahrenen Leute werden die vorgezogene Rente in Anspruch nehmen“, so Credé gegenüber der WirtschaftsWoche. „Das wird eine gewaltige Herausforderung.“

Anzeige

Andere Unternehmen freuen sich dagegen über die Rente mit 63, weil sie geplanten Personalabbau deutlich günstiger organisieren können. Die Deutsche Telekom, die weiter Personal abbauen will, deutet an, dass ihr das Modell dabei helfen würde. „Alles, was dabei Flexibilität schafft, hilft“, sagte Dietmar Welslau, Geschäftsführer Personal der Deutschen Telekom in Deutschland, der WirtschaftsWoche.

Künftig dürfte Frühverrentung wieder einfacher werden. Arbeitnehmer, die mit 61 entlassen werden und zwei Jahre Arbeitslosengeld I beziehen, könnten nach dem Gesetzentwurf mit 63 abschlagsfrei in die Rente wechseln. Solche Modelle könnten die Energiekonzerne RWE und E.On nutzen, die jeweils rund 4700 Arbeitsplätze streichen wollen. Die Baukonzerne Hochtief und Bilfinger wollen sich von jeweils rund 800 Mitarbeitern trennen.

Rentenreform belastet Rentner und Arbeitnehmer mit mehr als 200 Euro pro Jahr

Die Rentenreform von Bundessozialministerin Andreas Nahles (SPD) wird Arbeitnehmer und Rentner kurz- und mittelfristig mit mehr als 200 Euro pro Jahr zusätzlich belasten. Das geht aus exklusiven Berechnungen hervor, die der Finanzwissenschaftler Reinhold Schnabel von der Universität Duisburg-Essen für die WirtschaftsWoche erstellt hat.

Die geplante Erhöhung der Rentenbeitragssätze bedeutet demnach für einen Durchschnittsverdiener im Jahr 2020 eine jährliche Mehrbelastung von 223 Euro. 2027 wird diese auf 248 Euro pro Jahr anwachsen. Bereits 2014 wird wegen der ausgefallenen Beitragssenkung die Jahresbelastung eines Arbeitnehmers um 208 Euro höher ausfallen als ohne Reform.

Wegen des sinkenden Rentenniveaus werden auch Ruheständler Einbußen hinnehmen müssen. Die Jahres-Standardrente (45 Entgeltpunkte) wird 2020 um 157 Euro niedriger ausfallen als ohne Reform, hat Schnabel errechnet. 2027 beträgt die Differenz sogar 219 Euro.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%