Ressourcenbericht des Umweltbundesamtes: Was Rohstoffe spart, sollte billiger sein

Ressourcenbericht des Umweltbundesamtes: Was Rohstoffe spart, sollte billiger sein

, aktualisiert 11. November 2016, 11:20 Uhr
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Deutschland gehört zu den größten Braunkohleproduzenten weltweit.

von Silke KerstingQuelle:Handelsblatt Online

Jeder Mensch in Deutschland verbraucht tagtäglich 44 Kilogramm an Rohstoffen. Zu viel, findet das Umweltbundesamt und fordert für rohstoffeffiziente Produkte den niedrigeren Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent.

BerlinSpitzenplatz für Deutschland: Pro Jahr verbraucht jeder Mensch hierzulande mehr als 16 Tonnen an Metall, Beton, Holz und anderen Rohstoffen, das sind 44 Kilogramm. Deutschland, rechnet das Bundesumweltamt (UBA) in einem neuen Ressourcenbericht vor, liege damit international und europaweit auf einem hohem Niveau. „Unsere Wirtschaftsweise und unser Konsum belasten ganz erheblich die Umwelt in anderen Ländern“, kritisierte Maria Krautzberger am Freitag in Berlin bei der Präsentation des Berichtes. „70 Prozent der bei uns verbrauchten Rohstoffe kommen aus dem Ausland, davon sind vier Fünftel nicht nachwachsend.“ Sie mahnt: „Wir müssen viel sorgsamer mit Rohstoffen umgehen.“

Dazu regt Krautzberger eine Reform der Mehrwertsteuer an. „Was Rohstoffe spart, sollte für die Verbraucher billiger sein.“ Denkbar wäre, dass für einen ressourcensparsamen Fernseher nur sieben statt 19 Prozent Mehrwertsteuer anfielen.

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Ein nach ökologischen Kriterien differenziertes Mehrwertsteuersystem ist nach Darstellung des Umweltbundesamtes nur nach Änderung von EU-Bestimmungen möglich. „Das wird sicher keine einfache Debatte, aber wir sollten sie in der EU führen“, sagte Krautzberger. Für Dienstleistungen wie beispielsweise Reparaturen könnte ein niedriger Steuersatz aber bereits national umgesetzt werden.

Außerdem plädiert Krautzberger für verbindliche Zertifizierungen für Umwelt- und Sozialstandards für Rohstoffe entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Verbraucher, aber auch Unternehmen, hätten oft nicht die Möglichkeit, sich für rohstoffschonende Produkte zu entscheiden. Eine verbindliche Zertifizierung würde Abhilfe schaffen.

Ein weiterer Schritt, Rohstoffe einzusparen: Rohstoffe für den Baubereich sollten billiger werden, wenn dafür weniger oder keine Primärrohstoffe eingesetzt würden. Als Beispiel nennt das Umweltbundesamt Recyclingbeton, da seine Herstellung aus altem Beton bis zu 45 Prozent Kies einspart.

Alle Maßnahmen sollten mit einem eigenständigen Ressourcenschutzgesetz flankiert werden, forderte Krautzberger. Sie verwies auf den Zusammenhang zwischen Ressourcenschonung und Klimaschutz: „Jede Tonne an Kupfer beispielsweise, die wir recyceln statt neu der Erde zu entreißen, spart die Hälfte an Energie. Jedes Haus, das mit Recycling-Beton gebaut wird, spart Energie und Treibhausgasemissionen.“

Der Ressourcenbericht des Umweltbundesamtes stellt zum ersten Mal Kennzahlen zum Rohstoffverbrauch in Deutschland gebündelt zusammen. Enthalten sind auch indirekte Folgen des Rohstoffverbrauchs, wie der Verbrauch an Fläche und Wasser.

Während in Deutschland ein großer Teil der nicht-metallischen Rohstoffe, vor allem Kali- und Steinsalz sowie der größte Teil der Steine und Erden, aus heimischer Produktion stammt, ist Deutschland bei den Metallrohstoffen, etwa Eisenerz zur Herstellung von Stahl, fast vollständig von Importen abhängig.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte sich bereits am Mittwoch für verbindliche europaweite Ziele zur Ressourceneffizienz ausgesprochen. „Die Europäische Kommission muss die Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit von Produkten stärker fördern“, sagte Hendricks auf dem Europäischen Ressourcenforum in Berlin. Es gehe etwa darum, für bestimmte Verschleißteile eine Mindesthaltbarkeit vorzuschreiben, sagte die Ministerin, die gerade versucht, ihren Klimaschutzplan 2050 durchs Kabinett zu bringen. Außerdem seien ein modularer Aufbau von Produkten und die langfristige Verfügbarkeit von Ersatzteilen wichtig, „damit Elektrogeräte nicht als Wegwerfartikel enden“. Mit dem Klimaabkommen von Paris „haben wir eine Grundsatzentscheidung für Ressourceneffizienz getroffen“, so die Ministerin. Es brauche eine Ressourcenwende.

Quelle:  Handelsblatt Online
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