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Rettungsschirm: Regierung will auch für ESM Zweidrittelmehrheit erreichen

Quelle: Handelsblatt Online

Trotz andere Vorgaben will die Regierung bei der Abstimmung über den Rettungsschirm ESM eine Zweidrittelmehrheit erreichen. Damit sollen Risiken bei der Überprüfung durch das Verfassungsgericht ausgeschlossen werden.

Abgeordnete sitzen im Plenum des Bundestages in Berlin. Quelle: dapd
Abgeordnete sitzen im Plenum des Bundestages in Berlin. Quelle: dapd

BerlinDie schwarz-gelbe Bundesregierung strebt nicht nur bei der Abstimmung über den europäischen Fiskalpakt, sondern auch zum EU-Rettungsschirm ESM im Bundestag eine Zweidrittelmehrheit an. Das sei eine besondere Vorsichtsmaßnahme, um etwaige verfassungsrechtliche Risiken auszuschließen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Das ändere nichts an der Rechtsauffassung der Regierung, dass auch eine einfache Mehrheit der Abgeordneten für den ESM ausreichen würde.

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Im Gegensatz zum ESM ist die Bundesregierung für den Fiskalpakt auf eine Zweidrittelmehrheit im Parlament angewiesen, weil dieser Pakt zu mehr Haushaltsdisziplin Regelungen im Grundgesetz berührt. Den Fiskalpakt haben die Staats- und Regierungschefs von 25 der 27 EU-Staaten unterschrieben.

Die Abstimmung über den Vertrag sowie über den ESM ist an diesem Freitag in Bundestag und Bundesrat vorgesehen. Die Regierung hat in Gesprächen mit SPD und Grünen sowie mit den Bundesländern grünes Licht für beide Finanzinstrumente bekommen. Seibert betonte erneut, der ESM stehe für Solidarität, der Fiskalpakt für Stabilität. Er versicherte, dass der Bund das Risiko möglicher Sanktionszahlungen auf EU-Ebene trage.

Eine Verabschiedung des ESM-Vertrages mit der für Verfassungsänderungen notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit könnte Einfluss haben auf die angekündigten Verfahren beim Bundesverfassungsgericht. Unter anderem hatte die Linke angekündigt, nach dem Beschluss in Karlsruhe zu klagen.

Aufgrund des anstehenden Verfahrens hatte das Bundesverfassungsgericht den Bundespräsidenten Joachim Gauck gebeten, das Gesetz zunächst noch nicht zu unterschreiben. Die Kammer brauche mehr Zeit, um sich in die Thematik einzuarbeiten. Bundestagspräsident Norbert Lammert hatte bereits am Wochenende empfohlen, auch den ESM-Vertrag mit der breiten Mehrheit zu beschließen.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 26.06.2012, 13:39 Uhrmichel

    Wie kann man als gewählter Volksvertreter so etwas undemokratisches und verhängnisvolles wie den ESM abnicken. Hat den ESM-Vertrag denn niemand richtig gelesen? Das ist eine Finanzdiktatur zu Lasten der Bürger Deutschlands. Glaubt denn jemand ersthaft, das man die grundsätzlichen Fehler des jetzigen Schuldensystems in noch mehr "Schuldengeld" ertränken kann? Ich fasse den ESM als letzten Angriff auf die Vermögen der deutschen Bürger auf. Wann wachen wir endlich auf und beenden diesen Wahnsinn? Oder geht es gar nicht um Geld, sondern um eine neue Zentraldiktatur im Euroraum nach der vollständigen Pleite aller Euroländer? Dann allerdings macht dieser Rettungsschirm wahrlich Sinn. Der deutsche Bürger, und viele unbedarfte (oder abhängige) Politiker lassen mit diesem Projekt den Untergang der europäischen Nationalstaaten durch die Hintertür zu. Es geht im Kern gar nicht um die Staatsschuldenkrise sondern um eine völlige Umgestaltung der politischen Landschaft in Europa ohne große Bürgerbeteiligung. Dazu muss eine große Krise her. Das Staatsschuldenproblem ließe sich ganz einfach durch Subventionsabbau, Steuererhöhungen für große Vermögensbesitzer, Umlenkung von privaten Altersvorsorgebeiträgen in Staatsanleihen usw. zügig lösen. Unser Geldsystem hat im Grunde einen grundsätzlichen Fehler der immer wieder zum gleichen Untergang führt, den Zins und Zinseszins. Da aber bei allen Umsätzen inzwischen 30-40% Zinsen einkalkuliert und aufzubringen sind, die überwiegend den großen Kapitalbesitzern als leistungsloses Einkommen dient, muss jedes Währungssystem früher oder später zusammenbrechen. Daran ändern auch die vielen Rettungsschirme nichts. Der ESM ist der Beginn des Untergangs unserer Währung und Freiheit.

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