Richtungsstreit: Güllner: "Schwarz-Grün wäre eine Wiedervereinigung"

Richtungsstreit: Güllner: "Schwarz-Grün wäre eine Wiedervereinigung"

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Forsa-Chef Manfred Güllner

Die Koalition von CDU und Grünen in Hamburg wäre nach Einschätzung von Forsa-Chef Manfred Güllner eine Zusammenarbeit von zwei bürgerlichen Parteien und „quasi eine Wiedervereinigung“.

Der WirtschaftsWoche sagte Güllner: „Die Grünen kommen ursprünglich aus dem bürgerlichen Lager, sie sind nicht, wie oft vermutet, aus dem Fleisch der SPD geschnitten. Das sind heimgekehrte Bürgersöhnchen – Joschka Fischer ist das beste Beispiel dafür.“ Fischer habe „bis weit ins bürgerliche Lager immer hohe Sympathiewerte“ genossen. „Die Grünen von damals sind 20 Jahre älter, viele haben in der Gesellschaft individuell Karriere gemacht – nur ihre Grundbefindlichkeit bleibt gleich. In Umfragen geben sie an, links zu sein – egal, wie bürgerlich sie selbst leben. Schwarz-Grün in Hamburg wäre quasi eine Wiedervereinigung.“

Der SPD nutze die von Parteichef Kurt Beck eingeleitete Öffnung nach Links nicht. „Der SPD bringt die Öffnung nach links überhaupt nichts. Im Gegenteil: Der Linksrutsch schadet der Partei. Seit der Abkehr von der Agenda 2010 auf dem Hamburger Parteitag verlieren die Sozialdemokraten bei Landtagswahlen mehr als bei den sechs Landtagswahlen zuvor“, unterstreicht Güllner. „Die SPD befindet sich im Abwärtstrend, stärkt dabei die Linke und spielt andererseits in das Lager der bürgerlichen Parteien.“ Beck verprelle mit seinem Linkskurs die SPD-Wähler der Mitte, die Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder gewonnen hat. „Die Abkehr vom Modernisierungskurs Schröders vergrault die Wähler der Mitte, die diese Politik wollten. Die Leute haben bei der letzten Bundestagswahl nicht Schröder abgewählt, sondern die Partei, die nicht hinter ihm stand“, so der Forsa-Chef. „Das zweite Problem ist die Person Beck. Seine Umfragewerte sind im Keller, nur noch 13 Prozent wollen ihn als Kanzler sehen. Und nur ein Viertel der eigenen Parteifreunde steht zu ihm. Beck muss weg – als Kanzlerkandidat wäre er ein Garant für Misserfolg.“

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Zurückgewiesen hat Güllner den Eindruck, Deutschland erlebe einen Linksrutsch. Gemessen an den Wahlergebnissen können davon „keine Rede sein. Zwischen 1998 und 2005 ist das linke Lager deutlich schwächer geworden, während das bürgerliche Lager fast gleichgeblieben ist. Nach 2005 haben SPD, Grüne und die Linke insgesamt knapp vier Millionen Stimmen verloren – das sind 34 Prozent weniger. Im bürgerlichen Lager ging es zwar auch bergab, aber nur um 22 Prozent. Beide Lager verlieren also – aber das linke verliert mehr.“ Auch einen gefühlten Linksrutsch gebe es nicht. „Die Leute bezeichnen sich zwar selbst in Umfragen als links – und zwar 45 Prozent im Osten und 30 Prozent im Westen. Das zeigt eine Befindlichkeit, sagt aber nicht, dass sie auch links wählen. Oft wird ins Feld geführt, dass 80 Prozent der Bürger für den Mindestlohn sind. Aber auch das ist kein Indikator für den Linksrutsch, sondern ein Zeichen dafür, dass die Menschen noch eine soziale Ader haben – übrigens auch viele in der Union.“

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