Risikoforscher Ortwin Renn: "Leitplanken setzen"

Risikoforscher Ortwin Renn: "Leitplanken setzen"

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Risikoforscher Ortwin Renn

von Max Haerder

Der Risikoforscher erklärt das besondere deutsche Misstrauen gegenüber der Atomkraft und die Ziele der Ethikkommission.

WirtschaftsWoche: Herr Renn, warum muss sich eine Kommission mit den ethischen Fragen der Atomenergie befassen?

Renn: Wir bewerten nicht die Atomkraft alleine, sondern die Vor- und Nachteile im Vergleich zu anderen Energiequellen. Die Antwort kann kategorisch ausfallen, dann heißt das: Die Risiken können durch nichts aufgefangen werden, also Ausstieg sofort. Oder die Antwort ist relativ: Dann müssen wir rational Nutzen und Gefahren der Technologie abwägen.

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Wie halten Sie es?

Ich neige eindeutig zu Letzterem. Atomenergie ist preisgünstig und bietet hohe Versorgungssicherheit. Gleichzeitig wiegt das Ausmaß des Schadens bei Unfällen in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland besonders schwer, selbst wenn der Schadenseintritt unwahrscheinlicher ist als jetzt in Japan. Das Hauptargument ist aber: Wir haben heute risikoärmere Alternativen zur Stromerzeugung – also ein Plädoyer für den baldigen Ausstieg.

Dabei soll die Versorgung möglichst ebenso garantiert sein wie stabile Kosten und Klimaschutz. Ist das möglich?

Wenn Blackouts drohen, bei denen ganze Industrien nicht mehr existieren könnten, wäre das in der Tat nicht zu verantworten. Verglichen damit fände ich einen überschaubaren Temperaturanstieg nicht dramatisch. Dass die Preise etwas steigen werden, ist mittlerweile unstrittig. Wenn der Strom ein bis drei Cent je Kilowattstunde teurer werden sollte, wird die deutsche Industrie davon nicht in die Knie gehen. Wir müssen deshalb Leitplanken setzen, die einen Korridor eröffnen, in dem wir uns bewegen können. Aber wir sollten unbedingt innerhalb der Leitplanken verbleiben.

Durch Fukushima hat sich an der Sicherheit deutscher AKWs nichts geändert. Warum besteht das Bedürfnis, sich Klarheit über die Risiken zu verschaffen?

Die Laufzeitverlängerung im letzten Jahr war ja schon sehr umstritten und wurde misstrauisch beobachtet. Der Politik wurde Kungelei mit den Konzernen vorgeworden, innerhalb des Kabinetts wurde um Laufzeiten geschachert, die öffentliche Stimmung tendierte in Richtung Verschwörung. Und als Fukushima kam, da fiel dieses Kartenhaus zusammen, das Unglück wirkte wie eine Katharsis. Die Erfolge der Grünen zeigen ja, dass der Ausstieg grundsätzlich auf breite Resonanz in der Gesellschaft trifft.

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