Rohstoffe: Kanonenboot-Politik schadet deutscher Industrie

KommentarRohstoffe: Kanonenboot-Politik schadet deutscher Industrie

von Reinhold Böhmer

Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel sich nicht um Wahlchancen bringen will, muss sie sofort unzweideutig erklären, dass Deutschland eine Handelsnation ist und nie und nimmer eine Kanonenboot-Politik betreiben wird, um Unternehmen Rohstoffe zu sichern.

Dierk Paskert, Geschäftsführer der Rohstoffallianz öffnete die Flasche. „Wir brauchen eine strategisch ausgerichtete Außenwirtschafts- und Sicherheitspolitik“, sagte er gestern im Handelsblatt. Wohl gemerkt, eine strategisch ausgerichtete „Sicherheitspolitik“. Damit lässt der Chef des Gemeinschaftsunternehmens von Konzernen wie Bayer, Bosch, ThyssenKrupp, VW und BMW mit verharmlosenden Chiffren einem Geist freien Lauf, der den deutschen Unternehmen langfristig mit Sicherheit viel mehr schadet als hilft. Auf gut Deutsch redet Paskert damit nämlich der Idee das Wort, Krieg zu führen, wenn hiesige Unternehmen nicht mehr ausreichend an benötigte Rohstoffe kommen.

Nährboden für diese Forderung sind ganz offenkundig die „Verteidigungspolitischen Richtlinien“ der Bundeswehr aus dem Jahr 2011, die über „Risiken und Bedrohungen“ für deutsche Unternehmen schwadronieren, die „aus der Verknappung  oder den Engpässen bei der Versorgung mit natürlichen Ressourcen und Rohstoffen“ resultieren. Marine-Inspekteur Axel Schimpf verstieg sich in der Zeitschrift Marineforum sogar schon dazu, Schiffsverbände mit Hubschraubern an Bord könnten zur „Demonstration politischen Willens“ dienen.

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Bevor Militärs und Rohstoffstrategen der Handels- und Exportnation Deutschland sowie den ausfuhrstarken Unternehmen schweren Schaden zufügen, sollten die Bundeskanzlerin und die Konzernchefs die Vorlauten zurückpfeifen. Erstens würde es den Jahrzehnte lang aufgebauten glänzenden Ruf der deutschen Unternehmen als lupenreine und insofern faire Geschäftspartner ramponieren, allein mit eigener Leistung Märkte erobern zu können.

Hunderte der großen und kleinen deutschen Weltmarktführer wären im Rest der Welt bestimmt nicht mehr so willkommen, wenn die Kunden Kanonenboote hinter ihnen fürchten müssten. Es ist glücklicherweise lange her, dass deutsche Kriegsschiffe 1894 vor Marokkos Küsten auffuhren, um die Erfüllung von Forderungen deutscher Kaufleute einzufordern. Dafür gibt es internationale Gerichte, Schiedsgerichte und Verhandlungen.

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