Rohstoffe: Vernetztes Risiko beim Öl

KommentarRohstoffe: Vernetztes Risiko beim Öl

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

von Malte Fischer

Der Westen ist weniger abhängig vom Öl als früher. Doch das schützt ihn nicht vor Dämpfern. Ein Kommentar von Malte Fischer.

Kaum haben die Unruhen im Nahen Osten den Ölpreis über die Marke von 110 Dollar getrieben, ist es wieder da, das böse Wort von der Rezession. Manche Ökonomen und Analysten warnen, ein neuer Ölpreisschock könnte den Aufschwung in den Industrieländern abrupt beenden. Dagegen argumentieren Optimisten, die Länder des Westens seien heute weniger abhängig vom Öl als vor der Ölpreiskrise Anfang der Siebzigerjahre. Ein steigender Ölpreis werfe die Konjunktur daher nicht aus der Bahn. Wer hat recht?

Tatsache ist, dass es den westlichen Ländern in den vergangenen 40 Jahren gelungen ist, ihre Abhängigkeit vom Öl zu verringern. In Deutschland hat sich das Verhältnis des Ölverbrauchs zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) seit 1973 in etwa gedrittelt (siehe Grafik). Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist der Energieverbrauch, beispielsweise beim Auto, dank des technischen Fortschritts gesunken. Zum anderen haben die Industrieländer Öl durch andere Energieträger ersetzt, etwa bei der Stromerzeugung. Hinzu kommt, dass der Strukturwandel der westlichen Länder von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft den Ölbedarf gesenkt hat.

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Risiko Globalisierung

Ölverbrauch in Deutschland

Ölverbrauch in Deutschland

Doch es wäre voreilig, daraus nun den Schluss zu ziehen, ein Ölpreisschock habe nur einen Bruchteil der Bremseffekte von 1973. Die Globalisierung hat die Weltwirtschaft seither zusammengeschweißt. Der Anteil der Schwellenländer am weltweiten BIP hat sich in den vergangenen 20 Jahren von unter 35 auf knapp 50 Prozent erhöht. Diese Länder, die sich auf dem Weg von der Agrar- zur Industriegesellschaft befinden, verbrauchen im Schnitt viermal so viel Öl im Verhältnis zu ihrer Wirtschaftskraft wie Deutschland. Kräftig steigende Ölpreise drohen daher tiefe Bremsspuren in ihrer Konjunktur zu hinterlassen. Das dürfte sich in den Exportbilanzen der deutschen Unternehmen niederschlagen, für die die Schwellenländer zunehmend wichtige Absatzmärkte geworden sind.

Der Westen wird indirekt getroffen

Hinzu kommt, dass die Unternehmen ihre Wertschöpfungsketten in den vergangenen Jahren über den gesamten Globus verteilt haben. Ohne niedrige Transportkosten wäre das undenkbar gewesen. Höhere Ölpreise wirken nun wie ein Zoll auf den internationalen Warenhandel. So verteuert Öl beim aktuellen Preis die Einfuhren um rund neun Prozent. Bei einem Ölpreis von 150 Dollar steigt die Belastung auf elf Prozent. Das zeigt: Trafen höhere Ölpreise den Westen früher direkt, importiert er deren Bremseffekte heute über die Handelsströme einer zunehmend vernetzten Weltwirtschaft.

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