Rohstoffradar: Neue Risiken am Rohstoffmarkt

Rohstoffradar: Neue Risiken am Rohstoffmarkt

von Bert Losse

Die Flutkatastrophe in Australien treibt den Weizen- und Kohlepreis nach oben. Auch bei anderen Rohstoffen drohen 2011 heftige Preisausschläge.

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Rohstoffradar 01.01.2010.-31.12.2010 (Für eine vollständige Ansicht bitte auf das Bild klicken)

Drei Viertel der Kohleminen stehen still, die Hälfte der Weizenernte taugt allenfalls noch als Tierfutter: Das Hochwasser in Australien ist nicht nur für die Menschen eine Katastrophe, sondern auch für die Wirtschaft. Und die Folgen der Flut bekommt auch der Rest der Welt zu spüren: Australien ist der größte Kohleexporteur und viertgrößte Weizenverkäufer; die Produktionsausfälle haben die (ohnehin anziehenden) Preise weiter nach oben getrieben. In Europa kostet Weizen nun so viel wie seit drei Jahren nicht mehr. Der Kokskohlepreis könnte nach Analystenschätzung von 225 Dollar auf bis zu 300 Dollar je Tonne hochschnellen – und den Stahlpreis gleich mit nach oben drücken. Für die Herstellung einer Tonne Stahl sind rund 330 Kilogramm Kokskohle nötig.

Auch in anderen Branchen blicken die Einkäufer derzeit sorgenvoll auf die unruhigen Rohstoffmärkte. Der Ölpreis hat seit Mai um mehr als 30 Prozent zugelegt und den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren erreicht. In der vergangenen Woche kostete ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI über 92 Dollar. Analysten der US-Bank Morgan Stanley sehen den Preis bald über 100 Dollar.

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Baumwolle wird zunehmend teurer

Auch der Kupferpreis hat zum Höhenflug angesetzt. Durch die steigende Nachfrage aus Schwellenländern ist eine Angebotslücke entstanden, die große Produzenten wie Chile nicht schließen können. Ähnlich ist es bei Baumwolle, derzeit doppelt so teuer wie 2008. Nach schlechten Ernten in Pakistan und China geht der Trend weiter nach oben; 2011 dürften viele Textilien teurer werden. Die Nahrungsmittelpreise sind ebenfalls auf Rekordniveau gestiegen und liegen höher als 2008, als es in einigen Entwicklungsländern zu Unruhen kam. Ein Ende der Hausse ist nicht in Sicht. „Läuft die Konjunktur weiter so gut, steigen auch die Rohstoffpreise weiter“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffspezialist bei der Commerzbank. Dies gelte vor allem für Industriemetalle. Im Agrarbereich kommen strukturelle Gründe hinzu; China etwa entwickelt sich infolge veränderter Essgewohnheiten vom Agrarexporteur zum -importeur.

Steigende Rohstoffpreise mit positivem Effekt

Allerdings ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem die Rohstoffpreise ihrerseits die Konjunktur negativ -beeinflussen: „Turbulenzen an den Märkten und starke Preisanstiege können sich 2011 zu einem Risiko für den globalen Aufschwung entwickeln“, warnt Weinberg. Nicht nur, dass viele Preise nach oben schießen, sie werden auch immer volatiler und für Unternehmen schwerer zu kalkulieren. Der Rohstoffradar, den die Commerzbank exklusiv für die WirtschaftsWoche erstellt, zeigt für die vergangenen zwölf Monate zum Teil heftige Ausschläge nach oben und unten. Besonders stark schwankten die Notierungen von Zucker (51,1 Prozent) und Blei (40,9 Prozent) um ihren Mittelwert (siehe Grafik). Die Preissprünge gehen zum Teil auf Spekulanten zurück; wegen der niedrigen Zinsen fließt wieder viel Kapital in die Rohstoffmärkte. Aber auch „politische Unsicherheiten, protektionistische Maßnahmen einzelner Länder und Konzentrationsprozesse von Bergbauunternehmen“ erhöhten die Volatilität, schreibt die Deutsche Rohstoffagentur.

Zumindest einen positiven Effekt haben steigende Rohstoffpreise aber doch – sie machen die Suche nach neuen Vorkommen und Technologien lohnenswerter. Weinberg: „Wäre der Ölpreis bei 20 Dollar geblieben, hätte es den Aufschwung regenerativer Energien nie gegeben.“

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