Roland Koch: "Ich möchte mir aussuchen, was ich mache"

Roland Koch: "Ich möchte mir aussuchen, was ich mache"

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Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU)

von Henning Krumrey

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch über das Verhältnis von Politik und Wirtschaft, den schwierigen Wechsel zwischen beiden Welten und den Wunsch, etwas zu gestalten.

WirtschaftsWoche: Herr Koch, Unternehmer kritisieren an der Politik, dass die Prozesse zu langsam und die Bezahlung lausig sei. Wechseln Sie jetzt also von der Hölle ins Paradies?

Koch: Ich staune häufig, mit welch großer Distanz Vorstände und Aufsichtsräte über politische Prozesse sprechen. Wirtschaftsleute glauben, Politiker hielten eigentlich in erster Linie Reden und moderierten Konferenzen. Sie bedenken nicht, dass zum Beispiel das Land Hessen letztlich ein ganz normales Unternehmen mit 150.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 20 Milliarden Euro ist. Mit allen Problemen wie Personalführung, Bilanzstruktur, Innovation, Change Management, Personalvertretung. Politiker reagieren dann unfreundlich, weil sie sich nicht angemessen geschätzt und verstanden fühlen.

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Wir sehen gegenseitige Verachtung. Die Politik sagt: Die Wirtschaft denkt verantwortungslos nur an Zahlen. Und die Unternehmer sagen: Diese Dauerdiskutierer sitzen bloß in Parlamenten, weil sie bei uns nichts geworden sind.

Deshalb müsste das Wechseln von der einen in die andere Welt einfacher sein. Es gibt keinen Grund, dass alle gut Qualifizierten mit gutem Charakter vor die Lebensentscheidung gestellt werden: gesellschaftliche Verantwortung oder Geld. Sie müssen eine Chance haben, der Gesellschaft zu dienen und sich dann wieder bei guter Bezahlung ins Geschäftsleben einzugliedern.

Hat die Distanz zugenommen?

Unser Problem ist nicht, ob ein Politiker eine Beschäftigung in der Wirtschaft findet. Unser Problem ist, dass wir niemanden mit Potenzial aus einer mittleren Karrierestufe dafür gewinnen, für vier oder fünf Jahre in eine Regierung einzutreten. Das gilt nicht als Veredelung seiner Fähigkeiten, obwohl er eine einmalige zusätzliche Qualifikation bekommt. Stattdessen gilt man bei Rückkehr als Regierungsabgesandter. Der eigene Arbeitgeber vereitelt die Karriere. An dieser Dämlichkeit sind auch Zeitungen beteiligt, die jedes Mal schreiben: Der muss doch befangen sein; der macht das nur, weil er später zurück will. Natürlich habe ich versucht, Seiteneinsteiger aus der Wirtschaft für die Politik zu gewinnen. Sie kriegen meistens eine Absage.

Aber ist das in den USA besser? Hank Paulson sah sich dem Vorwurf ausgesetzt, er habe auch als Finanzminister das Geschäft von Goldman Sachs betrieben.

Medien und Menschen sind so, dass sie dies unterstellen. Aber: Robert Zoellick, Präsident der Weltbank, hat in den vergangenen Jahren permanent gewechselt – von der Versicherung ins Regierungsamt, zur Bank, ins Regierungsamt. Und klar ist doch, dass die Krise deshalb in den USA gut beherrscht worden ist, weil es in der Regierung Leute gab, die die Spielregeln der anderen Seite kannten.

Mit Bundespräsident Horst Köhler hat ein Seiteneinsteiger hingeschmissen. Braucht man in der Politik bessere Nerven?

Man braucht in der Politik sehr gute Nerven, genau wie in unternehmerischen Spitzenpositionen. Das völlige Bloßlegen der persönlichen Wertschätzungen beziehungsweise Abneigungen macht den Unterschied. Du kannst nirgendwo mehr einen Fuß hinsetzen, ohne dass die Leute sofort an das denken, was die Medien gerade über dich berichtet, geprägt oder behauptet haben. Damit umgehen zu lernen, für sich, für die Familie, ist ein sehr komplizierter Prozess.

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