Roland Koch: Wechsel zwischen Politik und Wirtschaft vereinfachen

Roland Koch: Wechsel zwischen Politik und Wirtschaft vereinfachen

von Henning Krumrey

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch beklagt das schwierige Verhältnis zwischen Politik und Wirtschaft.

„Ich staune häufig, mit welch großer Distanz Vorstände und Aufsichtsräte über politische Prozesse sprechen“, sagte Koch in einem Interview mit der WirtschaftsWoche. „Wirtschaftsleute glauben, Politiker hielten eigentlich in erster Linie Reden und moderierten Konferenzen. Sie bedenken nicht, dass zum Beispiel das Land Hessen letztlich ein ganz normales Unternehmen mit 150.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 20 Milliarden Euro ist“, sagte der CDU-Politiker, der nach seinem Ausscheiden aus der Politik im kommenden Jahr in der Wirtschaft tätig werden möchte. „Das Wechseln von der einen in die andere Welt müsste einfacher sein. Es gibt keinen Grund, dass alle gut Qualifizierten mit gutem Charakter vor die Lebensentscheidung gestellt werden: gesellschaftliche Verantwortung oder Geld. Sie müssen eine Chance haben, der Gesellschaft zu dienen und sich dann wieder bei guter Bezahlung ins Geschäftsleben einzugliedern.“

Der größte Unterschied zwischen der Arbeit in Politik und in der Wirtschaft sei „das völlige Bloßlegen der persönlichen Wertschätzungen beziehungsweise Abneigungen“, so der 52-jährige CDU-Politiker. „Du kannst nirgendwo mehr einen Fuß hinsetzen, ohne dass die Leute sofort an das denken, was die Medien gerade über dich berichtet, geprägt oder behauptet haben. Damit umgehen zu lernen, für sich, für die Familie, ist ein sehr komplizierter Prozess.“

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Die Entblößung der eigenen Persönlichkeit „findet täglich statt“. Mein Rat für Menschen, die sich der Politik nähern: Überlegt genau, ob ihr diesen Preis zahlen wollt. Der Seiteneinsteiger hat diese Situation nie in homöopathischen Dosen kennengelernt wie jemand, der in der Politik Schritt für Schritt aufsteigt. Der Seiteneinsteiger wird von einem Tag auf den anderen schlagartig bekannt, der ganzen Nation. Da gibt es nicht nur Lob und Ehre, sondern eben auch das Gegenteil, deftige Beleidigungen.“

Noch keine neue Aufgabe

Politiker könnten in der Wirtschaft eine andere Sichtweise einbringen. „Die Gesetzgebung ist für uns berechenbar, der Wirtschaft erscheint sie aber oft völlig unberechenbar.“ Erfahrene Politiker hätten einen Blick dafür, in welchem gesellschaftlichen Umfeld sich Unternehmen platzieren sollten. Wie sie dieses Umfeld mitgestalten, darin liege eine Herausforderung. „Natürlich kann eine Bank eine Marge von 25 Prozent postulieren. Aber wenn dann deshalb ein Gesetz kommt, das genau diese Marge verhindert, hätte man vielleicht besser anders agiert. Ich sehe in der Wirtschaft viele Dinge im Umgang mit der Politik, bei denen ich direkt sagen kann: So wird das nie was.“ Trotzdem habe er festgestellt: „Am Ende sind Märkte rationaler. Der Wähler ist sprunghafter.“

Derzeit verfüge er noch über keinen neuen Vertrag, sagte der Ministerpräsident der WirtschaftsWoche. „In der Amtszeit gilt meine ganze Loyalität dem Land. Also habe ich nicht schon einen Vertrag für die Zeit danach in der Tasche.“ Er werde entscheiden, ob er wieder als Wirtschaftsanwalt oder noch eine weitere Zeit lang „in den Sielen des Exekutiven“ tätig werde. „Ich möchte mir für diesen Lebensabschnitt aussuchen, was ich mache. Und das geht nur, wenn alle wissen, dass ich suche.“ Sein Ziel sei „die richtige Mischung aus meinem Hang zur Gestaltung und meinem Drang zu persönlicher Freiheit.“ Um das höhere Gehalt in der Wirtschaft gehe es ihm dabei nicht. „Wenn es mir um das Geld gegangen wäre, hätte ich gar nicht in die Politik wechseln dürfen. Als Ministerpräsident habe ich einen beträchtlichen Teil meines Einkommens verloren. Nein, mich interessiert, spannende Dinge zu gestalten. Ich muss nicht in der ersten Reihe stehen, damit alle mich sehen. Aber ich will für mich selbst sehen, dass ich etwas gestalte.“

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