Roland Tichy über die Mega-Trends des Jahres 2008: Gute gegen Böse

Roland Tichy über die Mega-Trends des Jahres 2008: Gute gegen Böse

Weltweit entwickelt sich eine ungeheure Marktdynamik mit zweierlei Zielrichtung. Zum einen geht es um gewaltige Investitionen in eine klimagasarme Zukunft, um die Nutzung fossiler Energien drastisch zu vermindern. Zum anderen geht es um Anpassungsmaßnahmen an die unvermeidlichen Folgen des Klimawandels. Beides löst eine weltweite Suche nach Lösungen aus – und einen Megaschub an technologischen Veränderungen.

Ob die wissenschaftlichen Grundlagen wirklich hieb- und stichfest sind, ist dabei unerheblich. Gefördert und erforscht wird nur noch eine Bestätigung der Hypothesen; der wissenschaftliche Zweifel ist unerwünscht. Das mag bedenklich sein im Sinne von Karl Popper und wissenschaftlicher Lauterkeit, unüblich ist diese Verengung des Blickwinkels nicht. Thomas S. Kuhn hat in seiner „Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“ gezeigt, dass die Wissenschaftsgemeinde zum Herdentrieb neigt und zur Blindheit gegen nicht passende Phänomene. Abweichende Erkenntnisse werden unterdrückt, bis sie nicht mehr zu leugnen sind. Entscheidend ist: Die Weltgemeinschaft hat sich auf diesen Weg eingeschworen und weltweit schließen sich Menschen, Gemeinschaften und Unternehmen diesem Ziel an. Wer gegen den Klimakonsens verstößt, wird von Regierungen und Konsumenten abgestraft. In der Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse wird kein Pardon gegeben. Im Hintergrund mögen wissenschaftliche Erkenntnisse stehen – die Triebfeder des Geschehens ist emotional gespannt. Right or wrong – es ist die erste wirklich globale Massenbewegung in der Geschichte der Menschheit. Unternehmen müssen sich daher auf diese ungeheuren Gewinnchancen einstellen und auch auf ein gewaltiges Risikopotenzial.

Offene Gesellschaften, die marktwirtschaftliche Lösungen prämieren, werden die größten Erfolge feiern. Mag die US-Regierung noch so skeptisch sein, was die Klimapolitik betrifft – die US-Wirtschaft monetarisiert längst die Zeichen der Zeit durch marktkonforme Reaktionen auf die neuen Preissignale und mit Produkten, welche die Wünsche der klimabewussten Verbraucher erfüllen.

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Dagegen wird der Umweltschutz in Deutschland und Europa prinzipiell als Staatsaufgabe betrachtet und damit als Einfallstor für eine Flut neuer Abgaben und Regulierungen – etwa wenn Heizpilze als Symbole des Bösen und Steakesser als Klimasünder gebrandmarkt werden. Schon heute lässt sich zeigen, dass nur wenige Maßnahmen, die in Deutschland vorgeschrieben werden, effizient dem Klimaschutz dienen – sie sind vielfach nur Erfolge von Lobbyarbeit, die einzelnen Branchen zum Gewinn verhilft, oder Erfüllung populistischer Forderungen, die sich auf dem Wählermarkt auszahlen. Das zeigt der trotz Klimakatastrophe ungebrochene Kampf gegen Kernkraftwerke. Nach dem Sieg über die AKWs rufen die Umweltverbände jetzt dazu auf, auch die 25 geplanten Kohlekraftwerke zu stoppen – mit Erfolg.

Wie bei jeder dramatischen Marktverschiebung wird es Gewinner und Verlierer geben: Wer über scheinbar oder tatsächlich klimaverträgliche Produkte oder Prozesse verfügt, wird gewinnen. Wer aber die Notwendigkeit des Klimamarketings nicht erkennt oder seine industriellen Prozesse nicht schnell genug ändern kann, wird Verlierer sein. Weil Deutschland in Europa die Hauptlast der CO2-Reduktion tragen will und die Energiepreise besonders steil steigen werden, wird die gesamte Metallurgie, Zement- und Grundstoffindustrie sowie Grundstoffchemie Deutschland verlassen. Die Zukunft der Automobilindustrie ist ungewiss. Gewinnen werden Maschinenbauer, die Lösungen zur Rettung der Welt produzieren, und andere Karbon-Pioniere.

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