Roland Tichy über die Rückkehr der Inflation: Ende der Geldillusion

Roland Tichy über die Rückkehr der Inflation: Ende der Geldillusion

Deutschland steht nach einer Reihe von preisstabilen Jahren vor einer neuen Ära der Inflation. Fast drei Prozent beträgt die offiziell ermittelte Rate der Geldentwertung bereits – und das, obwohl sich der Druck auf die Preise erst entwickelt.

Da sind die schnell steigenden Ölpreise: Während die weltweite Nachfrage nach dem Schmiermittel globalen Wachstums steigt und steigt, stagniert die Förderung – ein Illusionär, der hofft, dass Strom, Heizung und Benzin wieder spürbar billiger werden könnten. Ohnehin ist die Preisentwicklung auf den Weltmärkten noch gar nicht vollständig bis in die Kellertanks der Reihenhaussiedlung oder bis an die Zapfsäule durchgeschlagen: Öl wird in Dollar bezahlt, der wegen des steigenden Werts des Euro allerdings billiger wird und somit einen Teil des Ölpreisanstiegs ausgeglichen hat – vorerst.

Auch der Preis anderer Energieträger wie Erdgas wird im Gefolge der Ölpreisinflation früher oder später dann klettern, wenn langfristige Lieferverträge auslaufen. Weil die Welt endlich Geld für Brot hat, verteuert die steigende Nachfrage aus den Schwellenländern praktisch alle landwirtschaftlichen Produkte. Mais und Weizen werden im großen Stil in Form von Bioethanol und Biodiesel in die Pkw-Tanks gepumpt – auch das verknappt das Angebot, übrigens mit Steuermitteln hochsubventioniert.

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In Deutschland steigen die Löhne wieder, nachdem jahrelang die lohnpolitische Devise „Gürtel enger schnallen“ gelautet hatte; lästige Billigkonkurrenz soll über Mindestlöhne ausgeschaltet werden. Auch hier folgen als Konsequenz weitere Preiserhöhungen. Hinzu kommt, dass es weltweit zu viel Geld gibt, das nach rentablen Anlagemöglichkeiten sucht: Überhöhte Immobilienpreise und letztlich fantastische Angebote der Banken waren der Beweis.

In Deutschland ist ein großer Teil der Inflation politisch verursacht. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte vor einem Jahr hat für jeden den Einkauf spürbar verteuert – fast die Hälfte der derzeitigen Inflationsrate ist damit hausgemacht. Zudem haben wir längst Wahlkampf – Ende Januar wird in Hessen und Niedersachsen gewählt, eine Art Probelauf für den Bundestag. Politiker lieben Inflation, weil es mit ihr zunächst allen besser zu gehen scheint: Endlich steigen Löhne und Einkommen, vorübergehend sinkt sogar die Arbeitslosigkeit.

Am allermeisten profitiert der Staat. Die Beiträge zu den Sozialkassen sprudeln wieder; das Steueraufkommen explodiert geradezu – eine erste Phase lustvoller Finanzpolitik, die wir schon hinter uns haben: Wegen der konjunkturellen Kurzzeitentwicklung und gigantischer Steuereinnahmen sind in den vergangenen Jahren die Staatseinnahmen geradezu explodiert. Längst ist die große Koalition in Phase zwei, die Phase öffentlicher Verschleuderung, eingetreten. So wurden neue Ausgabenprogramme beschlossen, die in den kommenden Jahren wirksam werden und Löcher in den Staatshaushalt reißen. Das geschieht ausgerechnet dann, wenn die Wachstumsraten schon wieder verfallen.

Diese gefährliche Mischung aus globaler Inflation und beginnender nationaler Stagnation wird das Jahr prägen. Nehmen wir Abschied von der Geldillusion und von der Vorstellung, dass mehr Geld in der Tasche uns wohlhabender macht! Der Besuch eines Supermarkts oder einer Tankstelle holt uns schnell auf den Boden der Tatsachen zurück.

Freilich ist es für jeden ein komplexes Unterfangen, auf die Inflation zu reagieren: Investitionspläne müssen überprüft, die persönliche Finanzplanung einschließlich aller Geldströme angepasst werden: Geld- und Kapitalanlagen, Kredite, Immobilien und Steuern sind, immer unter Einbeziehung der Inflation, neu zu justieren. Die WirtschaftsWoche wird auch in diesem Jahr ihren Beitrag dazu leisten, rechtzeitig zu informieren und Alternativen aufzuzeigen.

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