Roland Tichy über Fallen, Finten und Flops des Jahres: 10 Irrtümer '07

Roland Tichy über Fallen, Finten und Flops des Jahres: 10 Irrtümer '07

1. Dummenfang des Jahres ist die Behauptung, dass Mindestlöhne die Lager der Geringverdiener verbessern sollen. Tatsächlich helfen sie etablierten Anbietern, sich gegen Herausforderer zu schützen. Ob Mindestlöhne nur einige Tausend Arbeitsplätze vernichten wie bei der Pin Group oder bis zu 1,9 Millionen, wie Hans-Werner Sinn befürchtet – die Antwort darauf könnte das sozialfeindliche Experiment mit dem Mindestlohn bringen, dem dieses Land derzeit unterzogen wird.

1 Dummenfang des Jahres ist die Behauptung, dass Mindestlöhne die Lager der Geringverdiener verbessern sollen. Tatsächlich helfen sie etablierten Anbietern, sich gegen Herausforderer zu schützen. Ob Mindestlöhne nur einige Tausend Arbeitsplätze vernichten wie bei der Pin Group oder bis zu 1,9 Millionen, wie Hans-Werner Sinn befürchtet – die Antwort darauf könnte das sozialfeindliche Experiment mit dem Mindestlohn bringen, dem dieses Land derzeit unterzogen wird

2 Kleinaktionär des Jahres ist Klaus Zumwinkel. Durfte er mit seinen Post-Aktien Kasse machen? Na klar, schließlich hat er für seinen Hauptaktionär, die Bundesrepublik Deutschland, den Aktienkurs mittels Mindestlöhne gesteigert. Jetzt lernt er, dass der Mohr geschlagen wird, hat er seine Schuldigkeit getan.

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3 Der Vergesslichkeit des Jahres sind der SPD-Chef Kurt Beck ebenso wie CDU-Minister Wolfgang Schäuble zum Opfer gefallen. Sie fordern: Mana?gergehälter müssen offengelegt werden. Dabei erledigt das schon das „Vorstandsvergütungs-Offenlegungsgesetz“ (VorstOG) vom 11.8.2005 (siehe Seite 78) – nur können sich manche Politiker nicht so gut daran erinnern, was sie selbst beschlossen haben.

4 Täuschung des Jahres ist die Offenlegung der Nebeneinkünfte der Abgeordneten im Deutschen Bundestag. Nach wie vor bleibt völlig im Dunklen, wer die Mandatsträger subventioniert. Transparenz? Gewiss, aber nur bei anderen.

5 Die Lüge des Jahres finden wir nicht in der Liebe oder im Krieg, sondern in der Umweltpolitik. Es gibt zwar kaum ein Öko-Rezept, das den versprochenen Klima-Effekt erfüllt – weder Erdgas-Autos, noch Biodiesel im Tank, schon gar nicht Wärmedämmung. Aber bei der Rettung der Welt darf man nicht so kritisch sein.

6 Zur Waffe des Jahres wurde der strategische Öko-Konsum: Das musste der Energiekonzern Vattenfall lernen, der einen Brand im Transformatorenhäuschen als solchen behandelt hat und nicht als Atom-Störfall und damit Manager und Kunden verlor. Aber auch die deutschen Autobauer, die Hybrid verschlafen haben, oder Lidl, der die Bio-Supermärkte von Basic kaufen wollte und darüber staunte, dass der Biokunde nicht kauft, wenn Lidl draufsteht, auch wenn Bio drinsteckt. Erstaunlich vor diesem Hintergrund, wie der Solarhersteller Conergy trotz unbeschränkt fließender Subventionsmillionen für erneuerbare Energie rote Zahlen schafft.

7 Datensammler des Jahres ist nicht SAP, das beim Konkurrenten Oracle was runterlädt, sondern die Banken. Sie wollen für einen Konsumenten-Ratenkredit alles wissen – aber gar nichts, wenn es um ein milliardenschweres Kreditpaket von US-Hypothekenschulden geht. Diese Asymmetrie im Kopf kostet Milliarden.

8 Unwissenheit schützt vor Strafe nicht – dies gilt nicht, wenn Sie eine staatliche Bank wie die KfW leiten und rund fünf Milliarden Euro versenken. Dann, aber nur dann können Sie wie die KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier ihre Unwissenheit des Jahres als Rechtfertigung vor sich hertragen.

9 Verschwender der Zukunft bleibt der Staat. Bis 2011 werden die Steuereinnahmen um 70 Milliarden Euro steigen, jährlich weitere 20 Milliarden durch Privatisierung erlöst – die Neuverschuldung aber sinkt nur um magere 30 Milliarden. Schuldenabbau in der Superkonjunktur – nein danke.

10 Macht nichts. Denn „davon geht die Welt nicht unter!“. Mit diesem patzigen Satz rechtfertigt Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Antidiskriminierungsgesetz auch den Mindestlohn. Sie hat recht. Die Welt erträgt Merkel. Aber besser wird sie auch nicht, die Welt, mit so einer Koalition.

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