Rolltreppen zu kurz: Neue Baumängel am Haupstadtflughafen

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Rolltreppen zu kurz: Neue Baumängel am Haupstadtflughafen

Auch vor Weihnachten keine Ruhe um den Hauptstadtflughafen. Das Bundesverkehrsministerium sieht neue Mängel, die Bauarbeiten kämen nicht voran. Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit hält weiter zum umstrittenen Flughafen-Chef.

Neuer Wirbel um den Hauptstadtflughafen: Bei dem Milliardenprojekt sind nach einem internen Protokoll des Bundesverkehrsministeriums neue Planungspannen und Baumängel aufgetaucht. Die Arbeiten seien seit Sommer so gut wie nicht vorangekommen. Eine Sprecherin des Ministeriums bestätigte am Sonntag auf dpa-Anfrage einen entsprechenden Bericht der „Bild am Sonntag“, die über das interne Protokoll berichtet hatte. Der Bericht des Ministeriums listet demnach neue Baumängel auf: Rolltreppen sind zu kurz, mehrere tausend Quadratmeter auf der Baustelle befinden sich noch immer im Rohbauzustand. Ein Sprecher der Flughafengesellschaft sagte am Sonntag zu dem Protokoll: „Ein solcher Bericht liegt uns nicht vor.“

Mehrere Eröffnungstermine des Flughafens waren verschoben worden. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wollte zuletzt keine Garantie geben, dass der 27. Oktober 2013 als Eröffnungstermin gehalten werden kann.

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Laut Zeitung haben Prüfer der „Soko“ BER des Verkehrsministeriums die Baustelle am 13. Dezember besucht. „Der Gesamteindruck war, dass sich im Vergleich zum letzten Besuch am 31. August 2012 im Terminalbereich weiterhin nur geringfügige Aktivitäten wahrnehmen lassen.“ Es sei mehr Sicherheits- und Aufsichtspersonal als Arbeiter zu sehen gewesen.

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

  • Dezember 1991

    Gründung der Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF). Gesellschafter sind die Länder Berlin und Brandenburg.

  • Januar 1992

    Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.

  • Juni 1996

    Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

  • August 2004

    Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.

  • August 2005

    Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp. Bis zum Urteil sind nur Bauvorbereitungen gestattet.

  • März 2006

    Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.

  • Juli 2008

    Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.

  • Oktober 2008

    Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

  • Oktober 2009

    Das Brandenburger Verkehrsministerium erlässt eine neue Nachtflugregelung: Keine Starts und Landungen von Mitternacht bis 5.00 Uhr, Ausnahme Post- und Regierungsmaschinen, Notfälle. In den Randzeiten davor und danach ist die Zahl begrenzt.

  • Juni 2010

    Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von November 2011 auf den 3. Juni 2012 verschoben.

  • September 2010

    Die Deutsche Flugsicherung legt einen ersten Flugrouten-Vorschlag vor. Tausende Betroffene gehen dagegen auf die Straße. Es gibt neue Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss.

  • Oktober 2011

    Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in den Randzeiten. Der Airport kann ohne weitere Einschränkungen an den Start gehen.

  • Januar 2012

    Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die Flugrouten fest und folgt im wesentlichen einem Vorschlag der Fluglärmkommission aus Gemeinde- und Airline-Vertretern.

  • Mai 2012

    Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chef-Planer Manfred Körtgen entlassen.

  • Juni 2012

    Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg spricht den Anwohnern das Recht auf besseren Schallschutz zu.

  • 22. Juni 2012

    Der Aufsichtsrat entscheidet, den neuen Starttermin 17. März erneut zu überprüfen und am 16. August darüber zu entscheiden.

  • 31. Juli 2012

    Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig weist die Klage von Anwohnern ab, das Genehmigungsverfahren für den neuen Hauptstadtflughafen neu aufzurollen. Jetzt steht der Eröffnung des Airports zumindest juristisch nichts mehr im Weg.

  • 16. August 2012

    Sitzung des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft. Der Aufsichtsrat lässt den Eröffnungstermin weiter offen. Damit sind auch die Mehrkosten und deren Finanzierung noch nicht abschließend geklärt. Fest steht, dass Bund und Länder Gelder zuschießen müssen. Beim Schallschutz für Anwohner wird nachgebessert.

  • 14. September 2012

    Der Aufsichtsrat will den Eröffnungstermin endgültig festlegen. Der bisherige dritte Termin am 17. März 2013 steht seit langem wieder zur Disposition.

Im Detail nennt der Bericht laut Zeitung, dass am Flughafen-Bahnhof je nach Windrichtung Regenwasser von der westlichen Terminalfassade direkt in die Öffnungen des Lüftungssystems laufe. Das Brandschutzkonzept des Bahnhofs habe keine Verbindung zur Brandmelder-Anlage des Flughafens. Bei den Wandverkleidungen von Aufzügen seien keine brandsicheren Dübel eingebaut worden. Sie müssten eventuell ausgewechselt werden. Die Rolltreppen zwischen Bahnhof und Plaza-Gebäude seien offenbar zu kurz, es fehlten einige Stufen. Zum geplanten Eröffnungstermin 27. Oktober 2013 trifft der Bericht keine konkreten Aussagen.

Unterdessen stützte Flughafen-Aufsichtsratschef Wowereit weiter den umstrittenen Flughafenchef Rainer Schwarz. „Wir haben im Aufsichtsrat auch gemeinsam mit den Vertretern des Bundes entschieden, nicht die komplette Geschäftsführung der Flughafengesellschaft auszutauschen“, sagte Wowereit der „Berliner Morgenpost“ (Sonntag).

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Schwarz steht wegen der Verzögerungen beim Bau des neuen Hauptstadtflughafens BER seit Monaten in der Kritik, zumal der Flughafen auch teurer wird. Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) hatte zuletzt wiederholt offen die Ablösung von Schwarz gefordert. „Rainer Schwarz wird absichtlich vieles vorgeworfen, wofür er nichts kann“, sagte dagegen Wowereit. Der Baubereich des Flughafens gehöre nicht zum Geschäftsbereich von Schwarz. Es würde nichts bringen, ihn auszutauschen. „Wir brauchen endlich mal Ruhe im Verfahren und nicht wieder Neuanfänge“, sagte Wowereit.

Ramsauer hatte Schwarz Mitte Dezember mit ungewöhnlich deutlichen Worten attackiert - wenige Tage nach dem Inspektionsbesuch der Ministeriums-„Soko“. Er habe kein Vertrauen mehr in Schwarz, hatte Ramsauer der ARD gesagt. „Wenn es nach dem Bundesverkehrsminister allein ginge, wäre der Vorsitzende, die Geschäftsführung schon längst weg.“ Mit einem Anteil von 26 Prozent an der Flughafengesellschaft könne der Bund aber nicht allein schalten und walten. Die Länder Berlin und Brandenburg halten je 37 Prozent.

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