Rückblick: Wie die Treuhand bei der DDR-Abwicklung versagte

Rückblick: Wie die Treuhand bei der DDR-Abwicklung versagte

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Nur stählerne Gerippe sind noch zu sehen von der einstigen Kokerei des Gaskombinates Schwarze Pumpe, die seit ihrer Stilllegung im Jahr 1992 Stück für Stück abgerissen wird.

Rund 8500 Betriebe sollten in die Marktwirtschaft geführt werden. Das vereinigte Deutschland rechnete mit Milliardeneinnahmen. Doch am Ende standen Lug und Trug – und ein sattes Minus.

Massenarbeitslosigkeit, Wirtschaftskriminalität und verlassene statt blühende Landschaften: In den Augen vieler ehemaliger DDR-Bürger fällt die Bilanz der "Anstalt zur treuhänderischen Verwaltung des Volkseigentums" verheerend aus. Der DDR-Bürgerrechtler und Grünen-Politiker Werner Schulz spricht gar vom "größten Betrugskapitel in der Geschichte Deutschlands".

Fakt ist: Etwa 8500 Betriebe mit mehr als vier Millionen Beschäftigten wurden zum 1. Juli 1990 der Treuhandanstalt unter der Fachaufsicht des Bundesfinanzministeriums unterstellt. Seine Aufgabe bezeichnete Treuhandchef Detlev Karsten Rohwedder so: "Kombinate privatisieren, wo möglich. Sanieren, wo möglich und stilllegen und liquidieren, wo unabweisbar."

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Treuhand schaufelte ein Milliardengrab

Unter den Betrieben waren Vorzeigeunternehmen wie Jenoptik und das größte ostdeutsche Stahlwerk EKO, profitable Werften – und Betriebe wie der Kühlschrankhersteller DKK, der den ersten FCKW-freien Kühlschrank produzierte. Der Bund hoffte auf Milliardeneinnahmen. Rohwedder schätze 1991 salopp: "Der ganze Salat ist 600 Milliarden D-Mark wert."

Dennoch wurde die Arbeit der Treuhand zu einem Milliardengrab. Mit der Auflösung der Anstalt zum 31. Dezember 1994 schloss die Behörde mit Schulden in Höhe von 256 Milliarden D-Mark.

Ein Grund: Ein Großteil der DDR-Betriebe war technisch völlig veraltet. Schon Anfang 1990 galten 60 Prozent der Unternehmen als sanierungsbedürftig oder gar als nicht sanierungsfähig. Zudem waren fast alle Firmen im zweistelligen Prozentbereich personell überbesetzt. Meist aus politischen Gründen. Neben Kindergärten und Bibliotheken hatten viele Betriebe eigene Krankenstationen und Ferienangebote. Trotz intensiver Suche konnte die Treuhandanstalt die Betriebe nur mit erheblichen Zuschüssen veräußern.

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