Rückkehr der „German Angst“: Deutsche fürchten, dass Europa zerbricht

Rückkehr der „German Angst“: Deutsche fürchten, dass Europa zerbricht

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Deutsche fürchten, dass Europa zerbricht

von Marc Etzold

Eine große Mehrheit der Deutschen hat Sorge, dass Europa 2016 noch weiter auseinanderdriftet. Viele stellen sich auf wirtschaftlich harte Zeiten ein. Die neue „German Angst“ hat aber auch eine positive Seite.

Knapp 80 Prozent der Deutschen rechnen im kommenden Jahr mit einer Rezession. Besonders groß ist die Angst bei den 35- bis 54-Jährigen ausgeprägt. Hier glauben 83 Prozent, dass die wirtschaftlichen Probleme größer werden, bei den 14- bis 34-Jährigen sind es drei von vier. Diese Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage hat die Hamburger „Stiftung für Zukunftsfragen“ am Mittwoch veröffentlicht.

Zwar rechnen Bundesregierung und Wirtschaftsforschungsinstitute mit einem Wachstum zwischen 1,5 und zwei Prozent im kommenden Jahr. Dieser Optimismus spiegelt sich aber nicht in der Gesellschaft wider. Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Leiter der Zukunftsstiftung: "Die deutsche Wirtschaft ist robust und alle Prognosen gehen auch für die kommenden Jahre von einem stabilen Wirtschaftswachstum aus. Dennoch zeigt sich die Bevölkerung beunruhigt und fürchtet eine negative Entwicklung."

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Und offenkundig verstärkt sich dieser Trend: 2013 glaubten 59 Prozent an eine Rezession, vergangenes Jahr 66 Prozent und nun besagte knapp 80 Prozent. Entsprechend geringe Erwartungen haben die Bürger an das Jahr 2016. 55 Prozent der Bürger sagen laut Studie, dass sie angstvoll in das neue Jahr blicken. In den Jahren zuvor war es mit weniger als einem Drittel noch eine Minderheit. Besonders ausgeprägt ist die „German Angst“ bei den Älteren. Knapp zwei Drittel der Ü55-Fraktion sind besorgt.

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Quelle: Fotolia

Eine bereits im Juli erschienene Studie der US-Denkfabrik Pew Research Center bestätigt diesen Trend. 58 Prozent der Bundesbürger waren demnach zur Jahresmitte besorgt, dass die kommende Generation finanziell schlechter dastehen wird. Und: Die Zukunftsängste der Deutschen nehmen demnach zu. 2014 hatten laut Pew-Studie noch knapp 40 Prozent statt heute ein Drittel geglaubt, der künftigen Generation werde es finanziell besser gehen.

Unter anderem die weltpolitischen Rahmenbedingungen dürften für diese Entwicklung verantwortlich sein. „Die gegenwärtige humanitäre Krise und die zunehmende Angst vor Terroranschlägen hat die Bevölkerung tief verunsichert und lässt sie an einer positiven Zukunft zweifeln“, erklärt Zukunftsforscher Reinhardt. Einziger Lichtblick ist die Generation bis 34 Jahre: Hier blickt eine Mehrheit von 58 Prozent laut aktuellen Daten zuversichtlich in die Zukunft.

Wirtschaftliche Aussichten Die Zukunftsängste der Deutschen wachsen

Die Wirtschaftslage ist gut, unsere Kinder werden es aber weniger gut haben – das ist die Haltung vieler Bundesbürger. In Südeuropa dominiert die Hoffnungslosigkeit, viele asiatische Länder hingegen sind optimistisch.

Die Wirtschaftslage ist gut, aber die Zukunftsorgen der Deutschen wachsen. Quelle: dpa

Die Flüchtlingskrise, die egoistischen Reaktionen vieler europäischer Länder sowie Euro- und Griechenland sorgt bei den Befragten für Skepsis gegenüber dem Gemeinschaftsprojekt. 70 Prozent glauben laut der „Stiftung für Zukunftsfragen“, dass Europa im kommenden Jahr noch weiter auseinanderdriften wird. Im Jahr zuvor waren es 60 Prozent.

Auch das Misstrauen in die politische Klasse steigt weiter an. 87 Prozent meinen, dass die Politiker weiter an Zustimmung verlieren werden. Zwei Jahre zuvor waren es noch zehn Prozentpunkte weniger. Diese Geringschätzung für die Politik zieht sich durch Altersgruppe hindurch. „Der persönliche Bezug zu den Volksvertretern ist fast vollständig verloren gegangen und viele haben das Gefühl, es gehe den Politikern mehr um eigene Inszenierungen und Interessen als um die konstruktive Lösung von Problemen“, heißt es in der Untersuchung.

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Immerhin: Eine positive Entwicklung zeichnet sich dennoch ab: Je mehr das Vertrauen seitens der Bürger verloren geht, desto näher rücken die Menschen offenbar zusammen. Fast neun von zehn Bundesbürgern halten den Satz – „Für Egoismus ist in unserer Gesellschaft immer weniger Platz, wir müssen näher zusammenrücken.“ – für richtig. Dass dies Jahr 2016 geschieht, halten 44 Prozent für wahrscheinlich, fünf Prozentpunkte mehr als noch vor zwei Jahren.

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