
Tragödie in Gestalt des Triumphs
Es ist der 26. März 2006, als die Tragödie des Kurt Beck in Gestalt eines Triumphs ihren Lauf nimmt. Bei der Landtagswahl erzielt die SPD 45,6 Prozent, die absolute Mehrheit. Beck und Genossen können Rheinland-Pfalz alleine regieren – und der Chef strebt nach Höherem. Becks Durchmarsch haucht der gerupften Bundes-SPD neue Hoffnung ein.
2005 ist sie bei der Bundestagswahl von der Kanzlerpartei zum Juniorpartner einer großen Koalition abgestürzt, der neue Vorsitzende Matthias Platzeck kann das Ruder nicht herumreißen. Als Platzeck sein Amt aus gesundheitlichen Gründen niederlegt, wird Beck kurz nach seinem Sieg in Rheinland-Pfalz auch SPD-Bundeschef, träumt von der Kanzlerschaft.
Doch der Mann aus der Pfälzer Provinz geht im Haifischbecken der Hauptstadt unter, während es in der Heimat drunter und drüber geht. Die Berliner Medien, die Politik mit ihren Intrigen, all das ist eine Nummer zu groß für Beck. Den Parteivorsitz wirft er 2008 hin, als die SPD bei einer Klausurtagung am Schwielowsee Frank-Walter Steinmeier zum Kanzlerkandidaten macht.
Gezielte Indiskretionen hätten seine Autorität untergraben, klagt Beck. Er zieht sich, geprügelt und gekränkt, nach Mainz zurück, wo die heile Welt längst tiefe Risse bekommen hat, wo kleine und große Skandale überhand nehmen.
Riesendesaster Rennstrecke
Allen voran das Riesendesaster am Nürburgring, das Beck lange schönredet und das den Steuerzahler dann doch hunderte Millionen kostet. Beck führt eine an Unfähigkeit kaum zu übertreffende Regierung, die sich auf der Suche nach privaten Investoren für die Rennstrecke von zwielichtigen Hasardeuren ausplündern und abzocken lässt.
Die für Manager Luxus-Gelage in Züricher Nobelhotels und mutmaßlich auch Bordellbesuche finanziert, als Spesen bei der landeseigenen Nürburgring GmbH abgerechnet. Eine Regierung, die die landeseigene Gesellschaft mit abenteuerlichen Plänen in die Pleite reitet.
In gut zwei Wochen beginnt wegen des Nürburgring-Skandals in Koblenz der Prozess gegen den früheren Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) und weitere Landesbedienstete, denen die Staatsanwaltschaft Untreue beziehungsweise Beihilfe dazu vorwirft. Ob Beck weitere peinliche Enthüllungen fürchtet, wenn er jetzt seinen Rücktritt erklärt? Nur eineinhalb Monate, nachdem er eine Misstrauensabstimmung im Landtag überstanden hat?
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Alle Kommentare lesen01.10.2012, 23:16 UhrRegistrierter Benutzer:shadowdancer
Ich bin kein SPD-Fan, aber für diese Entscheidung entsende ich Herrn Beck Tribut und Respekt !