Chirac mahnte, die Zukunft Frankreichs liege nur in einer starken EU. „Es ist entscheidend, die Konstruktion Europas fortzusetzen. Der Nationalismus, der unserem Kontinent zu viel Schmerz zugefügt hat, kann jeden Moment zurückkehren.“ Zuletzt forderte Chirac eine ökologische Revolution. Wenn es nicht gelinge, das Wachstum der Menschheit und das Leiden des Planeten zu versöhnen, steuere die Erde auf die Katastrophe zu. Wenn Chiracs zweite Amtszeit am 17. Mai endet, wird er als dienstältestes gewähltes Staatsoberhaupt Europas von der politischen Bühne abtreten. Das Rennen um seine Nachfolge ist noch völlig offen. In Umfragen hat Sarkozy einen knappen Vorsprung vor der Sozialistin Ségolène Royal und dem Zentrumspolitiker François Bayrou (UDF). Sollte in der ersten Runde am 22. April niemand die absolute Mehrheit erhalten, entscheidet am 6. Mai eine Stichwahl. Seit Wochen mehrten sich die Hinweise, dass Chirac seinen Abschied vorbereitet. Auf drei internationalen Konferenzen widmete er sich noch ein Mal den ihm besonders wichtigen Themen Libanon, Umwelt und Afrika. Ende Februar löste er noch sein Versprechen ein, die Abschaffung der Todesstrafe in die Verfassung aufnehmen zu lassen. Letzter Höhepunkt war der EU-Gipfel am Freitag in Brüssel, auf dem er eine unerwartet selbstkritische Bilanz zog. Das Scheitern des EU-Referendums sei eine „persönliche Niederlage“ gewesen, gegen die er selbst vielleicht mehr hätte unternehmen müssen. Dass sich Chirac nach dem Auszug aus dem Élysée-Palast aufs Altenteil zurückzieht, glauben die wenigsten. Eher sehen ihn seine Vertrauten in einigen Monaten an der Spitze einer internationalen Organisation oder Umweltstiftung.
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