Ruhestand: Der Renten-Pensions-Populismus

KommentarRuhestand: Der Renten-Pensions-Populismus

von Max Haerder

Warum bekommen Beamte im Ruhestand viel mehr Geld als Rentner? Ist das gerecht? Nüchterne, aber keinesfalls entwarnende Betrachtungen anlässlich einer immer wieder hitzig geführten Debatte.

Die BILD-Zeitung präsentiert in der Ausgabe vom heutigen Montag wieder einmal einen Klassiker: den Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen, garniert mit geschickt angerührtem Sozialneid. Von üppigen Pensionen ist da die Rede und kümmerlichen Renten, von mageren Zuwächsen (Rente) und üppigen Aufschlägen (Pensionen). Fertig ist der Clash der Arbeitskulturen. Was der Boulevard gern verschweigt: Für manche Unterschiede gibt es ganz nüchterne Erklärungen – die wahren Probleme mit den Pensionen liegen wiederum ganz woanders. Deshalb drei knappe Betrachtungen zur Versachlichung der Debatte:

Pensionen und Renten sind kaum zu vergleichen

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Auch wenn es auf den ersten Blick wie ein Skandal staatlicher Verschwendung wirkt: Die Ruhestands-Versorgungen von Beamten und Rentnern lassen sich kaum sauber vergleichen. Wer die Durchschnittspension eines Bundesbeamten (2850 Euro pro Monat) und des Durchschnittsrentners (854 Euro) gegenüberstellt, dokumentiert zwar eine satte Lücke, aber keine gehaltvolle Aussage. Im Rentnerwert sind – zum Beispiel – alle nicht berufstätigen Hausfrauen, Geringverdiener, die kaum Qualifizierten oder zeitweilig Arbeitslosen enthalten, die eher geringe Renten erhalten. Sie alle drücken den Schnitt nach unten. Bei den Pensionsempfängern wiederum handelt es sich per Definition  um durchgängig Berufstätige (Entlassungen gibt es nicht), die zudem – wiederum statistisch betrachtet – häufig einen höheren Bildungsgrad vorweisen können. Anders gesagt: Wer die Pensionen nur mit den Renten von jahrzehntelang angestellten Akademikern vergleichen würde, hätte deutlich weniger Erregungspotenzial.

Hinzu kommt: Pensionen müssen voll versteuert werden, Renten (jedenfalls bis 2040) nicht, Beamte im Ruhestand zahlen zudem weiter ihre private Krankenversicherung selbst. Und nicht wenige Rentner verfügen über eine betriebliche Altersvorsorge, Staatsdiener haben keine.

Vorsorge? Fehlanzeige!

Wirklich fahrlässig ist eher, dass Bund wie Länder viel zu geringe Rücklagen bilden, um ihre Versorgungsversprechen gegenüber dem Heer der Pensionierten eines Tages halten zu können. Fast eine Billion Euro muss der Staat bis 2050 für die Versorgung all seiner pensionierten Beamten ausgeben, hat die Finanzwissenschaftlerin Gisela Färber für die Hans-Böckler-Stiftung ausgerechnet. Im Gegensatz zur gesetzlichen Rentenversicherung, in der die Angestellten mit ihren eigenen Sozialbeiträgen Ansprüche erwerben und erarbeiten, spart sich der Staat als Arbeitgeber gern Rücklagen. Die Pensionslasten werden einfach in die Zukunft verlagert und müssen eines Tages zu einem Großteil aus Steuern bezahlt werden. Wie und auf Kosten welcher anderen öffentlichen Aufgaben? Da darf sich dereinst der oder die Nachfolger/-in drum kümmern.

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