RWI-Studie: Finanzkrise kostete Deutschland 187 Milliarden Euro

RWI-Studie: Finanzkrise kostete Deutschland 187 Milliarden Euro

Ökonomen haben die Kosten der Finanzkrise ausgerechnet. Demnach hat die Krise ein tiefes Loch in die deutschen Haushaltskassen gerissen. Wichtiger Kostenfaktor war die Rettung der angeschlagenen Banken.

Krisen kosten viel Geld. Wie viel es ist, das haben zwei Forscher vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen jetzt ausgerechnet. Genau genommen haben sie die Auswirkungen der 2008 beginnenden Finanzkrise auf den Staatshaushalt quantifiziert. Demnach riss die Krise 2009 ein Minus von 70 Milliarden Euro in die deutschen Staatsfinanzen, 2010 waren es sogar 117 Milliarden.

Dafür vergleichen die Ökonomen die tatsächliche, krisenbedingt schlechte Finanzlage mit der Entwicklung, die sich ohne eine Krise ergeben hätte. Als Gradmesser hierfür dienen die jeweiligen Konjunkturprognosen für 2008 und 2009, welche Ende 2007 beziehungsweise Anfang 2008 veröffentlicht wurde. Die Bundesregierung hatte für 2008 einen Anstieg der realen Wirtschaftsleistung um zwei Prozent erwartet, für 2009 waren es immerhin noch 1,5 Prozent. Kritisch ist, dass auch diese Prognosen bereits von ersten Ausläufern der Krise geprägt waren, so musste beispielsweise bereits im Sommer 2007 die Industriekreditbank (IKB) gerettet werden. Auch die wirtschaftliche Schieflage einiger Landesbanken war zu dem Zeitpunkt bereits absehbar. Da allerdings zu Beginn 2007, als von Krise noch keine Rede war, noch keine Konjunkturprognose für 2009 vorlag, mussten die Forscher hier auf spätere Daten zurückgreifen.

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Die hohen Belastungen des Staats haben verschiedene Ursachen. Zum einen nennen die Forscher die automatischen Stabilisatoren, die die Bundesregierung in der Krise ausnutzen. Darunter verstehen Volkswirte Eingriffe des Staates, die entgegen dem Konjunkturverlauf wirken und somit die Wirtschaft in der Krise stabilisieren sollen. Beispielsweise gibt der Staat in der Krise mehr für Arbeitslose aus. Die RWI-Forscher schätzen die Mehrbelastung durch diese stabilisierenden Ausgaben auf 53 Milliarden Euro 2009 und 29 Milliarden Euro 2010.

Ein weiterer großer Kostenberg ist durch die beiden Konjunkturpakete der Bundesregierung entstanden. Abwrackprämie, niedrigere Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung oder Investitionen in die Infrastruktur haben viel Geld gekostet, insgesamt rund 80 Milliarden Euro. Allerdings verfehlten die Pakete ihre angestrebte Wirkung nicht und kurbelten die Wirtschaft auch ordentlich an. Abzüglich der Einnahmen, die durch die Maßnahmen generiert wurden, ergibt sich immer noch eine Belastung des Bundeshaushalts von 20 Milliarden Euro 2009 und 27 Milliarden Euro 2010.

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