Sachsen-Anhalt: Ein linker Regierungschef ist möglich

Sachsen-Anhalt: Ein linker Regierungschef ist möglich

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Der Herr Linksaußen: "Spitzenkandidat" wäre zu wenig. Wulf Gallert firmiert als "Ministerpräsidentschaftskandidat"

von Cornelia Schmergal

Die Wahl in Sachsen-Anhalt könnte der Linkspartei ihren ersten Ministerpräsidenten bescheren. Wenn nur die SPD mitmachte.

Nein, der Mann aus der Wirtschaft will den Herrn von der Linkspartei wirklich nicht anschreien. Sagt er jedenfalls. Aber weil das Mikrofon kaputt ist, brüllt der Hauptgeschäftsführer der IHK Halle dann doch in den Saal: Ob die Linke ihm mal erklären könne, wie das funktionieren solle mit den Mindestlöhnen. Wie ein Unternehmer denn entscheiden solle, welche seiner Mitarbeiter er entlasse, wenn der Staat die Lohnuntergrenze flächendeckend auf 8,50 Euro festsetze, wie die Linkspartei das fordere. „Wie wollen Sie denn damit Gerechtigkeit herstellen?“, ruft Thomas Brockmeier also.

Im Publikum brandet zustimmendes Gemurmel auf, 160 Unternehmer recken die Hälse, um einen Blick auf das Podium zu erhaschen. „Gute Frage“, flüstert die Chefin einer Werbeagentur hinten im Saal. „Jetzt weiß er nicht weiter.“ Doch Wulf Gallert, der Herr von der Linkspartei, nickt verständig. „Ich will die Betriebe ja nur vor Billigkonkurrenz schützen“, sagt er dann. Anständige Unternehmer zahlten vernünftige Löhne, davon gehe er aus. Ohne Mindestlöhne aber würden diese Betriebe bald vom Markt gedrängt. Gesetzliche Lohnuntergrenzen sicherten daher die Zukunft die Unternehmen. Darum gehe es. Das Publikum schweigt verblüfft.

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Rechnerisch wäre ein linker Ministerpräsident möglich

„Da hat er sich aber geschickt rausgewunden“, wispert die Agenturchefin. „So als Linker.“ An diesem Märzabend hat die Industrie- und Handelskammer zum Politiker-Gucken geladen. Es sind nur noch wenige Tage bis zur Landtagswahl, und alle Spitzenkandidaten sind erschienen, um sich den Fragen zu stellen. Allein optisch ist der Kandidat der Linkspartei eine ungewöhnliche Erscheinung: Der flächendeckende Schnauz ist in der Politik rar geworden, seit Jürgen Trittin sich von seiner Gesichtsbehaarung trennte. Wulf Gallert indes kombiniert Walross-Bart und elegante Anzüge. Ein sorgsam gekleideter Linker, der Ministerpräsident werden will. Und theoretisch sogar könnte.

Am Sonntag wird in Sachsen-Anhalt gewählt. Wenn die Demoskopen nicht irren, dürften sich CDU und Linke dabei um den Platz der stärksten Partei im Landtag streiten. Und damit um die Macht. Alle Umfragen sehen die CDU bei über 30 Prozent, in einer Forsa-Umfrage von Ende Februar liegt die Linkspartei mit 27 Prozent knapp dahinter. Die SPD darf mit 22 Prozent den Königsmacher geben: Käme es zu einem rot-roten Bündnis, könnte Sachsen-Anhalt das erste Land sein, in dem die Linke einen Regierungschef stellt. Rechnerisch wäre das möglich.

Wulf Gallert nennt sich daher nicht einfach nur „Spitzenkandidat“. Er firmiert als „Ministerpräsidentschaftskandidat“. Und in einem Wahlkampf, in dem SPD-Spitzenmann Jens Bullerjahn auf der Straße nur selten erkannt wird, während sein CDU-Pendant penetrant mit „Herr Hasselhoff“ angesprochen wird, obwohl er eigentlich Reiner Haseloff heißt und mit seinem entfernten Namensvetter aus Hollywood nicht das Geringste gemein hat, ist Wulf Gallert von der Linkspartei zumindest unverwechselbar: der mit dem Schnauzbart.

In keinem anderen Bundesland ist die Linke derzeit so stark wie hier. „In Sachsen-Anhalt sind wir Volkspartei“, sagt Gallert. Die Einkommensstruktur der Links-Wähler sei fast überall Durchschnitt. Weil er daher um alle Bürger buhlen will, tritt Gallert nicht nur vor Betriebsräten auf, sondern auch auf ungewohntem Terrain bei der IHK. „Handwerker und Mittelständler sind mir genauso lieb wie die Verdi-Mitglieder“, flötet er.

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