Sachsen: Chemnitz schließt auf

Sachsen: Chemnitz schließt auf

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Neue Chemnitzer Innenstadt: Mehr Jobs und Lebensqualität gegen sinkende Einwohnerzahlen

Nach schwachem Start will die Industrieregion Chemnitz zu den wirtschaftlichen Platzhirschen Dresden und Leipzig aufschließen.

Rechts und links der Zwickauer Straße gibt es Industriegeschichte live – und ein bisschen DDR. Der Weg in die Innenstadt von Chemnitz führt an einem schön hergerichteten Industriemuseum vorbei. Auf der Straßenseite gegenüber gammelt eine abgesperrte Industrieruine mit hoch aufragendem Schlot dahin. Auf dem Werksgelände nebenan sind nur wenige Gebäude stehen geblieben. Mit Mühe lässt sich die Aufschrift „Union Maschinenfabrik“ erkennen, vor den Fenstern sind Bretterverschläge. Von Aufschwung Ost ist hier nichts zu spüren.

Doch schon drei Kilometer weiter westlich lässt sich das neue Chemnitz besichtigen. Die Union Maschinenfabrik, einer der ältesten Werkzeugmaschinenbetriebe Deutschlands, lebt da noch. Im Gewerbegebiet Neefepark fertigt das Unternehmen mit 160 Beschäftigten moderne Bohr- und Fräsmaschinen. 2007 stieg der Umsatz um neun Prozent auf 28,2 Millionen Euro, und es soll noch mehr werden: Sechs Millionen Euro investiert das Unternehmen in die Erweiterung von Werkshalle und Maschinenpark.

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Der Erfolg des Betriebes ist kein Einzelfall. Nach langer Durststrecke und einem schwierigem Strukturwandel holt Chemnitz auf und macht als Standort den Wirtschaftszentren Dresden und Leipzig Konkurrenz. Die Ausgangslage in der ehemaligen Karl-Marx-Stadt war dabei ungleich schwieriger: Die staatlichen Fördermittel pro Einwohner lagen hier von 1998 bis 2005 im Schnitt bei 59 Euro – in Leipzig waren es 131 Euro, in Dresden 180 Euro. Doch der Stadt gelang es, an ihre über 150-jährige Industrietradition anzuknüpfen.

Heute produzieren im Regierungsbezirk Chemnitz fast 1300 Industriebetriebe mit über 100.000 Mitarbeitern. Mit über 600 Unternehmen hat sich die Region zum Zentrum des ostdeutschen Maschinenbaus gemausert. Der Regierungsbezirk Chemnitz trägt über ein Drittel zur Wirtschaftsleistung Sachsens bei.

„Viele Unternehmen sind organisch gewachsen und seit Langem mit der Stadt verwurzelt“, sagt Ulrich Geissler, Geschäftsführer der Chemnitzer Wirtschaftsförderung (CWE). Hinzu kommt eine starke Vernetzung zwischen Unternehmen, Wissenschaft und Forschung: Die Technische Universität (TU), das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik und das Sächsische Textilforschungsinstitut spielen eine wichtige Rolle. Die Uni etwa bildet Studenten gezielt in Fachrichtungen aus, die regionale Unternehmen besonders suchen.

CWE-Chef Geissler will künftig mit der Mikrosystemtechnik noch einen neuen Baustein ins Chemnitzer Industrieportfolio einfügen. Die Stadt baut und erweitert deshalb mit mehreren Partnern den „Smart Systems Campus“ neben der TU. Dort sollen sich Unternehmen der Mikrosystemtechnik ansiedeln. Diese Hochtechnologie wird im Maschinen- und Fahrzeugbau stark nachgefragt. Die wissenschaftliche Expertise dazu liefert die Chemnitzer Niederlassung des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration. Erste Ansiedlungen gibt es auch schon: Unter anderem wird sich das Jung-Unternehmen 3D-Micromac, das Präzisionslasersysteme entwickelt, hier niederlassen – und die Mitarbeiterzahl von 42 auf 60 aufstocken.

Viele Strukturprobleme sind in Chemnitz gleichwohl noch nicht gelöst. Die Arbeitslosenquote lag 2007 im Schnitt bei 14,6 Prozent. Auch die Verkehrsinfrastruktur lässt zu wünschen übrig. Manfred Goedecke, Verkehrsexperte der IHK Südwestsachsen: „Es fehlt eine vernünftige Schienenverbindung nach Westen.“ Das größte Problem aber ist der Bevölkerungsschwund: Nach Schätzungen des Statistischen Landesamts wird Chemnitz, das knapp 250 000 Einwohner zählt, bis 2020 neun Prozent der Bevölkerung verlieren – während Dresden und Leipzig zulegen können. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) will daher die Lebensqualität vor Ort verbessern, um die Leute zu halten oder Neubürger anzulocken. Lange Zeit gab es in Chemnitz nicht mal eine Innenstadt; heute beleben ein gläserner Kaufhof, die Einkaufsgalerie Roter Turm sowie das Kulturzentrum Tietz den Stadtkern rund um Jacobikirche und Rathaus. OB Ludwig weiß freilich, dass der Schlüssel zum Erfolg auf dem Arbeitsmarkt liegt. „Gute Leute gehen dorthin, wo es gute Jobs gibt.“

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