Sahra Wagenknecht : „Hilfsgelder für die Ukraine stoppen“

InterviewSahra Wagenknecht : „Hilfsgelder für die Ukraine stoppen“

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Sahra Wagenknecht, stellvertretende Partei- und Fraktionsvorsitzende Die Linke, über Börsenprodukte, Putin und Eurobonds.

von Christian Schlesiger

Interview: Sahra Wagenknecht. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linke fordert einen Finanz-TÜV für Börsenprodukte, lehnt Eurobonds ab und zeigt Verständnis für Putin.

WirtschaftsWoche: Frau Wagenknecht, Sie zeigen Verständnis für Topverdiener wie Piloten, loben den Besuch von Siemens-Chef Joe Kaeser bei Putin, zitieren Ludwig Erhard auf jeder Veranstaltung. Warum flirten Sie auffällig oft mit der Wirtschaft?

Wagenknecht: Es gibt ja nicht die Wirtschaft. Es gibt zum einen hart arbeitende Beschäftigte und Unternehmer. Deren Interessen nehmen wir ernst. Dann gibt es allerdings auch große Konzerne, die sich auf ihrer Marktmacht ausruhen und nur noch auf Rendite schielen, und es gibt Banken und andere Finanzjongleure, die den allgemeinen Wohlstand mit ihren Geschäften eher schädigen als erhöhen. Die brauchen politischen Gegenwind.

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Piloten wollen auch ihre Rendite erhöhen. Zehn Prozent mehr bei 180.000 Euro Durchschnittsverdienst. Ist das für eine Politikerin der Linken akzeptabel?

Man sollte nicht die Piloten gegen das Kabinenpersonal ausspielen. Das Problem liegt woanders. Die Lufthansa hat Sparprogramme aufgelegt, um den Gewinn von ein auf über zwei Milliarden Euro zu steigern. In dem Kontext wurde bei Flugbegleitern und Bodenpersonal bereits massiv gekürzt. Und die jetzt geplanten Verschlechterungen bei den Piloten sollen natürlich auch nicht den Flugbegleitern zugute kommen, sondern den Aktionären. Ich wünsche mir, dass in dem Konzern die verschiedenen Berufsgruppen stärker füreinander und miteinander kämpfen.

 

Auf dem Parteitag der Linken in Hamburg im Februar beklagten Sie, dass es in der Partei zu wenig Ökonomen gebe, die Leuten wie EZB-Chef Mario Draghi Paroli bieten könnten. Geben Sie zu: Ihrer Partei fehlt wirtschaftliche Kompetenz!

Im Gegenteil, ich habe mit diesem Argument für einen unserer Europakandidaten geworben, der ein guter Ökonom ist und dann auch auf einen vorderen Listenplatz gewählt wurde. Das Problem ist, dass es vor allem in den Regierungsparteien zu wenige Leute gibt, die die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge durchschauen. Dann fällt es Lobbyisten, die als Sachverständige daherkommen, leicht, Politikern ihre Interessen aufzuschwatzen. Da kommen Banker und behaupten, dass sie keine Kredite mehr an Unternehmen vergeben können, wenn sie gezwungen werden, mehr Eigenkapital zu bilden. Dabei ist das schon heute so: Die Deutsche Bank vergibt kaum noch Kredite an die Realwirtschaft – obwohl sie eine Eigenkapitalquote von nur knapp drei Prozent hat.

 

Die OECD fordert die EZB auf, den Leitzins auf null Prozent zu senken. Trifft das die Zustimmung der Linken?

Das ist der falsche Hebel. Wir erleben doch, dass die niedrigen Zinsen bei Unternehmen und Verbrauchern gar nicht ankommen. Es gibt eine  massive Kreditklemme in Spanien und Italien. In Deutschland gibt es zwar billiges Baugeld, aber Dispozinsen im zweistelligen Bereich. Gerade kleine Unternehmen sind immer öfter gezwungen, sich über Dispokredite zu finanzieren, weil sie keine langfristigen Investitionskredite bekommen. Denen nützt die Niedrigzinspolitik nichts. Das billige Geld flutet vor allem die Kapitalmärkte und treibt da die Preise nach oben.

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