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Sarkozy, Royal oder doch Bayrou? : Frankreich-Wahl berührt auch die deutsche Wirtschaft

von wiw/rtr

Wer das Rennen um die französische Präsidentschaft gewinnt, diese Frage lässt die deutsche Wirtschaft nicht kalt. Denn das Nachbarland ist traditionell wichtigster Absatzmarkt für den Exportweltmeister.

„Wenn es Frankreich gut geht, dann geht es auch den deutschen Exporteuren gut“, erklärt Jens Nagel vom Bundesverband des Groß- und Außenhandels das große Interesse in den Chefetagen am Wahlausgang. Waren im Wert von 86 Milliarden Euro wurden 2006 nach Frankreich verkauft - das sind rund zehn Prozent der gesamten Ausfuhren. Auch bei den deutschen Importen hält die „Grande Nation“ unangefochten die Spitzenposition. Mit Sorge wird deshalb die schwache Form des Handelspartners Nummer eins beobachtet. Beim Wirtschaftswachstum ist Frankreich 2006 mit 2,1 Prozent ans untere Ende der EU-Skala abgerutscht. Die Arbeitslosenquote ist nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat mit 8,8 Prozent so hoch wie in keinem anderen Euro-Land. Die Unternehmen klagen über eine enorme Abgabenlast und hohe Lohnstückkosten wegen der gesetzlich verankerten 35-Stunden-Woche. „Die Wettbewerbsfähigkeit besonders der Industrie hat nachgelassen und ist geringer als bei uns“, sagt Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Sozialistin Royal gilt als Unternehmerschreck Auf den Nachfolger von Jacques Chirac wartet deshalb eine Menge Arbeit. „Der Reformstau muss aufgelöst werden, ähnlich wie vor ein paar Jahren in Deutschland“, sagt Sebastian Wanke von der DekaBank. Reformen à la „Agenda 2010“ traut die Wirtschaft dies- und jenseits des Rheins am ehesten dem Konservativen Nicolas Sarkozy und dem Liberalen Francois Bayrou zu. Sarkozy kündigt für den Fall seines Wahlsieges eine Absenkung von Körperschafts- und Erbschaftssteuer an, Bayrou verspricht niedrigere Lohnnebenkosten und die gezielte Förderung kleiner Unternehmen. Die Sozialistin Segolene Royal entwickelte sich dagegen mit Forderungen wie nach einem höheren Mindestlohn zum Unternehmerschreck. „Ihr Programm ist aus der Instrumentenkiste der siebziger Jahre gespeist“, meint Hüther. Angst vor dem Erstarken eines Wettbewerbers, der verloren gegangene Marktanteile auf den Weltmärkten zurückgewinnen könnte, haben die Deutschen nicht. Zwar konkurrieren die Unternehmen auch miteinander - etwa die Autohersteller Renault, Peugeot und Citroen mit VW, Opel oder BMW. „Aber eigentlich ergänzen sich beide Länder sehr gut“, betont Handelsexperte Nagel. Die Franzosen sind im Rohstoff- und Baubereich, bei Luxusgütern und hochwertigen Lebensmitteln sehr stark, Deutschland ist führend im Maschinen- und Anlagenbau. In einigen wichtigen Industriebereichen wie beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS arbeiten Deutsche und Franzosen sogar Hand in Hand. Die deutschen Exporteure setzen deshalb darauf, dass der neue Präsident für Schwung sorgt und die französische Wirtschaft zu alter Stärke zurückfindet - und damit dem Handel zwischen den beiden größten Euro-Ländern Impulse gibt. „Frankreich wird hoffentlich die Kurve kriegen“, sagt IW-Direktor Hüther. „Steigt die Binnenkraft dort, haben auch wir etwas davon.“

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