Sarrazin bei der AfD: Wenn ein SPDler fremdelt

Sarrazin bei der AfD: Wenn ein SPDler fremdelt

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Der frühere Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin (SPD) unterhält sich mit dem niedersächsischen AfD-Landesvorsitzenden Armin Paul Hampel.

Thilo Sarrazin und die SPD, das ist eine ziemlich schwierige Geschichte, spätestens seit dem Buch „Deutschland schafft sich ab“. Nun ist er ausgerechnet bei einer AfD-Veranstaltung aufgetreten.

74 Euro sind für den Abend zu berappen, als Speisen werden unter anderem Hirschkeule in Hagebuttensauce und Landschwein-Filet an einer Cognac-Rahmsauce angeboten.

Zum Empfang gibt es deutschen Secco. Begrüßung durch den niedersächsischen Landeschef der Alternative für Deutschland (AfD), Armin Paul Hampel, vielen Fernsehzuschauern noch als Südasienkorrespondent der ARD bekannt. Dann hat der Hauptgast das Wort. Ein prominenter SPD-Politiker, der bei der Parteispitze in Berlin in Ungnade gefallen ist. Doch bisher wird sie ihn nicht los.

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Rund 50 Zuhörer hat Thilo Sarrazin an diesem Abend in Bad Iburg, einem kleinen Kurort in der Nähe von Osnabrück. Manche sitzen im Anzug da, manche sind leger gekleidet, das Alter reicht von Ende 30 bis ins Rentenalter. Der im Plauderton vorgetragene Gedankengang des umstrittenen früheren Berliner Finanzsenators und Vorstandsmitglieds der Deutschen Bank findet freundlichen Applaus.

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Am Samstag waren 200 Delegierte zu einem kleinen Parteitag der SPD in Berlin geladen, der Erfolg der AfD in Ostdeutschland – in Sachsen und Thüringen lag die SPD mit jeweils 12,4 Prozent nur knapp vor der AfD – irritiert die Sozialdemokraten. Mit seinen Thesen zur Überfremdung in dem Buch „Deutschland schafft sich ab“ ist Sarrazin vielen AfD-Mitgliedern näher als SPD-Leuten.

Aber ist es der richtige Weg, wenn Fahimi die AfD pauschal als „braune Suppe“ diffamiert? Sarrazin sagt: Die AfD habe nur dann eine Zukunft, wenn sie sich nach rechts abgrenzt. „Aus meiner Sicht wird die Frage, ob die AfD dauerhaft eine Chance hat, auch an dieser Frage mitentschieden.“ Gleiches sagt auch der renommierte Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer von der FU Berlin.

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Trotz der freundlichen Aufnahme beim AfD-Publikum sieht sich Sarrazin aber nach wie vor als SPD-Mitglied. „Wären wir auf einer FDP-Veranstaltung gewesen, hätte es da auch viele Berührungspunkte gegeben, bei einer CDU-Veranstaltung auch“, sagt der 69-jährige Querdenker in einer Pause anwesenden Journalisten.

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Und dann kommt ein kleiner Seitenhieb. Vor wenigen Monaten erst habe er die von Parteichef Sigmar Gabriel unterzeichnete Ehrenurkunde für 40 Jahre Mitgliedschaft in der SPD erhalten, erzählt er. Gabriel war es, der ihn aus der Partei haben wollte.

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2011 hatte die SPD gegen Sarrazin ein Parteiausschlussverfahren angestrengt, das aber eingestellt wurde. Auch jetzt lässt das Willy-Brandt-Haus ausrichten, dass ein Rauswurf wegen der strengen Regularien kaum möglich sei, er müsse selbst gehen.

Der heutige Vizekanzler Gabriel meinte zu den Folgen solcher Debatten 2011 sibyllinisch: „In einer Gesellschaft, in der der Anti-Islamismus und die Abgrenzung von anderen wieder hoffähig wird, in der das Bürgertum Herrn Sarrazin applaudiert, da gibt es natürlich auch an den Rändern der Gesellschaft Verrückte, die sich letztlich legitimiert fühlen, härtere Maßnahmen anzuwenden.“

Sarrazin sagt am Rande des Abends in Bad Iburg, er habe Kritiker in der SPD, aber eben auch Fürsprecher: Peer Steinbrück, Klaus von Dohnanyi oder Helmut Schmidt. „Ich empfände es als unsolidarisch, die Partei zu verlassen“, meint er süffisant.

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