Schießerei: Wie der Terror über München kam

Schießerei: Wie der Terror über München kam

, aktualisiert 23. Juli 2016, 09:51 Uhr
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QUALITY REPEAT - Special forces police officers stand guard at an entrance of the main train station, following a shooting rampage at the Olympia shopping mall in Munich, Germany July 22, 2016. REUTERS/Michael Dalder TPX IMAGES OF THE DAY

Quelle:Handelsblatt Online

Gezielte Schüsse auf fliehende Menschen, Schreie, Panik. Am Ende eines grauenvollen Abends in München sind zehn Menschen tot, darunter der Attentäter. Die Ermittler stehen vor vielen Rätseln.

MünchenEine Stadt unter Schock und im Ausnahmezustand: Viele Münchener waren nach dem Feierabend zum Bummeln im Olympia-Einkaufszentrum, als um kurz vor 18 Uhr Schüsse ertönten. Mehrere Notrufe gingen bei der Polizei ein. Zeugen berichten von drei Männern mit Langwaffen. Später wusste man: Es war wohl nur ein Täter mir einer Pistole. In Panik rennen die Menschen auf die Straße, andere verstecken sich zwischen Kleiderständern in einem der mehr als 100 Geschäfte in der ältesten Shopping-Mall Münchens. Die vorläufige Bilanz der Nacht: Zehn Tote einschließlich des Amokläufers, der sich wohl selbst tötete, und mehrere teilweise schwer Verletzte. Zahlreiche Menschen erlitten einen Schock.

Nach den ersten Schüssen herrschte Panik, auch die Polizei wusste lange nicht, was genau vorgefallen war. Im Internet zirkulierten schnell Handy-Videos von Augenzeugen. Ein Anwohner filmte vom Balkon, wie der mutmaßliche Täter vor einem McDonalds um sich schießt. Auf einem anderen ist er zu hören, wie er davon spricht, dass er in Behandlung sei und jahrelang gemobbt wurde. Ein Anwohner beschimpft ihn lautstark.

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Rasch waren Einsatzkräfte vor Ort. Die Polizei München appellierte um 18:35 Uhr: „Im Moment haben wir einen großen Polizeieinsatz am OEZ. Bitte meiden Sie den Bereich um das Einkaufszentrum.“ Eine halbe Stunde später forderten die Beamten dazu auf, in der Umgebung in den Wohnungen zu bleiben und die Straßen zu verlassen. Nach knapp einer Stunde twitterte die Polizei dann die Bitte, öffentliche Plätze in der ganzen Stadt zu meiden. „Die Lage ist noch unübersichtlich.“

In der Stadt zirkulierten Gerüchte über weitere Tatorte, über Schüsse am Stachus und am Isartor wurde spekuliert. Später appellierten die Beamten über Twitter: „Bitte haltet Euch mit Spekulationen&Diskussionen!!! hier momentan zurück. Damit würdet Ihr uns sehr unterstützen.“

Da sich zwei Männer mit einem Auto in hohem Tempo vom Tatort entfernten, nahm die Polizei die Hinweise auf weitere Täter sehr ernst. Sie stoppte den Bahnverkehr, auch der Hauptbahnhof wurde evakuiert. Ununterbrochen waren in der Stadt Sirenen zu hören, Hubschrauber kreisten über der Innenstadt. Augenzeugen berichteten, dass vor allem auswärtige Touristen durch die Straßen irrten und Schutz suchten. Unter dem Hashtag #offenetuer organisierten Internetnutzer in der Stadt Unterkünfte für Menschen, die in München sind und gerade nicht nach Hause kommen. Auch Moscheen und Landtagsabgeordnete boten Unterschlupf an.


Komplette Räumung

In München hatte es zum Jahreswechsel bereits einmal Terroralarm gegeben. An Silvester bekam die Polizei um 19:40 Uhr Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Terroranschlag und räumte den Hauptbahnhof und den Bahnhof in München-Pasing. Viele Münchener waren zum Jahreswechsel in Angst um Freunde und Verwandte in der Innenstadt. Die Hinweise bestätigten sich nicht. Zudem war Bayern kürzlich von dem offenbar islamistisch motivierten Amoklauf in einem Regionalzug in Würzburg betroffen.

Das Olympia-Einkaufszentrum wurde im Verlauf des Abends von der Polizei komplett geräumt. Mit erhobenen Händen kamen verängstigte Kunden aus den Geschäften und wurden dann von den Beamten in Sicherheit gebracht.

Die Polizei informierte, wie schon in der Silvesternacht, intensiv über den Nachrichtendienst Twitter. Auf deutsch, französisch, englisch, spanisch nd türkisch rief die Polizei München die Menschen auf, in ihren Häusern zu bleiben und keine Filme vom Tatort und den Einsatzkräften zu veröffentlichen. Das soziale Netzwerk Facebook richtete einen Safetycheck ein, mit dem Nutzer ihre Freunde informieren konnten, dass sie in Sicherheit sind.

Das Olympia-Einkaufszentrum ist eine der größten und die älteste Shopping-Mall in München. Es wurde 1972 zu den Olympischen Spielen eröffnet. Es beherbergt nach eigenen Angaben 135 Geschäfte, vom Apple Store bis zum H&M sowie mehrere Cafés und Restaurants.

Es war weit nach 02.00 Uhr, als Polizeipräsident Hubertus Andrä vor die Presse trat. An gleicher Stelle hatte er fast zur gleichen Uhrzeit in der Silvesternacht gesprochen. Damals hatte es eine Terrorwarnung in München gegeben, doch zum Glück war damals nichts passiert.
Das war diesmal anders. Im grauen Anzug und mit ernster Miene trat Andrä vor die Kamerateams und Reporter. Es sei der schwerste Tag in seiner Amtszeit als Münchener Polizeipräsident, sagte Andrä, und einer der schwersten in seinen mehr als 40 Jahren als Polizist. Die wichtigste Nachricht: Tatverdächtiger ist ein 18-jähriger Deutsch-Iraner aus München. Der Mann hatte sich nach dem Amoklauf selbst getötet. In der Anfangsphase der Tat hatte eine Zivilstreife Kontakt mit ihm und schoss auch auf ihn. Doch der Mann konnte neun Menschen töten - und danach sich selbst.

Viele widersprüchliche Nachrichten hatte es in der Nacht gegeben. Zwei Männer hatten sich in einem Auto mit hoher Geschwindigkeit vom Tatort entfernt. Erst später konnte die Polizei klären, dass es sich nicht um Mittäter handelte. Zudem gab es zahlreiche Notrufe bei der Polizei, die von Schüssen oder sogar Geiselnahmen anderswo in der Stadt berichteten. "Gott sei Dank hat sich keiner dieser Hinweise bestätigt", sagte Andrä. Doch so konnte die Polizei erst relativ spät davon ausgehen, dass keine weiteren Täter in der Stadt unterwegs waren. 2.300 Einsatzkräfte aus mehreren Bundesländern waren im Einsatz. Für sie ging die Arbeit auch nach Auffinden des mutmaßlichen Täters weiter. Spuren mussten gesichert werden. Gefahr für die Stadt sieht Andrä nicht mehr. Aus Sicherheitsgründen müssten keine Veranstaltungen abgesagt werden, wenn, dann aus Pietätsgründen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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