Schlusswort: Wir betreiben Bildungspolitik wie verstreute Teppichhändler im Weltgroßmarkt

kolumneSchlusswort: Wir betreiben Bildungspolitik wie verstreute Teppichhändler im Weltgroßmarkt

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Abiturienten in Bayern.

Kolumne von Miriam Meckel

Bildungspolitik ist Wirtschaftspolitik. Und wir betreiben sie falsch. Das gefährdet den Rohstoff, der über die Zukunft Deutschlands entscheidet.

Herrje, die Bildungspolitik. Jetzt ist es wieder so weit. Schulbildung als Rohstoff der Generationen, dieser Köder wird in der Monstranz der Zukunftsfähigkeit nun wieder von Wahlkämpfern ernsthaft und andächtig durch die deutschen Straßen getragen. Same procedure as every four years. Nicht ganz. Der Vorschlag des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz trifft eine ganz wunde Stelle deutscher Bildungspolitik. Schulz will mehr Geld (alter Hut), Vergleichbarkeit der Abschlüsse (richtiger Ansatz) und das Kooperationsverbot im Grundgesetz abschaffen (dringend notwendig). Das verbietet dem Bund, sich in die Schulpolitik einzumischen, die in Deutschland Ländersache ist.

Diese Knallchargenregelung ist ein Resultat strukturverliebter Gebietskörpervertreter, die in Anzug und Krawatte jahrelang in der Föderalismuskommission saßen, um das Verhältnis von Bund und Ländern zu entflechten. Das war so langwierig und kompliziert, dass man sich irgendwann heillos in der Vergangenheit verstrickt hatte. In Architektur, Software und Design gehört es seit Jahrzehnten zum Alltagswissen, dass die Form der Funktion folgen muss und nicht umgekehrt. Im deutschen Föderalismus hat man das bis heute nicht verstanden.

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Das hat ein Bildungssystem verfestigt, in dem die Abiturientinnen und Abiturienten in Sachsen oder Bayern deutlich besser auf Studium oder Beruf vorbereitet sind als die aus Nordrhein-Westfalen oder Berlin. Will man von einem Bundesland ins andere wechseln, kann es sicher helfen, zuvor schon eine Ausbildung als Verwaltungsfachkraft absolviert zu haben.

Gemeinschaftsschule und Co. Schulz und das Scheitern der SPD-Bildungspolitik

Martin Schulz entdeckt Bildung als Thema für seinen Gerechtigkeitswahlkampf. Dabei haben gerade SPD-geführte Bundesländer, Berlin voran, bei der Schulpolitik zuletzt alles andere als überzeugt.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Quelle: imago

Das will Schulz nun ändern. Und gleich erhebt sich wieder ein Riesengeschrei. Vielleicht kriegt er die zusätzlichen zwölf Milliarden Euro nicht zusammen. Vielleicht wird es nicht klappen, eine „Nationale Bildungsallianz“ zu schmieden. Vielleicht wird Schulz nicht mal Bundeskanzler. Deshalb muss man eine der wenigen guten Ideen dieses Wahlkampfs nicht gleich vom Tisch fegen.

Bildung ist ein Rohstoff, der über die Zukunft Deutschlands entscheidet. Und Bildungspolitik ist Wirtschaftspolitik. Die betreiben wir wie ein paar verstreute Teppichhändler im Weltgroßmarkt. Die anderen gehen mit ihrer vollen nationalen Kraft in den Wettbewerb, wir streiten über Zuständigkeiten. Gerne würden Teile der deutschen Wirtschaft sich stärker im Bildungssystem engagieren. Das wird nicht begrüßt, sondern von den Länderzuständigen empört zurückgewiesen: Instrumentalisierung der Schülerinnen und Schüler zu ökonomischen Zwecken! Wäre ja auch schlimm, wenn sich in Deutschland mal ein gelassenes, kenntnisreiches Verständnis von Wirtschaft durchsetzen würde.

Für alle, die heute in den Wettbewerb um den eigenen Lebensweg starten, gilt die Gnade der Geburt im richtigen Bundesland. Diese moderne Form der Kleinstaaterei ist unwirtschaftlich und ungerecht.

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