Gerhard Schröder bei Rosneft: Das fossile Imperium schlägt zurück

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Schröder im Rosneft-Aufsichtsrat

Schröder ist nur das jüngste Beispiel für die Methoden des fossilen Imperiums. Da werden Promis eingespannt, um Angst zu schüren: Ohne Russland, ohne Kohle, Gas und Öl wäre nichts mehr, wie es war. Was für ein Quatsch.

Die Empörung ist groß: Gerhard Schröder wird fortan nicht nur für Gazprom, sondern auch für Rosneft tätig. Beklagt wird vor allem, dass der Altkanzler zusätzlich zu seiner staatlichen Politiker-Pension nun obendrein stattliche Konzernbezüge bekommt. Schröders Ausflug ins Schlaraffenland des Kapitalismus gilt als weiteres Beispiel für den unrühmlichen „Drehtüreffekt“, bei dem ehemalige Politiker in die Privatwirtschaft wechseln – und Macht gegen Geld tauschen.

Der zweite Kritikpunkt geht über Neid und Missgunst hinaus: Rosneft ist nicht irgendein Unternehmen. Es gilt als verlängerter Arm des Kremls, der Energie als politische Waffe nutzt, um Russlands politische Weltmacht-Ansprüche durchzusetzen. Im Rahmen des Ukraine/Krim-Konflikts unterliegt der Konzern derzeit schwerwiegenden EU-Sanktionen.

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Ausgerechnet Deutschlands Ex-Kanzler unterminiert also mit seinem Engagement die europäische Außenpolitik. Was Schröder als Neuauflage friedenstiftender Ost-Politik darstellt, ist genau das Gegenteil: ein streitschürender Keil in den ausnahmsweise mal geschlossenen EU-Reihen.

Zur Person

  • Claudia Kemfert

    Prof. Dr. Claudia Kemfert leitet seit 2004 die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und ist seit 2009 Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance (HSoG).

Aus einem dritten Grund ist die Schrödersche Polit-Raupe Nimmersatt zu kritisieren – nämlich weil er längst als Köder an der Angel eines Großkonzerns hängt, der mit Hilfe der fetten Raupe noch fettere Fische fangen will. Rosneft ist der größte Ölkonzern der Welt und eine Supermacht im Kampf um die Vormachtstellung in der globalen Energieversorgung. Rosnefts Geschäft basiert auf gewaltigen Ölreserven in der russischen Erde, dem Rohstoff also, von dem die ölsüchtige Verbrennungsmaschinerie der industrialisierten Welt abhängig ist. Doch die Nebenwirkungen dieses Deals lassen sich nur mit größter Anstrengung leugnen: Die fossile Energiewirtschaft pumpt nicht nur jahrtausendealten Kohlenstoff aus dem Boden, sondern auch permanent Tonnen von CO2 in den Himmel.

Der menschengemachte Klimawandel und seine Folgen weckt die fossilen Junkies aus ihrem Drogenrausch. Die in Deutschland erdachte und erfolgreich erprobte Energiewende beweist: Ein hochindustrialisiertes Land könnte seine Leistungskraft und seinen Wohlstand allein mit erneuerbaren Energien sichern! Was vor zwanzig Jahren noch unvorstellbar war, ist hierzulande längst Gewissheit. Klar: Diese frohe Botschaft erfreut weder Rosneft, noch Gazprom, noch den Kreml. Denn das schwarze Gold von gestern wäre damit das Pech von morgen: zäh, klebrig, unverkäuflich. Die letzte russische Wirtschaftsressource wertlos? Was für ein Albtraum.

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Gerhard Schröder in St. Petersburg Quelle: REUTERS

Und also werden keine Kosten und Mühen gescheut, um das Schicksal des eigenen Niedergangs abzuwenden. Das fossile Imperium sucht sich seine gleichgesinnten Handlanger: Klimaleugner und fossile Lobbyisten der Vergangenheit. Ob Trump, Le Pen oder überalterte Provinzpolitiker, wer auch immer sich gegen jede Art von Klimaschutz stellt, bekommt Rückenwind aus Moskau.

Der Altkanzler aus Hannover ist damit nur das jüngste Beispiel für die Marketingmethoden des fossilen Imperiums. Für die fake-basierte Polit-Propaganda werden prominente Wirtschaftswunder-Pensionäre eingespannt, die in ihren Peergroups das immer gleiche und angstschürende Märchen vergangener Tage erzählen (sollen): Ohne Russland, ohne Kohle, Gas und Öl wäre nichts mehr, wie es mal war. Der Refrain des fossilen Angstgesangs lautet: Die Energie-Versorgungssicherheit sei gefährdet.

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