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KommentarSchuldenkrise: Qualm auf der Ponderosa

von Henning Krumrey

Der Steuerzahler muss über den Verbleib Griechenlands im Euro nicht mehr nachdenken. Er ist stets mit über 80 Milliarden dabei.

Die Älteren erinnern sich noch an Bonanza: An den dicken Hoss, den Patriarchen Ben – und bestimmt an den Vorspann der Cowboy-Vorabendserie. Von den Rändern fraßen sich Flammen über eine alte Landkarte, bis zur Farm der Cartwrights. Nichts anderes geschieht gerade in der Euro-Zone.

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Von den Brandherden im Süden und in Irland züngelt das Feuer in Richtung der stärksten Wirtschaftsmacht des Kontinents. Mit der Entscheidung der Ratingagentur Moody’s, den Ausblick für Deutschland auf „negativ“ zu setzen, dringt der Qualm bereits ins Haus. Und vor unserer Ponderosa steht Mutter Merkel, einen Wassereimer in der Hand.

Der unendliche Rettungsmarathon hat Deutschlands Steuerzahler in eine unauflösliche Geiselhaft geführt: Bleibt Griechenland im Euro, sind schon im Herbst die nächsten Milliarden Richtung Athen zu verschicken, weil dort die Steuereinnahmen nicht einmal für die laufenden Ausgaben reichen – von den Zinsen auf die Staatsschuld ganz abgesehen. Auf 89 Milliarden Euro taxiert das ifo Institut die Kosten, die dann an Deutschland hängenbleiben.

Rausschmeißer freuen sich jetzt zu früh. Muss Griechenland nämlich die Gemeinschaftswährung verlassen, werden auch satte 82 Milliarden Euro fällig, für die die Bundesrepublik haftet oder die im Kapitalverkehr der Euro-Zentralbanken als uneinbringliche Forderung der Bundesbank gegenüber den hellenischen Kollegen wegfallen.

Schweden, Polen & Co. Euro – nein, danke!

Die Gemeinschaftswährung wird als Garant für Exporterfolg und Wohlstand verkauft. Doch viele europäische Nachbarn wollen den Euro trotzdem nicht. Warum, zeigt eine Reise durch Schweden, Polen und Kroatien.

Schweden, Polen & Co.: Euro – nein, danke!

Mit diesem Betrag ließen sich die Kreditmarktschulden aller deutschen Kommunen auf einen Schlag zurückzahlen. Für jeden Griechen ist Deutschland 8000 Euro an Verpflichtungen eingegangen. Zum Vergleich: Unterm Strich hat der öffentliche Gesamthaushalt – also Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherungen – im vergangenen Jahr für jeden Bundesbürger nur 152 Euro Schulden aufgenommen.

Keine Lösung von Seiten der Opposition

Das Verrückte: Gerade lernen wir schmerzhaft, dass die Euro-Länder eben doch viel zu verschieden sind, als dass eine Währungsunion funktionieren könnte – in Größe und Wettbewerbsfähigkeit, in der Struktur, sogar in der Mentalität und der Einstellung zu Inflation und Staatstätigkeit. Und trotzdem wollen uns die offiziellen Europa-Fanatiker weismachen, dass alles besser wird, wenn die ungleichen Partner nur noch mehr Politikbereiche noch enger miteinander verzahnten.

Und natürlich gibt es kein regierungsamtliches Wort zum möglichen Aus der Griechen. Stattdessen die immer gleichen ulbrichthaften Durchhalteparolen: „Niemand hat die Absicht...“

Die Opposition trägt nichts zur Lösung bei. Gerade noch amüsierte sie sich über den als harmloses Würstchen karikierten Wirtschaftsminister, nun soll Philipp Rösler plötzlich die Ratingagentur Moody’s zur Deutschland-Schelte verführt haben. Ärmlicher geht es nicht. Dabei haben sich SPD und Grüne seit jeher daran beteiligt, immer neue Milliardenverpflichtungen einzugehen. Nur dass sie dieses Abenteuer nicht einmal jetzt weder zeitlich noch mengenmäßig begrenzen wollen.

Der Cartwright-Clan der deutschen Europapolitik, das ist die CDU. Stammvater Konrad Adenauer legte den Grundstein, setzte aber noch auf die Zusammenarbeit der Vaterländer. Helmut Kohl, der Hoss der Christdemokraten, forcierte die Gemeinschaftswährung. Angela Merkel kämpft wie jede dritte Generation gegen den Zerfall.

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Noch lässt die Bundeskanzlerin im Dunklen, wie sie es mit Griechenland halten will. Doch Angela Merkels Ankündigung, den Wahlkampf über den Euro führen zu wollen, gibt einen Hinweis, dass sie sich gedanklich von den Griechen abnabelt. Denn die Auseinandersetzung, wem die Deutschen ihre Heimat in deren schwerster Krise anvertrauen wollen, kann sie nur mit Glaubwürdigkeit bestehen.

Glaubwürdigkeit, dass es Hilfe nur bei Gegenleistung und Wohlverhalten gibt. Dass Regeln und Versprechen einzuhalten sind. Überzeugend geht das nur, wenn Griechenland die Euro-Zone verlässt und nicht immer neue Milliardenbeträge sanktionslos nach Athen überwiesen werden.

10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.08.2012, 15:45 UhrHopSing

    Mit Verlaub, Herr Krumrey, die Flammen fraßen sich von Virginia City zu den Rändern. Diese Richtigstellung sind wir den Cartwright`s schuldig.

    Schöne Grüße
    Arno Zier
    Wremen (Nordseebad)

  • 01.08.2012, 14:09 Uhreli

    Sie haben wohl einen Vogel.

  • 30.07.2012, 13:09 Uhrinfo@ahlers-celle.de

    ahlers-celle.de; sehr geehrter Herr Krumrey, was halten Sie von meinem Vorschlag einer halben Griechenland-Pleite? Die volle Pleite kostet Deutschland 89 Milliarden €. Darauf spekuliert doch die griechische Regierung. Also: Nur neues Geld, wenn griechische Staatsangestellte und Rentner u.a. auf eine Monatszahlung verzichten; in drei Schritten. Die 1. Zahlung am 10. des Monats, die 2. Zahlung am übernächsten 20. des Monats und die 3. Zahlung am überübernächsten des 30. Tages des Monats.

    Das griechische Volk ist nicht ganz dumm. Aber die griechischen Gewerkschaften haben immer noch nicht kapiert, dass die korrupten griechischen Politiker 120 % der privaten griechischen Geldersparnisse zu Staatsschulden gemacht haben. Was theoretisch undenkbar ist, wurde möglich, indem europäische Banken mitgeholfen haben.

    Hauptursache der €-Krise ist aber, dass VWL-Fachidioten 60 % des BIP als Grenze gesetzt haben. Deshalb landete Deutschland bei über 80 %, Italien bei über 120 % und Griechenland bei über 160 %. In Relation zu den privaten Geldersparnissen landete Deutschland Ende 2011 bei 58,54 % (2 088,5 Mrd. € Staatsschulden von 3 567,6 Mrd. € Ersparnissen bei Sparkassen, Banken, Versicherungen und beim Staat).

    Die Opposition denkt nun einmal so: Wir gewinnen die Wahl mit Geschenken auf Kredit, denn wir werden nicht ewig in der Regierung bleiben. Wenn wir wieder in der Opposition sind, vererben wir unsere Schulden der übernächsten Regierung.

    Mit freundlichen Grüßen, Ihr Hans-Jürgen Ahlers aus Celle bei Hannover

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