Schule: Von wegen Bildungsrepublik!

KommentarSchule: Von wegen Bildungsrepublik!

von Max Haerder

Der jüngste "Chancenspiegel" der Bertelsmann-Stiftung erzählt wenig Neues über die Schwächen des deutschen Bildungssystems. Das macht die Ergebnisse noch bedrückender.

Die schmerzenden Fragen, die an das deutsche Bildungssystem gestellt werden müssen, lauten nicht: Wo geht es gerecht zu und wo nicht? Die richtige lautet: Wo geht es noch ungerechter zu als ohnehin schon?

Die Bildungspolitik teilt sich in eine Ära vor PISA und nach PISA. Im sorgenfreien Wirtschaftswunderland der alten Bundesrepublik konnten sich Schüler, Eltern und Kultusminister noch der wohligen Illusion hingeben, es gäbe guten Unterricht und Wohlstand für alle. Das leistungsfähige Gymnasium war für die bürgerliche Elite da, die Realschule kümmerte sich um die tüchtigen Arbeiter, Hauptschulen und duale Ausbildung blieben für die praktisch Begabten und Aufstiegswilligen. Alles vorbei.

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In den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren hat die Bildungsforschung all diese Wunschbilder gründlich und nachhaltig demontiert. Übrig blieb eine ziemlich nüchterne Bilanz. Die erste internationale Pisa-Vergleichsstudie über das Können deutscher Schüler und die vermeintliche Chancenmaschine Bildung zerschoss das Selbstbewusstsein der Dichter und Denker, Tüftler und Bastler gründlich, sehr gründlich.

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Seit dem hat Deutschland – so viel Fairness muss sein – wie kaum ein anderes Industrieland mit mageren Ergebnissen seinen Schock in Politik umgesetzt. Und doch: Es reicht noch nicht, noch lange nicht. Der jüngste Chancenspiegel der Bertelsmann-Stiftung trägt akribisch zusammen, woran es fehlt: Kein Bundesland schafft es, mehrere hehre Ziele gleichzeitig zu erreichen: Entweder wird die Unterstützung der Leistungsstarken nur mit Aussieben der Schwächeren möglich. Oder die Förderung  der Problemfälle geht zu Lasten des Niveaus. Immer bleibt ein Befund: Das deutsche Bildungswesen schafft es in den Jahren von der Kita bis zum Schlussabschluss nicht, die familiär und sozial Benachteiligten an die Glücklichen heranzuführen. Stattdessen gilt: Wer hat, dem wird gegeben.

Wer die Qualität der Sozialen Marktwirtschaft an ihrer tatsächlichen Fähigkeit misst, Chancengerechtigkeit wenn nicht für alle, aber doch für möglichst viele ihrer Bürger herzustellen, die mehr ist als Sonntagsredenstoff, den muss es angesichts der Ergebnisse schütteln. Nicht zum  ersten Mal.

Deshalb, als Beispiel, nur eine Frage, die in aller Offenheit zu diskutieren wäre: Darf das Ideal der Chancengerechtigkeit die rigorose Pflicht zum Kitabesuch legitimieren? Eine liberale Wirtschaftsordnung und Zwang – geht das zusammen? Die Wirklichkeit der deutschen Bildungsrepublik gibt selbst die Antwort: Den Schwächsten würde genau das am meisten helfen. Also: Her damit!

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