Schweinegrippe: Das Virus ist überall

Schweinegrippe: Das Virus ist überall

Die Zahl der Infizierten in Deutschland wächst schnell. Die ersten Experten werfen den Politikern Versagen vor.

Während Gesundheitsexperten Selbstverständliches wie „öfter mal Hände waschen“ predigen, beraten bei Bund und Ländern Tag um Tag Krisenstäbe darüber, wie man mit der wachsenden Zahl an Schweinegrippefällen umgehen soll.

Christine Lieberknecht, Thüringens Gesundheitsministerin und Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz der Länder beruhigt: „Trotz der steigenden Zahl der Infizierten besteht kein Anlass zur Panik.“

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Das Virus sei zwar hochansteckend, aber medizinisch beherrschbar. Doch im Hintergrund mehren sich die Stimmen, denen zufolge die Politik massiv versagt. „Ich fordere die Gesundheitsminister von Bund und Ländern auf, schnellstens etwas zu tun, um die Infektionskette zu unterbrechen“, sagt Heiko Schneitler, der Leiter des Düsseldorfer Gesundheitsamts, „sonst haben wir verloren.“

Er warnt vor der Veränderung des Erregers: „Je mehr Leute sich anstecken, desto gefährlicher kann die Entwicklung werden.“ Die derzeit gemeldeten Zahlen hält Schneitler für Makulatur. Denn wer mehr Kontrollen durchführe, finde auch mehr Fälle. Reihenweise träfen derzeit Busse mit infizierten Urlaubern ein. Schneitler hat bereits durch die schärfsten Flughafenkontrollen Deutschlands für Schlagzeilen gesorgt.

Im hessischen Gesundheitsministerium erntet er Kopfschütteln. „Die Entwicklung lässt sich kaum noch eindämmen, das Virus ist längst überall“, sagt Hessens Gesundheitsminister Jürgen Banzer und argumentiert: „Die Weltgesundheitsorganisation und das Robert Koch-Institut raten uns ganz klar, wir sollten jetzt alle Kraft auf die Impfungen setzen.“

Doch wenn der Impfstoff voraussichtlich im September auf den Markt kommt, erhalten laut Bundesgesundheitsministerium zuerst Ärzte und andere Mitarbeiter im Gesundheitswesen sowie chronisch Kranke das Serum.

Die meisten Bundesbürger werden länger darauf warten müssen; wie lange, wollten weder das Ministerium noch der Serumhersteller GlaxoSmithKline abschätzen. Amtsleiter Schneitler jedenfalls schimpft: „Ich höre überall nur, dass man die Verbreitung nicht mehr eindämmen kann, aber wenn übermorgen die Entwicklung dramatisch wird, dann weiß ich, wer schuld ist, nämlich die, die nichts getan haben.“

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