Serdar Somuncu: Geht mir nicht auf die Nerven!

kolumneSerdar Somuncu: Geht mir nicht auf die Nerven!

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Verkäuferin in einem Bekleidungsgeschäft.

Kolumne

Unser Kolumnist hasst es, angesprochen zu werden. Da ist er in modernen Läden leider verloren.

Ich gehe nicht mehr einkaufen. Das habe ich mir jetzt geschworen. Nicht weil ich zu faul bin. Im Gegenteil. Ich liebe es, am Wochenende zu flanieren und hier und da etwas zu entdecken. Ich liebe es, mit vollen Tüten nach Hause zu kommen und die Beute auszupacken. Aber da gibt es etwas, das mir mittlerweile diese Freude am Konsum nimmt: nämlich das unerträgliche Benehmen der Verkäufer und die gekünstelt-aufgesagte Freundlichkeit des Personals.

Kaum trete ich in einen Laden, da lauert mir schon einer dieser Angestellten auf: Er interessiert sich nicht für mich und meine Wünsche, hat aber von seinem Chef aufgetragen bekommen, dies möglichst penetrant zu überspielen. Also fragt er mich, ob er mir helfen kann, ob ich zurechtkomme, ob ich denn auch Bescheid gebe, wenn ich Hilfe brauche und wenn nein, warum nicht?

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Ich hasse es, angesprochen zu werden. Vor allem, wenn ich in einen Laden gehe, um erst einmal einen Eindruck zu bekommen. Manche Läden stinken nach Parfüm, andere sind dunkel wie eine Höhle, überall läuft Musik, und immer wird man geduzt.

Zum Autor

  • Serdar Somuncu

    Serdar Somuncu ist Kabarettist, Buchautor und Schauspieler. Der 48-Jährige tritt unter anderem regelmäßig in der ,,heute-show" des ZDF auf.

Obwohl ich also sichtbares Desinteresse zeige, wird mir mit Gewalt ein Gespräch aufgezwungen, ich werde so lange mit dämlichen Fragen malträtiert, bis ich den unbändigen Willen spüre, sofort wieder aus dem Laden zu rennen und durchzuschnaufen.

Mein Gott ... Wer hat das erfunden? Diesen ewig gleichen Fragenkatalog, der mir suggerieren soll, dass sich da jemand ernsthaft Gedanken um mich macht. Wirke ich so orientierungslos, dass ich aus einem Stapel T-Shirts nicht die richtige Größe finde? Oder bringe ich damit die schöne Ordnung dieses superfancy Shops durcheinander?

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Oder ist es einfach nur die Adaption eines fehlinterpretierten Verständnisses von Service und Dienstleistung? Womöglich lernen diese Menschen neben dem geheuchelten Interesse für ihre Kunden an ihren Ausbildungsstätten für servilen Service ja ebenso, dass man nur lange genug ausdauernd dumme Fragen stellen muss, damit sich der Kunde irgendwann aus dieser ungewollten Geiselhaft freikauft.

Ich weiß nicht, ob das so ist. Ich weiß nur, dass es das Gegenteil bei mir bewirkt. Ähnlich wie in einem leeren Restaurant, in dem der Kellner mich beim Essen beobachtet und bei jedem Bissen fragt, ob es mir schmeckt, löst diese Art von übertriebener Freundlichkeit auch in Geschäften bei mir einen akuten Fluchtreflex aus.

Manchmal kann Freundlichkeit eben auch zu viel des Guten sein. Ob es die ellenlange Begrüßungsfloskel an der Hotline ist oder der vermeintlich warme Empfang an der Hotelrezeption: Die Kunst einer guten Bedienung besteht immer noch darin, dass man dem Kunden das Gefühl gibt, für ihn da zu sein. Aber ihn nicht zwingt, dazubleiben.

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