Sigmar Gabriel auf Sommerreise: Alle gegen Oskar

Sigmar Gabriel auf Sommerreise: Alle gegen Oskar

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Bundesumweltminister Sigmar Gabriel mit einem Jungbiber. Nach dem Berliner Eisbären Knut hat er auch für den Biber die Patenschaft übernommen

Vor Kurzem noch wollte er als oberster Klimaschützer die Welt retten, heute wäre Sigmar Gabriel (SPD) schon froh, wenn er seine Partei vor weiteren atmosphärischen Störungen bewahren könnte. Solidarisch eilt der Umweltminister den schwächelnden Genossen im Saarland zur Hilfe – und betreibt dabei auch Artenschutz in eigener Sache, schreibt WirtschaftsWoche-Redakteurin Stefanie Augter.

Im vergangenen Jahr wollte Gabriel noch hoch hinaus: Er wanderte während seiner Sommerreise durch den Bayerischen Wald und kletterte bis auf die Zugspitze. Hinter ihm lag der schmelzende Gletscher, vor ihm (zumindest zeitlich) die Klima-Konferenz auf Bali. Der Rekord-Ölpreis hat die hitzige Debatte um die Erderwärmung inzwischen abgekühlt, welche Energieform die richtige ist, entscheidet künftig nicht nur das Gewissen sondern, ganz nüchtern, auch der Geldbeutel.

Auf seiner diesjährigen Öko-Reise durchs Saarland zeigte sich Gipfelstürmer Gabriel Klima-strategisch dann auch weitaus weniger ambitioniert. Ein Spaziergang durchs Feuchtbiotop, eine Radtour am Schlammweiher entlang – das war’s. Als Klettertour stand nur eine etwa 80 Meter hohe Abraumhalde auf dem Programm. An der Saar hat der Sozialdemokrat schließlich andere Sorgen als den Klimawandel. Dort geht es um die atmosphärischen Störungen in der eigenen Partei.

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Bei den Sozis an der Saar herrscht Schockstarre. Seit Oskar Lafontaine, der ehemalige Ministerpräsident, sich zum Spitzenkandidaten der Linkspartei küren ließ, fürchten die Genossen weiteren Stimmenschwund. Früher fuhr die SPD im ehemaligen Montanrevier absolute Mehrheiten ein, heute zieht ihr ehemaliger Frontmann mit seinem neuen Gefolge in der Wählergunst an ihnen vorbei – und lässt seinen sonst kämpferischen Konkurrenten Heiko Maas (SPD) strauchelnd zurück.     

Um das erschütterte Selbstbewusstsein der Saar-SPD wieder aufzurichten, kam Gabriel genau zur rechten Zeit. Denn bei der Landtagswahl im nächsten Jahr zählt jede Stimme – und auch jede Bürgermeisterwahl. So durfte sich Frank John, Kandidat für die Gemeinde Kirkel, bei seiner Wahlkampfveranstaltung über einen selten großen Ansturm freuen. 240 Besucher drängten sich in den völlig überfüllten Saal, als Gabriel mit scharfen Worten zum Kampf aller gegen „Oskar“ aufrief.

Gabriel traut sich Kanzlerkandidatur zu

„Oskar ist ein Verantwortungsflüchtling“, rief Gabriel den Genossen zu. Lafontaine wolle gar keinen Platz im Landtag, der habe die bundespolitische Bühne im Sinn. „Da wird Schindluder getrieben mit dem Parlamentarismus“, warnte Gabriel. Die sozialen Versprechen der Linksparteien seien Volksverdummung, statt diesen Nachzueifern solle die SPD stolz auf die Reformen der Schröder-Ära sein. „Man bekommt schließlich keine Pickel, wenn man die eigene Arbeit lobt“.  

Die Wortgewalt des Ministers überzeugte – und das ist nicht nur für Bürgermeister und Landesfürsten in spe gut. Auch Gabriel hat schließlich noch große Pläne. Für die kommende Legislaturperiode gilt er als Kandidat für das Amt des SPD-Fraktionschefs. Auch eine Kanzlerkandidatur traut er sich zu, sagen Parteifreunde. Bisher hatte Gabriel sich allerdings ganz auf die Sachpolitik seines Hauses konzentriert und sich zudem selten in innerparteiliche Streitigkeiten eingemischt.

Doch das könnte sich bald ändern. Dass er sich nicht ewig mit Bibern und Borkenkäfern beschäftigen möchte, dafür gab seine Sommerreise dezente Hinweise. „Astrid“, sagte er scherzhaft zu seiner Staatssekretärin Astrid Klug, „lass mich noch ein bisschen Minister sein. Dann kannst Du es machen“.

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