Sigmar Gabriel in China: Yin und Yang heißt Licht und Schatten

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Sigmar Gabriel in China: Yin und Yang heißt Licht und Schatten

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Jochem Heizmann (l) geht zusammen mit Sigmar Gabriel (SPD, M) und dem chinesischen Vize-Industrieminister Su Bo (r) über den VW-Stand auf der Automesse in Peking.

von Henning Krumrey

Der zweite Tag der Gabriel-Reise brachte der mitgereisten Wirtschaftsdelegation ein Wechselbad der Eindrücke: strahlende Zukunftsperspektiven und Rückfälle in alte Zeiten.

Ein kräftiges Metallicblau leuchtet durch die Menschenmenge. Eine ganze Phalanx knalliger Modelle hat Audi in der ersten Reihe seines Standes eingeparkt. Ohne reichlich Chrom geht es nicht, Holz wird gern genommen. Der Lack darf auch in Kupfer oder gar Gold glänzen. Und natürlich ein verlängerter Radstand, damit es auf den Lederpolstern ja nicht zu eng zugeht. Zwischen all den glänzenden Karossen auf der Motor Show in Peking kann sich Jochem Heizmann deshalb auch kaum fassen vor Stolz. Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen Group China schwärmt von immer weiter steigenden Zulassungszahlen. Schon wieder ein Plus von 13 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres.

Besondere Freude machen die größeren Limousinen und SUV des Konzerns, denn die chinesischen Kunden streben allen Staus in den Metropolen zum Trotz nicht nach sparsamen Kleinwagen, sondern klotzigen Prestigevehikeln. Dass es in den ersten Städten Zulassungsbeschränkungen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren gibt, schreckt Heizmann nicht. Denn mit den ersten Elektroautos sieht sich Volkswagen auch dafür gewappnet.

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Peking Auto Show Deutsche Autobauer im China-Fieber

China ist derzeit der größte Wachstumsmarkt für die deutsche Autoindustrie. Die chinesischen Fahrzeughersteller sollten sie dabei nicht aus den Augen verlieren: Denn die Konkurrenz rückt näher.

Aufmacher China VW Quelle: dpa

Langsam schiebt sich der Tross von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel durch die überfüllten Gänge, und der Andrang scheint die Hoffnungen der deutschen Hersteller zu bestätigen. Auch an den Ständen von BMW und Mercedes-Benz hört der Gast aus Deutschland von der starken Nachfrage nach deutschen Autos. Alle drei Hersteller erwarten stärkere Wachstumsraten als auf jedem anderen wichtigen Markt. Als BMW-Mann Karsten Engel seine Sorgen mit dem Stromer i3 schildert, wendet sich Gabriel direkt mit der Industrie-Forderung an den chinesischen Vizeminister, der ihn begleitet: „Im Ausland produzierte Elektroautos bekommen nicht die gleiche Privilegierung wie in China produzierte. Und die Zulassungsbedingungen sind in jeder Region unterschiedlich.“ Der Gastgeber sagt zu, dass man die Ungleichbehandlung erkannt habe und nun abschaffen wolle.

Überhaupt trafen Gabriel und seine Wirtschaftsdelegation in Peking auf überraschende Offenheit – jedenfalls was ökonomische Fragen anbelangt. Der Wandel „ist ernst gemeint“, glaubt Gabriel. „Die Chinesen haben erkannt, dass ihr Wachstumsmodell nach 30 Jahren an seine Grenzen gelangt ist.“ Lediglich das Treffen mit Dissidenten kam nicht zustande, was Gabriel bei der Regierung noch monieren wird. Die geplante wirtschaftliche Öffnung, die die Herrscher vor einigen Monaten verkündet haben, scheint mit innenpolitischer Repression einherzugehen.

Den Rückfall in alte Zeiten konnten die Geschäftsreisenden ausgerechnet in Shanghai erleben, der als so fortschrittlich gepriesenen Metropole ganz im Osten des Landes. Dort will die Regionalregierung die vor einem Jahr gestartete Freihandelszone präsentieren, doch die Vorstellung gerät zu einer Erinnerung an längst vergangen geglaubte Zeiten. Gu Jun, Vize im regionalen Handelsministerium, trägt in alter tonnenideologischer Manier die Daten der Freihandelszone vor, preist die großen Errungenschaften und hochfliegenden Pläne. Clas Neumann, Senior Vice President von SAP in China, der hier die deutsche Delegation anführt, macht in seiner Danksagung diplomatisch noch das Beste daraus: „Manches war neu, aber vor allem war das eine eindrucksvolle Zusammenfassung der bisherigen Erfolge. Ich beglückwünsche Sie und Ihre Kollegen zu Ihren Erfolgen und zu dieser Präsentation.“

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