Skandal um Anglo Irish: Merkel: "Nur Verachtung" für irische Banker

ThemaUnion

Skandal um Anglo Irish: Merkel: "Nur Verachtung" für irische Banker

Nach dem Bekanntwerden höhnischer Telefonmitschnitte irischer Banker aus dem Krisenjahr 2008 hat Angela Merkel das Verhalten scharf kritisiert. Sie habe für diese Menschen nur "Verachtung" übrig, sagte die Kanzlerin.

Bild vergrößern

Kanzlerin Angela Merkel hat sich zum Skandal um Banker der Anglo Irish geäußert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Deutschland verhöhnenden und die EU-Hilfen ins Lächerliche ziehenden irischen Banker scharf kritisiert. „Ich kann nur sagen, die Tonalität scheint bankenübergreifend gleich zu sein“, sagte sie in der Nacht zu Freitag in Brüssel. „Und sie ist für Menschen, die ganz normal jeden Tag zur Arbeit gehen, die ihr Geld verdienen, einfach nur ganz, ganz schwer zu verkraften, um nicht zu sagen, gar nicht zu verkraften.“ Sie habe für diese Menschen nur "Verachtung" übrig.

Die Zeitung „Irish Independent“ hatte den Inhalt mitgeschnittener Telefonate von Bankern aus dem Jahr 2008 veröffentlicht. Es werde deutlich, dass irische Top-Banker damals zum Ausmaß eines nötigen Überbrückungskredits zur Rettung der maroden Bank gelogen hätten, schreibt das Blatt. Die Banker hätten gewusst, dass weit mehr als die von den Iren angeforderten 7 Milliarden Euro nötig gewesen seien.

Anzeige

Pleitebanker der Anglo Irish Milliarden-Kapitalbedarf „aus dem Arsch gezogen“

Nach ihrer Verstaatlichung und Liquidierung erregt die Pleitebank Anglo Irish noch einmal die Gemüter der Iren. Telefonate werden öffentlich, die die ganze Verachtung der Banker gegenüber Politik und Kunden zeigen.

Anglo Irish Bank in Dublin im Jahr 2010: Man werde „zurückzahlen, wenn wir das Geld haben... also nie“. Quelle: Reuters

In einem Ausschnitt ruft der ehemalige Bankchef David Drumm seine Mitstreiter der Zeitung zufolge dazu auf, „einfach das Geld einzutreiben“ oder sagt lapidar: „ein neuer Tag, eine weitere Milliarde“. Ein anderer Banker sang demnach am Telefon "Deutschland, Deutschland über alles" in Anlehnung an eine Nationalhymne aus der Zeit vor dem Krieg. In Irland schlagen die Mitschnitte hohe Wellen.

Irland hatte die Anglo Irish mit Hilfe seiner EU-Partner gerettet. Deutschland war größter EU-Geldgeber bei den Hilfen. Die Kapitalspritzen für die inzwischen abgewickelte Bank sowie zwei weitere Institute kosteten die irischen Steuerzahler rund 30 Milliarden Euro und machten das ehemalige Boom-Land der Euro-Zone zum Bittsteller in Brüssel und Washington. Ende 2010 bewahrten die Europäische Union (EU) und der Internationale Währungsfonds (IWF) Irland mit 85 Milliarden Euro von der Pleite. Der daraus verbundene Sparkurs des Landes zwang vielen der 4,6 Millionen Iren Gehaltskürzungen und Steuererhöhungen auf.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%