So wählt das Netz: Merkel hält Steinbrück selbst im Internet auf Distanz

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So wählt das Netz: Merkel hält Steinbrück selbst im Internet auf Distanz

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Kanzlerin Merkel hält sich von sozialen Netzwerken fern, trotzdem ist sie deutlich beliebter als Peer Steinbrück. Auch unter den Twitter-Nutzern

von Tim Rahmann

Die Bundeskanzlerin nennt das Internet "Neuland" und verweigert sich Twitter. Trotzdem liegt sie in der Gunst der Internet-affinen Wähler knapp, aber konstant vor dem SPD-Mann. Wie kann das sein?

Was haben der Papst, Ruandas Präsident Paul Kagame und Russlands Regierungschef Dmitri Medwedew gemeinsam? Sie alle besitzen einen Twitter-Account. Mehr als drei Viertel (77,7 Prozent) der Staats- und Regierungschefs weltweit sind bei dem Kurznachrichtendienst aktiv. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck gehören nicht dazu. Sie sind die einzigen Staats- und Regierungschefs aus der G8, die nicht twittern. Für sie ist das Web 2.0 offenbar wirklich noch "Neuland", wie Merkel das Internet kurz nach dem Aufflammen der NSA-Affäre nannte.

Beliebt bei Twitter-Nutzern

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So liegt es an Regierungssprecher Steffen Seibert (@RegSprecher), die Politik der Bundesregierung in der digitalen Welt zu erklären. Er meldet sich durchschnittlich fünf Mal am Tag auf Twitter zu Wort. Das reiche nicht, kommentiert Christian Thams, Managing Director von der internationalen Agentur für Public Relations und Public Affairs Burson-Marsteller, die untersucht hat, wie internationale Spitzenpolitiker das Web 2.0 nutzen. "Twitter ist wie andere Social-Media-Plattformen Alltag in der Kommunikation von Staats- und Regierungschefs geworden – aber nicht in Deutschland. Es wird Zeit, dass der Bundespräsident und die Bundeskanzlerin Twitter für die Kommunikation mit Bürgern und anderen Regierungen nutzen."

Obwohl sich Angela Merkel Twitter verweigert, liegt sie in der Gunst der Twitter-User knapp, aber konstant ihrem Herausforderer von der SPD, Peer Steinbrück. Der lässt über seinen Account @peersteinbrueck, der seit Ende 2012 besteht, Tweets versenden. Dennoch wird über ihn deutlich weniger und auch nicht entscheidend positiver bei Twitter kommuniziert, als über die CDU-Frau. Das zeigt das neue Onlineformat "So wählt das Netz", das WirtschaftsWoche Online gemeinsam mit der Firma Attensity entwickelt hat. Die Äußerungen der Bürger auf Twitter und Facebook zu den Spitzenkandidaten und  Parteien werden mit Hilfe der Social-Media-Monitoring und -Analytics-Lösung von Attensity analysiert.

Infografik So wählt das Netz

Während der Bundestagswahlkampfs analysieren die WirtschaftsWoche und der Datenspezialist Attensity mit einer Sprachanalysetechnik, wie das Netz über Parteien und Politiker diskutiert.

Attensity Einspalter und Themenseite

Ein zentrales Ergebnis: Angela Merkel erhält im Web 2.0 mehr Zustimmung als Peer Steinbrück. Die Bundeskanzlerin liegt derzeit (Stand: Donnerstag, 1. August, 8h) in der Gunst der User mit 52,5 Prozent der Stimmen vor Steinbrück, der auf eine Zustimmungsrate von 47,5 Prozent kommt. Zum Ende der vergangenen Woche lag Merkel gar mit rund 80 zu 20 Prozent vorne. Was genau das heißt?

Ein vereinfachtes Rechenbeispiel: Angenommen über Angela Merkel werden in einer Woche 6000 politische Beiträge veröffentlicht (in Wirklichkeit sind es deutlich mehr, aber dazu später mehr). Bei 1000 davon identifiziert die Spracherkennungssoftware  eine positive Grundstimmung, 1500 haben einen negativen Tenor. Peer Steinbrück kommt im gleichen Zeitraum auf 1000 Tweets und Facebook-Posts insgesamt, wovon 200 den SPD-Kandidaten loben und 400 kritisieren. Angela Merkel hätte nicht nur fünf Mal so viele Positiv-Meldungen gesammelt, sondern auch relativ gesehen weniger negative Stimmen. Die Zustimmungsrate läge in diesem Beispiel für Merkel bei über 85 Prozent, bei Steinbrück unter 15 Prozent.

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